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Fehérvár FC

Coach Boris: «Manchmal muss man eben einen Umweg nehmen»

Szekesfehérvár (dpa)

Es begann mit einer ungewöhnlichen Praktikums-Anfrage an Felix Magath. Inzwischen ist Michael Boris selbst Profi-Trainer. In Ungarn, dem Land des deutschen Nations-League-Gegners.

Von Holger Schmidt, dpa

Nein, ein Weltenbummler wie der einst in mehr als 30 Ländern tätige Rudi Gutendorf will Michael Boris auf keinen Fall werden.

«Es war ja alles nicht so geplant», sagt der Fußball-Lehrer aus Bottrop, der seit sechs Jahren im Ausland arbeitet: «Und ich habe auf keinen Fall das Ziel, in jedem Land der Welt Cheftrainer zu werden.»

Doch so eine Trainer-Laufbahn ist eben manchmal nicht planbar. «Eine Karriere wie Julian Nagelsmann, der aus dem Nachwuchsleistungszentrum kommt und mit 34 Jahren beim FC Bayern arbeitet, wer hat das schon», fragt Boris: «Manchmal muss man eben einen Umweg nehmen.»

Der führte den früheren Drittliga-Torhüter schon nach Japan, Dänemark und nach Ungarn, wo er nach der U19- und U21-Nationalmannschaft sowie MTK Budapest seit Februar dieses Jahres den Fehérvár FC trainiert. «Es war mir einfach wichtig, dass ich Profi- und Erstliga-Erfahrung bekomme», sagt Boris. So sagt er schnell zu, als ihn der damalige DFB-Chefausbilder Frank Wormuth 2016 an den damaligen Nationaltrainer Bernd Stock empfiehlt. «Das sind nur anderthalb Stunden Flug von Dortmund», sagt Boris: «Das ist, wie auf der A1 im Stau stehen.»

Starker Conference-League-Auftritt

Als er im August mit Fehérvár in den Playoffs zur Conference League auf den 1. FC Köln trifft, werden viele in Deutschland auf ihn aufmerksam. Vor allem, als er im live übertragenen Spiel in Köln nach taktischer Meisterleistung einen 2:1-Sieg feiert. Was FC-Trainer Steffen Baumgart nicht überraschte. «Ich hatte vorher schon eine gute Meinung von Micha», sagt er. Wie viele andere in Deutschland. Doch wieso hat Michael Boris sich dann hier noch nicht durchgesetzt?

«Wer weiß, was möglich gewesen wäre, wenn ich auf Schalke schon Fußball-Lehrer gewesen wäre», sagt Boris, der sonst nicht im «hätte, wäre, wenn» denkt. Doch Schalke, das war eine besondere Station. Mit besonderen Umständen, die Boris schon häufig erzählen musste.

Nach einer 0:4-Niederlage mit dem Fünftligisten Germania Windeck im DFB-Pokal fragt er den damaligen Schalke-Trainer Felix Magath beim gemeinsamen TV-Interview nach einem Praktikum. Magath reagiert zunächst nicht. Bei der Verabschiedung sagt er: «Montag, zehn Uhr Training. Um neun Uhr da sein.» Boris muss heute noch lachen: «Dann ging er weg und ich wusste nicht mal, wo ich hinkommen soll.»

Magath als Mentor

Anfangs erlaubt ihm Magath die freiwillige Fortbildung, solange Boris mit Windeck gewinnt. Irgendwann darf er auch nach Unentschieden kommen. Nach vier Monaten kommt Magath auf Boris zu. «Er fragte mich, ob ich einen guten Trainer für die 2. Mannschaft wüsste. Und ich sagte: Ja, mich.» Und so wird er Nachfolger von Oliver Ruhnert, heute Sportchef des Bundesliga-Tabellenführers Union Berlin.

Nach anderthalb Jahren muss Boris gehen, weil er nicht die Lizenz als Fußball-Lehrer hat. «Beim ersten Mal bin ich leider beim Eignungstest nicht genommen wurde», sagt er: «Beim zweiten Mal hat es dann geklappt.» Er trainiert weiter unterklassige Vereine in Nordrhein-Westfalen. Die Sportfreunde Siegen, die aus Lotte oder den KFC Uerdingen. Bis Wormuth und Storck anrufen.

Ungarn als Chance

In Ungarn fühlt er sich aber wohl. «Ich bin sehr dankbar für die Chancen, die ich hier bekommen habe. Und ich freue mich auf das, was vor mir liegt», sagt er. Sehr gerne würde er eine Bühne bekommen, sich in Deutschland zu beweisen, so wie es zuletzt David Wagner (früher Schalke) und sein Lehrgangs-Kollege Daniel Farke (heute Mönchengladbach) aus dem Amateurfußball im Westen auf freilich etwas renommierteren Umwegen geschafft habe. «Aber es muss wirklich passen», sagt Boris: «Dann kann ich die Liga nicht benennen. Erste, zweite, dritte, das ist dann zweitrangig. Das Paket muss passen.» Vergangenes Jahr habe er zwei deutschen Clubs abgesagt.

Verrückt macht sich Boris, der gerne «aggressiven, verrückten Fußball» spielen lässt, nicht. «Alles hat einen Sinn im Leben», sagt er: «Und wenn man dranbleibt und hart arbeitet, kommt man irgendwann oben an.» In Deutschland kennen ihn seit den Köln-Duellen jetzt mehr Menschen. «Rund um die beiden Spiele war die Aufmerksamkeit riesig», sagt er: «Ob das nachhaltig ist, wird sich zeigen.»

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