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Handball: Olympia-Qualifikation

Deutschland ist bereit für Tokio

Berlin

Die Weltmeisterschaft hatte allen Beteiligten im Deutschen Handballverband mächtig Angst eingejagt – aber mit dem notwendigen Respekt war jetzt in Berlin die überfällige Leistungssteigerung fällig. Deutschland fährt nach Tokio, wenn dort in diesem Jahr Olympische Spiele stattfinden sollten.

Thomas Rellmann

Leere Halle, volle Ausbeute – Deutschland fährt im Juli nach Japan. Foto: imago images/MIS

Die Olympia-Teilnahme abzusichern war die eine Sache. Die andere lag darin, ein bisschen Vorfreude auf Tokio zu wecken. Beides ist den deutschen Handballern in der Max-Schmeling-Halle gelungen. Das (symbolische) Ticket, das Teammanager Oliver Roggisch nachher stolz vor sich hertrug, brachten sie durch das 34:26 (17:14) gegen Algerien mit ein paar frischen Kräften einen Tag nach dem elementaren 36:27 (22:12) gegen Slowenien seriös ins Ziel. In den drei Partien des Wochenendes deuteten sie zugleich das Potenzial an, das im gesamten Kader schlummert, oder schöpften es wie in den ersten Halbzeiten am Freitag oder Samstag aus.

Siegermentalität ist zurück

„Wir haben die Siegermentalität wieder reinbekommen“, sagte DHB-Vize Bob Hanning. „Gegen Schweden haben wir ein aussichtsloses Spiel zurückgeholt und gegen die Slowenen eine der besten Leistungen der letzten Jahre gezeigt.“ WM-Platz zwölf aus dem Januar scheint endgültig abgehakt, Edelmetall in Tokio ist der neue Fixpunkt. „Wir alle sind sehr glücklich“, betonte Bundestrainer Alfred Gislason.

Kommentar: Vielfalt ist elementar

Auftrag ausgeführt! Das Ticket nach Tokio für die deutschen Handballer tut dem Verband in schweren Zeit für diesen Hallensport gut. Für die DOSB-Delegation ist es ohnehin extrem wertvoll, wenn die zweitpopulärste Teamsportart des Landes bei Olympia vertreten ist. Die Installierung von Bundestrainer Alfred Gislason zahlt sich langsam aus. Er setzte die entscheidenden Kniffe, dosierte die Spielanteile in Berlin klug. Garanten für ein erfolgreiches Wochenende waren aber keineswegs nur die routinierten Rückkehrer. Die Vielfalt im Personal und Angriffsspiel war elementar. Profis, die bisher weniger im Zentrum standen, blühten zudem auf. In Japan stehen die Chancen auf eine Medaille gar nicht schlecht in einem Zwölferfeld mit dem einen oder einigen Außenseitern.

Gegen die knüppelharten Underdogs aus Nordafrika ließ der Gastgeber eine Reihe freier Würfe liegen, fasste hinten nicht ganz so beherzt zu und hatte dennoch alles im Griff. Algerien sammelte Zeitstrafen und eine Rote Karte gegen Berriah Abderrahim (Schlag in Philipp Webers Gesicht). Leichtes Spiel wäre übertrieben, aber die individuelle Überlegenheit war spürbar. Im Laufe der zweiten Hälfte schlug sie sich Stück für Stück auch im Resultat nieder. Julius Kühn überzeugte dabei als halblinker Shooter, Silvio Heinevetter im Tor. Die olympische Mission geriet nicht mehr ins Wanken, auch wenn Gislason nicht alles passte. „Es gab noch die Möglichkeit, dass wir uns blamieren. Das Feuer war nicht ganz so da, einigen fehlte die Spritzigkeit.“ Alles verschmerzbar.

Furioser Auftritt gegen Slowenien

Den Grundstock legten die Hausherren mit einer furiosen ersten Hälfte gegen Slowenien. Da gelang fast alles. Gislason gab Andreas Wolff im Kasten das Vertrauen (Johannes Bitter fehlte seit Samstag verletzt), der dankte es nach seiner Tribünenerfahrung mit tollen Paraden. Vor allem aber legten die Deutschen neben einer starken Deckung im Angriff eine bemerkenswerte Variabilität an den Tag. Gegenstoß, Kreisanspiel, Pass nach außen, erste und vor allem zweite Welle, Eins-gegen-eins, Rückraum-Schuss, Positionsspiel oder Siebenmeter – die allermeisten Versuche saßen in dieser Knackpunktpartie. Die hervorragende Abwehr- und Torhüter-Leistung ermöglichte einige einfache Treffer. „Das Tempospiel nach vorn hat sehr gut funktioniert“, sagte Kühn, einer der Gewinner des Kleinturniers. Das Nachlassen nach der Pause, als erst viele Wechsel und dann das Schaulaufen kamen, blieb anders als gegen Schweden ohne Auswirkung. „Wir haben etwas den Rhythmus verloren“, so Gislason. Egal. Tokio ist gebucht.

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