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Fußball: Bundesliga

Sechs-Minuten-K.o. gegen Bremen: Großbaustelle Borussia Dortmund

Dortmund

Innerhalb von sechs Minuten kassiert Borussia Dortmund gegen Werder Bremen drei Gegentore und verliert erstmals in dieser Saison. Die Pleite zeigt einige Baustellen auf - auch weil es Wirbel um einen Abwehrmann gibt.

Vorne feiert Werder Bremen den überraschenden 3:2-Sieg, hinten stehen die ratlosen Profis von Borussia Dortmund vor der Südtribüne. Foto: Imago/RHR-Foto

Als die Deutsche Bahn am frühen Samstagmorgen ein „defektes Stellwerk im Raum Dortmund“ meldete und „wahrscheinlich Teilausfälle“ ankündigte, war noch nicht absehbar, wie richtig das Unternehmen damit auch im Bezug auf Borussia Dortmund liegen sollte.

Denn nicht nur die Anreise der Fußballfans geriet am dritten Bundesliga-Spieltag zum Chaos, sondern auch das Heimspiel der Schwarzgelben gegen Aufsteiger Werder Bremen. Eine denkwürdige Schlussphase bescherte den Gästen von der Weser einen verdienten 3:2 (0:1)-Sieg in Dortmund – und dem BVB die Erkenntnis, einer Großbaustelle zu gleichen.

„Brutal ärgerlich, brutal dämlich“ nannte Dortmund-Coach Edin Terzic die erste Pleite nach zwei Siegen zum Start. Aber auch der 39-Jährige musste eingestehen: „Es war eine verdiente Niederlage und eine sehr schwache Leistung von uns.“ Es schien in den Schlussminuten so, als sei das Spielglück des BVB aufgebraucht. Dortmund führte durch Treffer von Julian Brandt (45.+2) und Raphael Guerreiro (77.) äußerst schmeichelhaft mit 2:0, als die bis dahin schon weitaus überzeugenderen Bremer endlich mit dem Toreschießen loslegten.

Bremen sorgt für Bundesliga-Novum

Die drei Joker Lee Buchanan (89.), Niklas Schmidt (90.+3) und Oliver Burke (90.+5) verwandelten den Gäste-Fanblock mit über 8000 Werder-Anhängern in ein Tollhaus. Drei Tore ab der 89. Minute – das hatte es in der Bundesliga-Historie noch nie gegeben. „Es war ein ganz außergewöhnlicher Spielverlauf und trotzdem hat definitiv die bessere Mannschaft gewonnen“, meinte Bremens Trainer Ole Werner und lag goldrichtig.

Hatten die jeweils drei Punkte gegen Leverkusen (1:0) und in Freiburg (3:1) womöglich noch über die mäßigen Leistungen hinweggetäuscht, gibt’s nach dem Sechs-Minuten-K.o. gegen Bremen keine Augenwischerei mehr. BVB-Keeper Gregor Kobel sagte, sein Team habe „nicht die gleiche Energie auf den Platz gebracht, wie es Werder getan hat – und am Ende dafür die Quittung gekriegt“.

Anthony Modeste (2. v. li.) , erst jüngst vom 1. FC Köln verpflichtet, wirkte gegen Werder Bremen wie ein Fremdkörper im Team von Borussia Dortmund.  Der Angreifer kam gerade einmal auf zwölf Ballkontakte. Foto: Imago/Huebner

Kapitän Marco Reus bemängelte, Dortmund sei schlichtweg „zu wild“ aufgetreten. Die Spielkontrolle jedenfalls hatte Werder inne und verunsicherte den BVB mit Eins-gegen-eins-Duellen auf dem gesamten Feld zunehmend. Dass mit Mahmoud Dahoud der Dortmunder Lokführer – um im Bild zu bleiben – mit einer Schulterverletzung runter musste, darf allenfalls als Erklärungsansatz herhalten.

„Propaganda von Bild“: Unruhe um Meunier

Die wahren Probleme des Terzic-Teams aber liegen tiefer. Gegen Bremen sorgte die Offensive für viel zu wenig Betrieb, Neueinkauf Anthony Modeste wirkte wie ein Fremdkörper – zwölf Ballkontakte in 81 Minuten belegen das. Emre Can, der Dahoud ersetzte, wackelte in fast jeder Aktion.

Jamie Bynoe-Gittens, in Freiburg noch Matchwinner, traf fast ausschließlich falsche Entscheidungen. Mit 18 Jahren freilich kein Problem, der aktuelle BVB aber kann so etwas nicht abfedern. Hinzu kommt, dass die Defensive um den Ex-Münchner Niklas Süle, der den angeschlagenen Mats Hummels ab Minute 62 ersetzte, dem Bremer Wirbelsturm nichts entgegen zu setzen hatte. Das erinnerte an wilde BVB-Spiele der Vorsaison.

Und auch nach Abpfiff hielt die Unruhe an: Die „Bild“ berichtete, dass sich Rechtsverteidiger Thomas Meunier mit Trainer Terzic überworfen habe und den Club verlassen wolle. Der Belgier dementierte die Gerüchte aber höchstpersönlich, bezeichnete sie bei Instagram als „Propaganda von Bild“. Am Samstagabend hatte die Deutsche Bahn gemeldet: „Defektes Stellwerk im Raum Dortmund repariert.“ Ein Stück weiter – an der Strobelallee – dauern die Reparaturarbeiten in jedem Fall noch an.

Thomas Meunier soll Borussia Dortmund verlassen wollen, diese Gerüchte dementierte der Belgier jedoch umgehend und in aller Deutlichkeit. Foto: Imago/Eibner

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