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Fußball: Champions League

Doppel-Haaland sammelt Bestwerte - BVB vor Wende zum Guten

Dortmund

Borussia Dortmund ist zurück in Europas elitärem Zirkel. Durch den Einzug ins Viertelfinale der Champions League hat der BVB einen weiteren Schritt hin zu einer doch noch guten Saison gemacht. Beim 2:2 gegen den FC Sevilla einmal mehr im Fokus: Erling Haaland.

Thomas Rellmann

Erling Haaland: erst der Jubel nach dem Elfmetertor, dann das Tätscheln von Trainer Edin Terzic Foto: Imago-images

Dieser wilde Ritt hatte Nerven gekostet. Aber auch Spaß gemacht. „Es war ein geiler Fight, ein geiles Weiterkommen. Das haben wir uns verdient“, sagte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl. Durch das 2:2 (1:0) gegen den FC Sevilla hat sich Borussia Dortmund (zuvor auswärts 3:2-Sieger) nach vier Jahren in den Top acht Europas zurückgemeldet. Phasenweise furiose Spanier stellten den Gastgeber auf eine harte Probe. Geradezu bravourös, wie sie nach den Rückschlägen durch Erling Haalands Tore (35., 57./FE) und viel Pech an ihre Chance glaubten. Youssef En-Nesyri sorgte für Spannung (68./FE, 90.+6). Im letzten Gestocher im Strafraum, als die siebte Minute der etwas kurz ausgefallenen Nachspielzeit lief, war plötzlich die Chance zur Verlängerung da. Doch Ivan Rakitic schloss nicht ab. Erneut atmete der BVB auf.

Dramatik pur, nicht nur in der Schlussphase. So geriet fast die nächste Haaland-Show in den Hintergrund. Der Norweger hat binnen acht Tagen in drei verschiedenen Wettbewerben (nach dem Pokal in Gladbach und der Liga in München) je doppelt getroffen. Zum vierten Mal am Stück steuerte er zudem in der Champions League zwei Tore bei. Das war vorher noch niemandem gelungen. „Er ist herausragend. Es macht uns stolz, dass er den Rekord in unseren Trikot weiterführt“, sagte Trainer Edin Terzic. Dass sein Sturmgigant auch eine Portion Glück hatte, spielte nur eine Nebenrolle. Haaland stand in der kuriosen Phase nach der Halbzeit im Mittelpunkt. Erst traf er sehenswert, dann erhielt er statt des Tores einen Elfmeter für ein Vergehen von Jules Koundé an ihm vor dieser Szene und verwandelte diesen erst im zweiten Versuch, nachdem Keeper Bono zu früh von der Linie gesprungen war. Beide Protagonisten brüllten sich zudem noch nach den Strafstößen an und lösten so ein Rudel aus. „Wenn er stehen geblieben wäre, hätte ich auch den ersten schon gemacht“, sagte Haaland später selbstbewusst, gestand im gleichen Atemzug aber Nervosität vor dem zweiten ein.

Cakir liegt nicht falsch

Bei allen Entscheidungen übrigens lag der türkische Schiedsrichter Cüneyt Cakir nicht falsch. Er behielt ohnehin die Ruhe in einer hektischen und teils nickeligen Partie, in der sich die Borussen als auffällig wehrhaft erwiesen, auch wenn die Andalusier die bessere Mannschaft waren. „Ich bin jedem einzelnen dankbar und total stolz auf diese Leistung“, sagte Terzic. Das Zittern auf der Zielgeraden war für ihn kein Anlass zu Beschwerden. „Das sind die K.-o.-Spiele, da gibt’s am Ende keine Regeln mehr.“ Kein Widerspruch.

Für den 38-Jährigen und den BVB könnte sich diese komplizierte Saison doch noch zum Guten wenden. Mit dem Viertelfinale der Königsklasse ist eine Wegmarke erreicht, die in Dortmund jeder im Sommer akzeptiert hätte. Im nächsten K.o.-Spiel ist die Wahrscheinlichkeit groß, der Außenseiter zu sein. Im Pokal winkt dank des Heimspiels im Halbfinale gegen Holstein Kiel das Berliner Olympiastadion. Bliebe die Meisterschaft. Hier müssen die Schwarz-Gelben zwingend noch auf Rang vier vorrücken, was schwer genug wird bei vier Zählern Rückstand. Zwar ist ein Stück Konstanz zurückgekehrt, doch die Konkurrenz ist groß und gut. Ohne die Millionen der Champions League bekäme auch Dortmund ein Problem. Mal abgesehen davon möchte der BVB seinen Fans spektakuläre Europacup-Abende wie am Dienstag nach deren erhoffter Rückkehr nicht vorenthalten. Denn einer der Sätze, die am häufigsten am Rande des Spiels fielen, lautete: „Was wäre hier bloß mit Zuschauern los gewesen?“

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