Fußball: Testspiel

Deutsche EM-Generalprobe gegen Lettland geglückt

Düsseldorf

Das Schaulaufen vor dem Ernstfall war ein gelungenes. Mit 7:1 (5:0) gewann die deutsche Nationalmannschaft den letzten Test vor der EM gegen Lettland. Keeper Manuel Neuer war dennoch etwas traurig. Er musste in seinem 100. Länderspiel hinter sich greifen.

Von Alexander Heflik

Das halbe Dutzend ist voll: Der gerade erst eingewechselte Timo Werner trifft in dieser Szene zum 6:0. Foto: dpa

Wenn das der Vorgeschmack auf die kommende Fußball-Europameisterschaft war, na dann kann das was werden. Vordergründig natürlich stand der Sieg bei dieser Generalprobe im Mittelpunkt des Interesses, die Art und Weise, wie die deutsche Nationalelf gegen den Aufbaugegner Lettland die Sache regelte. Bundestrainer Joachim Löw durfte sich nach dem 7:1 (5:0)-Erfolg von Düsseldorf für einen kurzen Augenblick zurücklehnen. Ja, das sportliche Resümee rund um das Trainingslager in Seefeld fällt gut aus, denn nach dem ansehnlichen 1:1 gegen Dänemark folgte das überzeugende 7:1 über die baltischen Kicker. Ab Dienstag wird Herzogenaurach zum Rückzugsort während der EM. Sie, die vom DFB und Adidas, nennen es den „Home Ground“. Löws letzte Mission geht jetzt in die alles entscheidende Phase.

Nun war die Nummer 138 der Weltrangliste wahrlich kein Gegner aus der allerersten Güte-Klasse. Aber dennoch gab es einen Vorgeschmack auf die EM in Zeiten der Pandemie. Und in den waren die Gäste involviert. Als in den Mittagsstunden ein positiver Corona-Fall bei der lettischen Mannschaft vermeldet wurde, wusste keiner, welche Konsequenzen das haben würde. Eine Spielabsage? Nein, denn einer vermutlich hektischen Test-Aktion folgte grünes Licht für die Partie.

Corona wird über den 51 EM-Partien vom 11. Juni bis 11. Juli wie ein Damoklesschwert schweben. Zwischen Absage und Anpfiff praktisch jeder Partie kann theoretisch weiterhin nur ein positiver Nachweis liegen. Das ist eine Realität.

Aber auch das gehörte dazu: dass erstmals seit November 2019 beim 6:1 über Nordirland wieder Zuschauer bei einem Länderspiel im Stadion waren. Damals über 42 000 Menschen in der Arena in Frankfurt, im Stadion am Rhein waren es gerade mal 1000. Ein vorsichtiges Herantasten, ausgewählter „Helden und Heldinnen“ der Pandemie waren eingeladen. Wenn Deutschland am 15. Juni gegen Frankreich antritt, werden es 14 000 Zuschauern in München sein. Für 70 000 wäre Platz.

Das Auftaktspiel wird die DFB-Auswahl mit großem Selbstbewusstsein in Angriff nehmen dürfen. Gut, Lettland diente sich eher in der Opferrolle an, aber fünf Tore in einer Halbzeit hatte das deutsche Team schon lange nicht mehr abgeliefert. Robin Gosens (20.), Ilkay Gündogan (21.), Thomas Müller (26.), Kai Havertz (39.) und Serge Gnabry (45.) trafen. Die Rückkehrer aus dem Weltmeister-Team von 2014, Mats Hummels und Müller, trugen sich zudem als Schütze und Vorbereiter ein. Was Löw angekündigt hatte, einen leidenschaftlichen und temporeichen Auftritt, das lieferte sein Team nach den Tagen in Tirol ab. Auch hier, ein gutes Zeichen.

Wirklich nichts zu tun hatte dabei Torwart Manuel Neuer. Erst als 16. deutscher Nationalspieler erreichte er die 100er-Marke, Chancen sich auszuzeichnen hatte der Bayern-Keeper aber praktisch keine, beim Gegentor war er machtlos. Vor ihm wurde fast alles gegen biedere Gegner weggeräumt – zumindest bis zur 75. Minute, als Aleksejs Saveljevs das 1:6 ins Tor zauberte. Löws Dreierkette hat dennoch insgesamt kaum zu tun, Matthias Ginter, Hummels und Antonio Rüdiger hätten sich wohl mehr Beschäftigung gewünscht. Gegen die Monsieurs Antoine Griezmann, Karim Benzema und Kylian Mbappe wird es zum EM-Auftakt ungleich schwerer zu regeln sein. Das steht fest.

An der deutschen Überlegenheit änderte sich auch nach dem Wechsel wenig, als Timo Werner (60.) nach Pass von Joshua Kimmich auf 6:0 erhöhte. Leroy Sané (76.) traf nach Pass des rührigen Werners zum 7:1.

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