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Badminton: Tokio 2020

Verhaltene Vorfreude bei Olympia-Debütantin Yvonne Li

Lüdinghausen

Am Freitag haben Yvonne Li (Union Lüdinghausen) und der Ex-Nullachter Kai Schäfer den Flieger bestiegen, der sie zu den Spielen von Tokio bringt. Die Deutsche Meisterin räumt ein, dass sie nicht gerade in einem Stimmungshoch sei – aus Gründen.

Von Florian Levenig

Freuen sich trotz der besonderen Umstände zumindest ein kleines bisschen auf die gemeinsame Olympiapremiere: die Lüdinghauserin Yvonne Li und Ex-Unionist Kai Schäfer. Foto: flo

Es gibt da dieses lustige Video von Badminton Europe, aufgezeichnet während der EM im Frühjahr in der Ukraine. Der Interviewer versucht herauszufinden, wie gut Yvonne Li, die Lüdinghauserin, und Kai Schäfer, der Ex-Unionist, einander kennen. Die Kurzfassung: ziemlich gut. Sie habe einen guten linken Fuß „beim Soccer“, er sei „der bessere Politiker“. Solche Sachen. Manchmal vervollständigt er Sätze, die sie begonnen hat. Und umgekehrt „Fast wie ein altes Ehepaar“, schlägt Schäfer vor. Wofür er umgehend einen Spruch von Li kriegt: „Wenn ich das deiner Partnerin erzähle . . .“

Frotzeleien unter Freunden, klar. Aber sie seien eben auch füreinander da, wenn es ihm oder ihr mal nicht so gut gehe, verrät der 28-Jährige unserer Zeitung, die beide vor einer Woche am Bundesstützpunkt in Mülheim besucht hat. So gesehen wird Schäfer in den Tagen bis zum gestrigen Abflug nach Tokio Schwerstarbeit verrichtet haben. „Die Vorfreude auf die Spiele ist ganz schön gedämpft“, räumte die Deutsche Meisterin beim Treffen mit den WN ein.

Drei Tiefschläge

„Drei Tiefschläge“ habe sie zuvor binnen 24 Stunden verkraften müssen: die Entscheidung der Japaner, dass die Ränge leer bleiben, die Ziehung der Gruppen, die ihr mit Ex-Weltmeisterin Nozomi Okuhara eine „extrem unangenehme“ Gegnerin beschert hat. Und schließlich das Umknicken beim Aufwärmen.

Der Fuß ist wohl wieder heil, der Zuschauerausschluss und die unglückliche Auslosung bleiben. Der Vater und der Bruder, die sie damals zum Badminton brachten, die Mutter, eine erfolgreiche Wasserspringerin: Alle sollten an Lis Olympiapremiere vor Ort teilhaben. Und dann die Vorrunde, die es wahrlich in sich hat. Schon die Russin Evgeniya Kozetskaya sei nicht eben das, was man eine Wunschgegnerin nennt: „Ich hab’ sie mal geschlagen – aber auch schon vier Mal gegen sie verloren.“

Und dann Okuhara, die Lokalmatadorin. Träfe sie in der Vorrunde auf Tzu Ying Tai (Taiwan) oder Yu Fei Chen (China), die anderen Top-Medaillenanwärterinnen, „wäre ich ebenfalls die Außenseiterin. Aber wenn es eine gibt, die mir noch weniger liegt, dann die Japanerin.“ „Flummi“ nennen sie Okuhara, die immer rechtzeitig in die entlegensten Winkel des Courts abtaucht, jeden Angriff pariert und die eigenen Schläge so flink wie präzise anbringt. Völlig chancenlos sei die Weltranglisten-22. beim olympischen Turnier dennoch nicht, meint Chefbundestrainer Detlef Poste: „Yvonne ist, gerade nach dem Lockdown, noch mal stärker und stabiler geworden. Sie kann an einem guten Tag selbst den Allerbesten gefährlich werden.“

Ausgeglichene Gruppe

Trotzdem denkbar, dass Schäfer Li nach der Vorrunde – nur die Gruppenbeste erreicht das Achtelfinale – ein weiteres Mal in den Arm nehmen muss. „Aber dazu sind Freunde ja da. Dass man die passenden Worte findet, den anderen aufrichtet.“ So wie Li ihm Trost nach einem etwaigen Ausscheiden spenden würde. Der ehemalige Steverstädter (mit Dortelweil just in die erste Liga zurückgekehrt) hatte etwas mehr Losglück. Die Gruppe, in der Schäfer auf den Thailänder Kantaphon Wangcharoen (aktuell die Nummer 18 im internationalen Ranking) und Toby Penty (Nr. 54) aus England trifft, sei „die vielleicht ausgeglichenste von allen“, glaubt der Weltranglisten-74., der, so Poste, „zuletzt sehr ansprechend trainiert hat“.

Sollte er die Vorrunde tatsächlich überstehen, dürfte es den Athletensprecher ein bisschen weniger grämen, dass er sich in Tokio kein Match der deutschen Hand- und der US-Basketballer anschauen darf. Erreichen gar beide die K.o.-Phase, steht indes jetzt schon fest, dass sie auf den anschließenden Pas de deux verzichten. Denn tanzen, auch das erfährt man im eingangs erwähntem Video, könne weder der eine noch die andere.

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