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Radsport

Vor genau 20 Jahren rollte der große Giro in Münster ein

Münster

Der Giro ist in Münster bekannt, jedes Jahr brettern Profis und fahrradbegeisterte Jedermänner durch Münsters Innenstadt. Doch auch der große Giro, die Italien-Rundfahrt, machte einst in Münster Halt. Vor genau 20 Jahren endete die erste Etappe vor dem Schloss.

Von Alexander Heflik

12. Mai 2002: Da war etwas los in Münster. Am Ende des Tages siegte der Italiener Mario Cipollini vor dem Schloss, zuvor hatte das Peloton seine Runden über den Prinzipalmarkt gedreht. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Vorarbeiten, das Herantasten an das Projekt begann schon 1997. Es war das Jahr, als Deutschland auf einmal Radsport-verrückt wurde – Jan Ullrich gewann die Tour de France. Doping spielte in der öffentlichen Wahrnehmung da keine Rolle. Die Rundfahrt durch Frankreich war längst keine nationale mehr, weil Auslandsstarts alle zwei Jahre die Regel wurden. Aber auch die Verantwortlichen des Giro d’Italia wurden flügge. Wo konnte die zweitbedeutendste dreiwöchige Rad-Rundfahrt, die über Jahrzehnte vergeblich versuchte, der Tour den Rang abzulaufen, ihren Auftakt erleben?

Zum Beispiel im Norden der Niederlande, in Groningen mit dem üblichen Prolog? Einen Tag später eine klassische Sprinteretappe, gute 200 Kilometer lang, vielleicht mit einer kurzen, knackigen Ankunft in Münster? Mit Wim Mensen auf niederländischer Seite und Bernd Schirwitz, dem damaligen Leiter der Sportamtes der Stadt Münster, fanden zwei zusammen, die das Projekt allen Widerständen zum Trotz organisieren wollten – und dies dann auch taten. Am 12. Mai 2002, vor nun genau 20 Jahren, endete die Etappe in Münster mit Schlussrunde in der „Guten Stube“ Prinzipalmarkt und dem „Sprint Royale“ vor dem Schloss. Mit dem Sieg des italienischen Superstars Mario Cipollini.

Münster war kein Traditionsstandort mehr

Schirwitz, heute 70 Jahre alt, kann sich haargenau erinnern, wie alles begann. Die Widerstände im Bund Deutscher Radfahrer zum Beispiel, der vornehmlich auf den Zuschlag für einen deutschen Tour-Etappenort schielte und generell den Süden Deutschlands als Präferenz für Rundfahrten ansah. Oder auch an die komplexen Gespräche mit Giro-Patron Carmine Castellano, der eine Reihe von Wünschen und Forderungen aufstellte. „Es gab ja zwei Probleme. Das eine war, dass bereits im Haushalt 2001 die mittelfristige Planung für 2002 geklärt sein musste. Die Entscheidung musste also 2000 fallen“, blickt Schirwitz zurück. Und Münster war alles, aber Münster war kein traditionsreicher Ort für Radsportrennen mehr. Früher einmal gab es Enschede-Münster, dann die Coca-Cola-Trophy, zudem einige gute Amateurrennen – nur Profisport gab es in dieser geforderten Ausprägung nicht. Und eine Etappe des Giro oder der Tour auszurichten, dafür musste eine Stadt eigentlich jede Menge Erfahrung haben.

Sportamtsleiter Bernd Schirwitz war zu dieser Zeit immer startklar mit seiner Giro-Idee. Foto: Oliver Werner

„Wir kannten die Strecke von Groningen nach Münster durch die Radtouristikfahrt“, erzählt Schirwitz. Aber erst 2000 gab es ein Profirennen von Groningen nach Münster mit Ziel auf dem Domplatz – es war eine eher überschaubare Veranstaltung. Ein Jahr später endete Groningen-Münster vor dem Schloss, Castellano höchstpersönlich hatte dabei den Innenstadtkurs gedreht. Er wollte nicht, dass bei Regen das Fahrerfeld von der Lambertikirche kommend mit vollem Tempo gen Stadttheater schießen würde. Also, der Kurs wurde gedreht.

Der Giro-Effekt zahlte sich aus

Ein Jahr später startete der Giro in Groningen mit einem Prolog, der Niederländer Michael Boogerd siegte. Tags drauf führte die Strecke fast schon in „Spargel-Form“ vom Norden aus nach Münster. Schirwitz spricht heute noch von der ganz großen Begeisterung, eine Million Menschen sollen am Streckenrand gestanden haben, die Polizei sprach von 300 000 Menschen. In Meppen standen die Schützen Spalier, in Rheine wurden gut 20 000 Menschen von dem den Zeitplan vorauseilendem Peloton und der Werbekarawane überrascht. Castellano sprach später davon: „Die Stimmung war besser als in Italien.“

„Radsport-Teufel“ Didi Senft ließ es sich nicht nehmen, nach Münster zu kommen. Foto: SYSTEM

Der Giro-Effekt, er zahlte sich mit einiger Verzögerung aus. Aus dem reinen Profirennen, das bis 2004 fortgeführt wurde, entstand 2006 der Sparkassen-Münsterland-Giro, ein Profirennen einerseits, ein Jedermann-Spektakel andererseits. Die Kreise des Münsterlandes und die dazugehörigen Sparkassen als Werbepartner wurden gewonnen. Ciao Giro, willkommen Giro heißt es nun seitdem.

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