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Volleyball: Bundesliga Frauen

Was für eine wilde Fahrt – USC Münster gewinnt 3:2 in Wiesbaden

Münster

Der USC Münster hat 3:2 beim VC Wiesbaden gewonnen – das sind die kühlen Fakten, die aber nicht beschreiben, was für eine packende Partie das Duell der Bundesliga-Kontrahenten am Samstagabend war. Und das lag nicht nur daran, dass die Unabhängigen um Topscorerin Iris Scholten erst den sechsten Matchball verwandelten.

Lasst uns jubeln: Nach dem Sieg am vergangenen Mittwoch gegen den VfB Suhl, legte der USC Münster am Samstagabend nach und gewann den Volleyball-Krimi von Wiesbaden mit 3:2. Foto: Jürgen Peperhowe

Was war das für ein wilder Ritt, den der VC Wiesbaden und der USC Münster da am Samstagabend hingelegt haben. 142 Minuten duellierten sich die Bundesliga-Rivalen, ehe in der hessischen Landeshauptstadt der Sieger feststand. Am Ende jubelten die Unabhängigen aus Westfalen, die die unglaublich spannende, mit reichlich Wendungen gespickte Partie 3:2 (28:26, 25:19, 31:33, 23:25, 15:13) gewannen – nachdem sie bereits im dritten Durchgang vier Matchbälle vergeben hatten. „Ich bin so stolz, dass wir diese Achterbahn zu einem positiven Ende gebracht haben. Wir sind hingefallen, aber wieder aufgestanden. Das war ein Kampf bis ans Limit“, sagte Lisa Thomsen.

Als „50:50-Spiel“ hatte die USC-Trainerin im Vorfeld das Kräftemessen mit dem VCW eingestuft, hatte dabei die richtige Vorahnung. Schon Abschnitt eins war hart umkämpft, anfangs mit Vorteilen für Wiesbaden. Die Gäste liefen bis auf zwei kurze Führungen (2:1, 14:13) lange hinterher, nach dem Punkt von VCW-Dauerbrennerin Tanja Großer zum 22:19 schienen die Hessinnen den Durchgang nach Hause zu bringen. Doch spätestens jetzt nahm der Wahnsinn seinen Lauf. USC-Kapitänin Iris Scholten glich zunächst zum 23:23 aus, um dann mit zwei erfolgreichen Angriffen die Anzeigetafel auf 28:26 zu stellen.

Kömmling startet für Kirchhoff

Ihre Mannschaft, die an die guten Leistungen von Stuttgart und Suhl anknüpfte, war nun überlegen, steckte nach dem schnellen 4:0 auch den Ausgleich (8:8) weg. Es folgte ein 5:0-Lauf, unter anderem mit einem Block von Nikolina Maros und einem Punkt von Elena Kömmling, die für Mia Kirchhoff in die Startformation gerückt war. Und als die 22-Jährige zum 18:10 nachgelegt hatte, war in diesem Satz tatsächlich vorzeitig die Entscheidung gefallen. Es war der einzige Durchgang ohne das ganz große Drama. Das aber folgte.

Münster nahm schnurstracks Kurs auf einen 3;0-Erfolg, lag nach einem Aufschlagwinner von Daniela Öhman 12:6 vorne. „Es wird Zeit“, mahnte Benedikt Frank, einst hauptamtlicher Trainer am Berg Fidel, seine Schützlinge in der Auszeit an. Und diese lief dem VCW weiter davon, Scholten stellte mit einem Block gegen Großer auf 17:12. Das Ding war geritzt, oder?

Herelova führt VCW zurück

Nein, ganz und gar nicht. Jetzt ging es erst so richtig los, die 1307 Zuschauer kamen auf ihre Kosten. Wiesbaden mobilisierte mit dem Mute der Verzweiflung neue Kräfte, pirschte sich angeführt von Nina Herelova zurück und hatte beim 24:22 zwei Satzbälle. Münster wehrte diese wie einen weiteren ab und erspielte sich seinerseits drei Gelegenheiten, das Spiel zu beenden – vergab diese aber. Die vierte und für lange Zeit letzte ließ Öhman bei ihrem Service ins Netz liegen, ehe der VCW seinen sechsten Satzball nach einem Kömmling-Fehler nutzte. Unglaublich, Münster war doch fast schon im Ziel gewesen.

Führung verspielt

So aber wurde es ein langer Abend, der beste Unterhaltung mit vielen langen Ballwechseln bot. Beide Mannschaften spielten mit viel Herz und Leidenschaften, hechten jedem Ball hinterher. Zu Beginn von Abschnitt vier machte es Münster wieder besser, hatte nach einem Scholten-Ass ein Fünf-Zähler-Polster (8:3). Doch erneut fightete sich der Gastgeber zurück, auch weil in der folgenden Phase USC-Stellerin Katerina Valkova einige unglückliche Pässe spielte. Ab dem 10:11 waren die Grün-Weißen so wieder im Hintertreffen, waren beim 14:19 weit zurück. Auch das Comeback von Juliane Schröder, die nach ihrem Bänderriss ab dem 14:17 bis zum Ende der Partie mitwirkte, half zunächst nichts. Zwar kam Münster nach einem Kirchhoff-Block gegen Herelova noch einmal heran (19:20), nach einer Netzberührung von Maros aber ging es in den Tiebreak.

Scholten mit 32 Punkten

In dem legte die Thomsen-Truppe vor (4:3, 8:6), Wiesbaden zog nach und führte zweimal (10:9, 11:10). Das letzte Worte hatte dann jedoch Münster. Öhman und Scholten, die unfassbare 32 Punkte bei einer Quote von 42 Prozent machte, holten dem USC das Momentum zurück. Maria Schlegel mit einem mutigen, nicht einfachen Ball legte zum 13:11 nach. Die Matchbälle fünf, sechs und sieben gab es dann nach einer Challenge, die es im dem TV-Live-Spiel gab. Wiesbadens Rachel Anderson hatte tatsächlich das Netz touchiert. Scholten scheiterte nach einem nicht optimalen Zuspiel noch. Als dann aber Joyce Agbolossou ihren Aufschlag im Netz versenkte, war die wilde Fahrt abrupt vorbei. Scholten, Schlegel und Co. tanzten, was die müden Beine noch hergaben.

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