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Leichtathletik: Volksbank-Münster-Marathon

Völlig ausgelaugt – Kenianerin Jelagat bricht den Streckenrekord

Münster

Neun Jahre hielt der Streckenrekord von Eleni Gebrehiwot. Am Sonntag durchbrach ihn Lilian Jelagat beim Münster-Marathon. In 2:27:39 Minuten gewann sie in Bestzeit. Nicht nur sie musste beim Zieleinlauf erst mal behandelt werden.

Lilian Jelagat aus Kenia. Foto: Jürgen Peperhowe

Workneh Fikire Serbessa setzt kurz den Schulterblick, lacht auf den letzten Metern trotz all der körperlichen Pein in die tobende Menschenmenge am schmucken Prinzipalmarkt. Der Äthiopier hält Wort, gewinnt am Sonntag die 20. Auflage des Volksbank-Münster-Marathons, den Jubi-Lauf, nach 2:10:11 Stunden.

Die von seinem Manager angekündigten 2:06 Stunden sind zu hoch gegriffen, der Streckenrekord des Kenianers Justus Kiprotich aus dem Jahr 2018 (2:09,28 Stunden) fällt nicht. Zweiter wird Andrew Ben Kimtai aus Kenia (2:10:40) vor seinem Landsmann Cheshari Kirui Jacob (2:11:18).

Michael Brinkmann

Eleni Gebrehiwot ist zwar nicht am Start, aber der Name der gebürtigen Eritreerin fällt am Rande des Events immer wieder. Ihre Bestmarke von 2013 (2:29:12 Stunden) steht auf der Kippe – und wird von Lilian Jelagat getoppt (2:27:39). Die zierliche Kenianerin gibt auf den 42,195 Kilometern alles – und sinkt hinter dem Zielstrich völlig dehydriert zu Boden. Sofort eilen die Hilfs- und Rettungskräfte herbei, nehmen die Erstversorgung vor. Minuten später geben die Ärzte Entwarnung. Bei der Siegerehrung auf der Bühne merkt man Jelagat die Strapazen des Laufs an, sie ist arg gezeichnet, verlässt die Treppe mit Unterstützung von Marathon-Boss Michael Brinkmann.

„Die ersten drei Frauen haben sich wirklich nichts geschenkt“, sagt der 62-Jährige. Belohnt wird der Triumph mit knapp 10 000 Euro (Sieg, Streckenrekord, Zeitboni). Ihre Landsfrauen Peris Jerono (2:28:53) und Gladys Jeruto Kiptoo (2:29:18) landen auf den Rängen zwei und drei – und müssen ebenfalls hinter dem Zielstrich ärztlich betreut werden. Der Marathon hinterlässt Spuren.

83-jähriger Teilnehmer

Während die Eliteläuferinnen mitunter über ihre Grenzen gehen, wirkt Marcel Bräutigam nicht nur äußerlich fit auf den Beinen. Er ist auch sofort ansprechbar. „Ich kenne meinen Körper sehr gut, habe mir meine Kräfte eingeteilt“, sagt der 35-Jährige, der in 2:25:27 Stunden bester Deutscher ist. An seine Bestzeit kommt er nicht heran. 2015 in Frankfurt legte er einen fulminanten Lauf hin (2:17:05). Die beste deutsche Frau kommt von den Laufsportfreunden Münster und heißt Jana Kappenberg (2:49:06).

Eine große Party

Münster feiert am Sonntag eine große Party. Erstmals seit Bestehen des Marathons wird die Anmeldezahl von 9000 Läuferinnen und Läufern überschritten. „Das macht uns verdammt stolz und glücklich“, so Brinkmann. Auch die Anzahl der Nationen, 45 insgesamt, bringt einen Rekord. Neben Profis aus Kenia und der Mongolei finden Aktive aus den Benelux-Ländern, den USA, Großbritannien, Frankreich, Irland, Polen, Spanien, Neuseeland, Uruguay, Indien oder Honduras den Weg in die Stadt. Handball-Legende Heiner Brand, Weltmeister als Spieler 1978 und als Trainer 2007, nimmt den Startschuss am Schloss vor. „Ich bin begeistert. Dieser Marathon zieht Alt und Jung, Groß und Klein in seinen Bann“, zeigte sich der 70-Jährige beeindruckt. „Ich komme wieder.“ Vielleicht schon 2023 – dann steigt die 21. Auflage.

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