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Bundesliga

Bremens Lebensversicherung: Füllkrug trifft schon wieder

Bremen (dpa)

Er ist der Aufsteiger der bisherigen Saison. Bester deutscher Torjäger, WM-Debütant - es läuft rund für Niclas Füllkrug. Wird Werder zu klein für ihn?

Lars Reinefeld, dpa

Soll bei Werder weiter für die Tore sorgen: Niclas Füllkrug. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Niclas Füllkrug, wer sonst! Bei der Generalprobe von Werder Bremen war alles so wie immer. Beim 1:0 im Duell der so ungleichen Aufsteiger erzielte der 29 Jahre alte Torjäger gegen den FC Schalke 04 wie selbstverständlich den Treffer für die Grün-Weißen - und unterstrich damit seine Rolle als Lebensversicherung der Bremer.

Zehn Treffer hat Füllkrug in der laufenden Saison bislang erzielt, die für Werder am Samstagabend beim 1. FC Köln nach der langen WM-Pause fortgesetzt wird. Eine Pause, in der sich seine Teamkollegen in mehreren Trainingsblöcken mühsam durch die Vorbereitung schleppten - während Füllkrug im fernen Katar zum neuen Liebling der Fußball-Nation wurde.

«Killer mit der Zahnlücke», dichtete die ehrwürdige britische «Times» nach Füllkrugs Tor zum 1:1 gegen Spanien, das für ein paar Tage so etwas wie WM-Stimmung in Deutschland aufkommen ließ. Am Ende war der Bremer Stürmer der einzige Gewinner einer aus deutscher Sicht desaströsen WM.

Füllkrug bleibt auf dem Boden

Macht das was mit Füllkrug, der international bis vor ein paar Wochen höchstens Insidern ein Begriff war? Nein, wenn man dem Stürmer und seinen Teamkollegen glauben darf. «Ich bin genau derselbe geblieben wie vor der WM», sagte Füllkrug in einem Interview der «Deichstube». «Wir waren vorher gemeinsam erfolgreich, und so soll es weitergehen. Ich möchte mit Werder da weitermachen, wo ich im November aufgehört habe.» Auch Routinier Leonardo Bittencourt kann keine Veränderungen erkennen: «Ich sehe ihn jeden Tag im Training. Er arbeitet hart dafür, dass wir erfolgreich sind.»

Doch natürlich hat Füllkrug mit seinem Auftreten bei der WM, wo er auch im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica erfolgreich war, noch mehr Interesse auf sich gezogen. Fast kein Tag vergeht, in dem der klassische Mittelstürmer nicht mit irgendeinem Verein in Verbindung gebracht wird. Der Pay-TV-Sender Sky brachte sechs mögliche Interessenten ins Spiel, die «Sport Bild» nannte 1899 Hoffenheim, Borussia Mönchengladbach und den FC Everton als mögliche Kandidaten.

Doch konkret ist derzeit nichts. «Wir kommentieren keine Spekulationen», hieß es am Mittwoch aus Bremen. Die Werder-Verantwortlichen sehen das erwartbare Schauspiel auf dem Transfermarkt aktuell mit großer Gelassenheit. Auch, weil Füllkrug selbst keine Anstalten macht, einen Wechsel zu forcieren. «Ich bin total glücklich bei Werder und weiß, was ich an Werder habe und dass ich auch hier noch die Möglichkeit habe, mich weiterzuentwickeln», wiederholte Füllkrug zuletzt gebetsmühlenartig in seinen zahlreichen Interviews.

Nach Ansicht von Mitspieler Christian Groß sorgen die Spekulationen nicht für Unruhe in der Kabine. «Wir können stolz und froh darauf sein, dass wir einen Spieler in den eigenen Reihen haben, der für Schlagzeilen sorgt», sagte der Mittelfeldspieler am Mittwoch. Als Mannschaft hätte Bremen «einiges richtig gemacht», um einen Spieler dahin zu bringen.

Angebote im Sommer?

Dass er nach der WM seinen Berater wechselte, zeigt aber auch, dass Füllkrug zumindest seinen Marktwert auslotet. Ein Wechsel in diesem Winter scheint eher unwahrscheinlich. Doch wenn ein ambitionierter Verein im Sommer das nötige Geld auf den Tisch legt, um ihn aus seinem gerade erst bis zum 30. Juni 2025 verlängerten Vertrag herauszukaufen, dann könnte Füllkrug dem nächsten Karriereschritt nicht abgeneigt sein. Auch, weil Werder aus finanziellen Gründen einen solchen Transfer nicht ausschlagen könnte.

Doch verrückt machen lässt sich Füllkrug nicht. «Ich bin total entspannt», versichert der gebürtige Hannoveraner glaubwürdig. Schließlich hat er in seiner Karriere schon zu viel erlebt. Knorpelschäden in beiden Knien, lange Pause nach Kreuzbandriss - nicht erst einmal war Füllkrug abgeschrieben. Doch der Stürmer kämpfte sich immer wieder zurück und wurde im fortgeschrittenen Alter von 29 Jahren mit dem Debüt im Nationaltrikot und der WM-Teilnahme in Katar belohnt.

Zeit, zufrieden zu sein? Nein, Füllkrug hat vielmehr Blut geleckt. Vor Weihnachten tauchte er ein paar Tage früher als geplant in Bremen auf, um das Training wieder aufzunehmen. «Das war schon ein tolles Jahr, mit vielen positiven Ereignissen. Aber ich möchte mich da nicht selbst limitieren. Ich will den Weg einfach weitergehen», sagte Füllkrug dem «Kicker».

Wohl weiter DFB-Mittelstürmer

Zunächst einmal gilt es, mit Werder gut aus der Pause zu kommen und sich weiter im gesicherten Tabellen-Mittelfeld zu etablieren. Doch schon bald wird auch wieder die Nationalmannschaft ins Blickfeld rücken. Im März versammelt Bundestrainer Hansi Flick die DFB-Elf erstmals nach dem WM-Desaster wieder um sich. Es gilt, verlorenes Vertrauen und Sympathien auf dem Weg zur Heim-EM 2024 zurückzugewinnen.

Dass Füllkrug, der die Sehnsucht der deutschen Fans nach einem Mittelstürmer erfüllt, dann wieder dabei ist, davon ist fest auszugehen. Füllkrug selbst will nicht öffentlich für sich werben. Aber auch er rechnet mit einer erneuten Nominierung. «Also Urlaub buche ich da zumindest nicht», sagte Deutschlands neuer Publikumsliebling.

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