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Fußball: DFB-Pokal

Einseitige Angelegenheit zwischen BVB und Kiel

Dortmund

Das war eine deutliche Angelegenheit. Beim 5:0 von Borussia Dortmund gegen Holstein Kiel war schon zur Pause alles gelaufen. Beide Mannschaften richteten nach dem Pokal-Halbfinale den Blick jedoch schnell wieder Richtung Liga.

Wilfried Sprenger

Gelb jubelt, Rot (hier Kiels Torhüter Thomas Dähne) schiebt Frust: Dortmund gewann das einstige Halbfinale souverän 5:0. Foto: dpa

Normalerweise wären Berliner Beherbergungsbetriebe am Samstag schon um 21.15 Uhr mit Buchungen und Anfragen leidenschaftlicher BVB-Fans überflutet worden. Da ging das Halbfinale im DFB-Pokal zwischen Borussia Dortmund und Zweitligist Holstein Kiel zwar gerade erst in die Halbzeit. Doch beim Stande von 5:0 hatte niemand mehr Zweifel am Einzug des Ballspielvereins ins Endspiel am 13. Mai in der Hauptstadt. Die Pandemie stoppt zwar nicht das finale Gefecht zwischen Dortmund und RB Leipzig. Doch Fans sind nicht zugelassen, und somit bleiben am Feiertag des Fußballs die Übernachtungsbetten in Berlin leer.

Leichtfüßig, elegant und mit großer Freude tanzte der BVB gegen Kiel in den 2. Mai. Die Tore von Giovanni Reyna (16. und 23.), Marco Reus (26.), Thorgan Hazard (32.) und Jude Bellingham (42.) dokumentierten die Wucht des Favoriten und die Überforderung des Bayern-Bezwingers gleichermaßen. Der Unterschied, der sich auftat, war gefühlt größer als nur diese eine Klasse. „Störche“-Routinier Fin Bartels gestand später ein, dass er sich in der ersten Hälfte gefragt habe, „was wir hier im Halbfinale eigentlich zu suchen haben. Es war extrem ernüchternd.“

Denkwürdige Erinnerungen

Nun, die Abreibung war heftig für die Kieler, aber es bleiben natürlich denkwürdige Erinnerungen und schmuckvolle Devotionalien wie etwa getauschte Trikots. Und wer weiß, ob die Kapitäne Marco Reus und Hauke Wahl nicht schon bald wieder Wimpel tauschen. Für Holstein war der DFB-Pokal eine prächtige Werbung in eigener Sache, aber mit Blick auf das große Ganze hatte er nie erste Priorität. Vorrangiges Ziel der Norddeutschen, die infolge mehrerer Covid-19-Infektionen bereits zweimal in Quarantäne steckten und deshalb noch drei Nachholspiele auszutragen haben, ist der Aufstieg in die Bundesliga. Schon an diesem Dienstag wartet mit der Heimpartie gegen den SV Sandhausen wieder das Tagesgeschäft.

Auch Dortmund ist in diesen Tagen hin- und hergerissen. Nüchtern betrachtet, bietet sich für die Protagonisten ohnehin immer nur im DFB-Pokal die wirkliche Chance auf einen Titel. Jetzt, wo der BVB gerade auf die Zielgerade gestürmt ist, wird Berlin somit zum Sehnsuchtsort vor allem für die, die das Revier im Sommer verlassen. Der junge Brite Jadon Sancho, den in der Heimat viele Spitzenclubs auf dem Wunschzettel haben, ist ein Kandidat.

Morey schwer verletzt

Mateu Morey wird Borussia Dortmund nach seiner Verletzung im Pokal-Halbfinale lange fehlen. „Es ist eine schwere Band- und Kapselverletzung. Weitere Diagnosen werden heute und morgen noch stattfinden. Aber der Junge wird lange ausfallen und in Berlin nicht dabei sein. Das wird ein Grund mehr sein, diesen Titel zu holen“, sagte BVB-Lizenzspielerchef Sebastian Kehl am Sonntag. Der 21-Jährige war in einem Laufduell mit dem rechten Fuß im Rasen hängengeblieben und nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung auf einer Trage vom Platz gebracht worden. „Seine Schreie waren sehr lange im Stadion zu hören. Das tut uns für den Jungen sehr, sehr leid“, kommentierte Kehl. „Bis zur 75. Minute war das ein perfekter Abend für uns. Aber wenn man so einen fantastischen Jungen dann auf dem Boden sieht, dann trübt das natürlich den ganzen Abend“, sagte Trainer Edin Terzic. „Das tut jedem in der Mannschaft weh“, meinte Nationalspieler Emre Can.

Die Gewissheit, lediglich einen Schritt vom Pokal-Coup entfernt zu sein, wirddas Dortmunder Personal emotional beflügeln. Doch Gefühle sind in den Fußball-Unternehmen nicht die wichtigsten Parameter. Es liegt in der Verantwortung der Entscheidungsträger, immerzu auch die ökonomische Lage zu betrachten. Und aus diesem Blickwinkel ist jede der letzten drei Bundesliga-Begegnungen wichtiger für den Club als das Halbfinale gegen Kiel und der Showdown in Berlin. Der BVB braucht die abermalige Qualifikation für die Champions League, um frisches Geld zu akquirieren und die turbulente Saison versöhnlich zu beenden.

Der Mai wird vermutlich noch einmal sehr aufregend für die Borussia. Am Samstag kommt Leipzig in den Fußball-Park, fünf Tage später gibt es das Déjà-vu in Berlin. Es folgen die Auswärtspartie in Mainz und das Saisonfinale daheim gegen Leverkusen. Vielleicht muss Dortmund in allen vier Spielen reüssieren, um glücklich zu werden. Dazu braucht es in der Liga auch noch einen Patzer von Wolfsburg oder Frankfurt. Das hat die Melodie eines Wunschkonzerts. Andererseits fährt der BVB jetzt schon einige Wochen auf der Überholspur. „Wir sind im Flow. Ich traue uns wirklich zu, alles zu gewinnen. Wir dürfen aber kein Prozent nachlassen“, stellte Emre Can nach dem 5:0 gegen Kiel fest.

  • Das Pokalfinale in Berlin hat Einfluss auf den Bundesliga-Kalender. Die Spiele von Leipzig (gegen Wolfsburg) und Dortmund (in Mainz) wurden vom 15. auf den 16. Mai verlegt.
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