1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Weltsport
  6. >
  7. Ein Verein zerlegt sich selbst

  8. >

Schalke 04 – ein Kommentar

Ein Verein zerlegt sich selbst

Münster

Schlimmer geht`s nimmer? Von wegen. Zumindest auf Schalke reicht es augenscheinlich nicht, am Boden zu sein. Aus guter alter Bergmannstradition gräbt man immer weiter, auch wenn der Tiefpunkt längst erreicht scheint – und alle machen mit: Von der Mannschaft bis zu jedem Gremium im Clubumfeld.

Jürgen Beckgerd

Shkodran Mustafi und Malick Thia verzweifeln auf dem Platz, rundherum gibt ihr Club aber keine bessere Figur ab Foto: imago images/RHR-Foto

Ein Verein zerlegt sich selbst: Schalke 04, in den 21 Jahren dieses Jahrtausends 15 Jahre lang in Champions und Europa League vertreten, viermaliger Vizemeister in dieser Zeit, dreimaliger Pokalsieger zudem und „Heimat“ von über 160 000 Mitgliedern, büßt gerade alles an Strahlkraft ein. Die sportliche Misere wird höchstwahrscheinlich im Abstieg münden, doch diese Schmach allein ist es nicht, was den Liebhabern dieses großen Traditionsclubs Herzschmerzen verursacht.

Jahrelange Fehlentscheidungen der Entscheidungsgremien haben die Dynamik des Niedergangs in atemberaubender Geschwindigkeit vorangetrieben. Im irrigen Glauben, dass die historische Tragkraft dieses Clubs allein ausreichen würde, alle Verfehlungen der letzten Jahre zu kaschieren, wurde weitergewerkelt. An Tradition mangelt es nun wahrlich nicht, seine Fans beten den Verein, ihre Religion, an. Ja, ja: Die putzige Musealisierung ihrer selbst. Die hat schon ganz andere Fußball-Traditionen ins Verderben der Bedeutungslosigkeit geführt.

Mangelhaft auf allen Ebenen

Und so kommt es gar nicht von ungefähr, dass mangelhaftes Handeln auf nahezu allen Ebenen plötzlich sichtbar wird: Trainer, sportliche Leitung, natürlich die Spieler. Und nun auch noch der Aufsichtsrat als vermeintlich eine der letzten Konstanten. „Verrat“ am eigenen Tun sei einem Mitglied vom Vorsitzenden Jens Buchta vorgeworfen worden, weil die Personalie Ralf Rangnick vorangetrieben wurde. Es brennt im Gebälk, so dass man mit dem Löschen gar nicht nachkommen kann.

Nicht bundesligatauglich

Die Mannschaft ist nicht bundesligatauglich, der Sport-Vorstand nur interimsmäßig besetzt und der Aufsichtsrat wohl heillos zerstritten. Keine gute Perspektive für einen Neustart – mit wem auch immer als Sportlichem Leiter.

Startseite
ANZEIGE