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Fußball: Bundesliga

Jubel beim BVB, Brodeln bei Bayern: Dortmund befeuert den Vulka(h)n

Dortmund

Das Bundesliga-Topspiel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München am Samstag fand keinen Sieger. Die Dramaturgie und die Reaktionen im Anschluss zeigten aber, wie groß der Frust im Münchner Lager ist.

Die letzte Szene des Topspiels Borussia Dortmund gegen Bayern München und ihre Folgen: Anthony Modeste (2. v. re.) köpfte in der fünften Minute der Nachspielzeit zum 2:2 ein und löste damit einen Dortmunder Jubelsturm aus. Foto: Imago/RHR-Foto

Geschlagene fünf Minuten Nachspielzeit waren rum, als sich am Samstagabend in Dortmund das Bild des Spiels bot. Nein, nicht etwa Anthony Modeste – der unverhoffte BVB-Held – lieferte es ab, sondern Oliver Kahn. Der einstige Torwart-Titan und heutige Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München sank lauthals schreiend auf seinem Sitzplatz zusammen, rutschte nach vorne, richtete sich wütend auf und donnerte seine Keeper-Pranken auf eine Glasbrüstung vor sich.

In dieser Szene spiegelte sich allzu deutlich wider, wie die Gemütslage bei Deutschlands Top-Clubs nach dem direkten Duell ist. Hier der gefühlte Sieger Borussia Dortmund, der sich vor der Gelben Wand ausgelassen feiern ließ. Dort die niedergeschlagenen Gäste aus dem Freistaat, die bedröppelt und mit dem Gefühl vom Rasen schlichen, hier gehörig etwas liegen gelassen zu haben. Eigentlich skurril, wo die Partie zwischen BVB und FCB doch 2:2 (0:1) endete.

Nach Wutausbruch: Kahn beweist Humor

Kahn befeuerte das Bayern-Brodeln eine gute Stunde nach Spielschluss mit folgenden Worten: „Wir müssen jetzt schnell in die Puschen kommen. Wir müssen schnell auf Platz eins kommen.“ Am Sonntagmorgen bewies er dann Humor, schrieb zum Video seines Wutausbruchs: „Dieses Ergebnis haut einen doch vom Stuhl ...“

Tatsächlich hatten die Münchner nach einer schwächeren ersten Halbzeit und der schmeichelhaften Führung durch den Ex-Schalker Leon Goretzka (33.) in Hälfte zwei merklich das Tempo verschärft. Leroy Sané, der nächste Münchner mit königsblauer Vergangenheit, traf zum 2:0 (53.) – alles schien den bekannten Verlauf zu nehmen. Die Dortmunder bemüht, aber eben glücklos. Der Zehn-Mal-in-Serie-Champion eiskalt und abgezockt.

Nur: Die Bayern vergaßen an diesem Abend, den Sack zuzumachen – etwa bei einer Doppelchance durch Sané und Jamal Musiala (64.). Dann gab Dortmund-Coach Edin Terzic mit den Einwechslungen des pfeilschnellen Karim Adeyemi und der Sturmkante Modeste das Signal, „es noch mal wilder gestalten zu wollen“. Terzic bilanzierte erfreut: „Das hat sehr gut funktioniert. Es wurde dann wild.“

Kommentar von Jonas Austermann:
Verwundbare Bayern

Erst bediente Modeste Nebenmann Youssoufa Moukoko, an den er das Startelf-Ticket verloren hatte, und der 17-Jährige traf zum 1:2 (74.). Die Münchner gerieten nun zunehmend ins Schwimmen. Adeyemi legte vor, Modeste verstolperte aus fünf Metern die Riesenchance zum Ausgleich (83.). Nachdem Kingsley Coman – erst zur Hälfte eingewechselt – Gelb-Rot gesehen hatte, kam die eine letzte BVB-Szene. Nico Schlotterbeck rettete rechts im Strafraum mit einer Grätsche den Ball vor dem Aus, hatte zu viel Zeit und flankte perfekt auf den zweiten Pfosten. Modeste köpfte ein, verwandelte das Dortmunder Stadion in ein Tollhaus – und Bayerns Vorstandsvorsitzenden in einen brodelnden Vulka(h)n.

Leroy Sané traf gegen Borussia Dortmund zum 2:0 für den FC Bayern München, für einen Dreier reichte dieser Vorsprung aber nicht. Foto: Imago/Jan Huebner

„Es ist eine erstaunliche Situation, wie wir es immer hinbekommen, uns um den verdienten Lohn zu bringen“, sagte der 53-Jährige. „Da muss ich lange zurückdenken, um mich an so eine Saison erinnern zu können.“ Im schwarz-gelben Lager freute sich Trainer Terzic hingegen über einen Schritt nach vorne. „Wenn man gegen die Bayern 0:2 zurückliegt, gehen die Spiele normalerweise 0:4 oder 0:5 aus“, meinte er. „Wir konnten heute ein kleines Ausrufezeichen hinter die Mentalitätsfrage packen.“ Fortsetzung erforderlich, denn im Rennen um die Meisterschaft hat sich letztlich nichts getan – trotz der Dortmunder Gefühlsexplosion und des bayerischen Brodelns.

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