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Fußball: Bundesliga

Die Hoffnung auf das späte Glück im Kampf gegen den Abstieg

Wer folgt dem FC Schalke 04 auf dem beschwerlichen Weg in die Zweitklassigkeit? Der 1. FC Köln, Werder Bremen oder doch Aufsteiger Arminia Bielefeld? Am Samstag fällt die Entscheidung im Abstiegskampf im Oberhaus. Spannung ist garantiert.

Wilfried Sprenger

Hoffnungsträger in Bremen: Thomas Schaaf Foto: Kay Nietfeld

Blues, Rock-’n’-Roll oder weiter Zittern im Soul-Sound: Am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga läuft die Musik im Tabellenkeller. Schlusslicht Schalke 04 hat sich längst in die 2. Liga verabschiedet, sucht aber noch einen in der Not stützenden Begleiter. Der 1. FC Köln, Werder Bremen und Arminia Bielefeld stecken tief im Sumpf. Einer aus diesem Trio wird an diesem Samstag kurz vor halb sechs darin versinken, ein anderer zieht sich mit letzter Kraft ans Ufer. Und der verbleibende Dritte dürfte hin- und hergerissen sein zwischen Freude und Frust über zwei Nachspiele in der Relegation.

  • Die Lage beim 1. FC Köln:
  • ‚Et hätt noch immer jot jejange‘, heißt es im Kölschen Grundgesetz, Paragraph 3. Was natürlich nicht stimmt, schon gar nicht beim Blick auf die Historie des Eff-zeh. Sechsmal sind die Müngersdorfer bereits abgestiegen, tatsächlich liegen ihre besten Jahre Dekaden zurück. Die letzte von drei Meisterschaften feierte Köln 1978 unter Trainer Hennes Weisweiler. Im Dreikampf um den Klassenerhalt hat der Club als Tabellen-17. die schlechtesten Karten. Ein Sieg über Schalke wäre komplett wertlos, sollten zeitgleich auch Bremen und Bielefeld gewinnen. Ein Szenario, das sich kein FC-Fan vorstellen mag. In der Stadt werden vor dem Herzschlagfinale Fenster, Balkone und Fassaden in Rot und Weiß dekoriert. Dass ausgerechnet der wenig geschätzte Niederrhein-Rivale Mönchengladbach in Bremen Schützenhilfe leisten soll, macht die Gesamtlage noch ein wenig spannender. Trainer Friedhelm Funkel (67) fordert von seiner Mannschaft, die wohl wieder mit Kapitän Jonas Hector spielt, „volle Attacke“. Toni Schumacher will Kampf und Engagement sehen. „Leistungen wie in Augsburg nach der Pause oder gegen Freiburg vor dem Wechsel sind schlicht verboten“, sagt die Torwart-Legende.
  • Die Lage bei Werder Bremen:
  • In Köln wurde der Trainer nach dem 28. Spieltag getauscht, an der Weser nahmen die Verantwortlichen erst die ultimativ letzte Chance wahr. Seit Sonntag spricht Thomas Schaaf (60), der letzte Meister-Trainer (2004) der Grün-Weißen, der verunsicherten und zuletzt in neun Ligapartien sieglosen Mannschaft Mut zu. Unterstützung aus dem Rathaus ist den Bremern gewiss. Am Freitagmorgen hat Bürgermeister Andreas Bovenschulte eine Club-Fahne aushängen lassen. Im Quarantäne-Trainingslager wählte Abwehrstratege Ömer Toprak derweil lobende Worte für Feuerwehrmann Schaaf, der sich von den Spielern siezen lässt. „Herr Schaaf hat einen klaren Plan, eine klare Idee. Er ist sehr klar in seinen Formulierungen“, sagt Toprak. Der SV Werder ist wie Köln Gründungsmitglied der Bundesliga und erst einmal abgestiegen. Den Betriebsunfall 1980 reparierte Otto Rehhagel schon im Jahr darauf mit dem direkten Wiederaufstieg – es war der Beginn der Ottokratie. Die Erinnerungen daran sind lange verwelkt, bereits im vergangenen Jahr entging Bremen dem Absturz ins Unterhaus erst in der Relegation gegen Heidenheim. 100 Mitarbeiter dürfen heute im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach zuschauen. Im Falle eines Sieges wäre Werder vielleicht noch nicht gerettet, aber definitiv nicht direkt abgestiegen.
  • Die Lage bei Arminia Bielefeld:
  • Almsommer oder Almabtrieb? Die Ostwestfalen haben alles selbst in der Hand. Ein Dreier in Stuttgart genügt, um das Bundesliga-Engagement zu verlängern. Was eine faustdicke Überraschung wäre, schließlich galt der Aufsteiger, der schon sieben Mal abstieg, bei den Buchmachern als ausgemachtes Schlusslicht. Wer im September 2020 trotzdem ein bisschen Geld auf die Arminia setzte, schaut nun in Vorfreude auf eine beachtliche Rendite auf das Abstiegsfinale. Auch die Bielefelder wechselten während der Rückrunde den Coach. Im März beerbte Frank Kramer (49) den bei der Anhängerschaft beliebten Uwe Neuhaus. Der Neue hielt das Schiff auf Kurs, es ist auch sein Verdienst, dass die Arminia in der Stunde X noch alles lösen kann. Die kleine Stichelei von Funkel, der dem 15. des Klassements trotz bester Ausgangsposition den größten Druck zuschob, parierte Kramer bravourös. „Hin- und herschieben halte ich nicht für angebracht“, sagte er unaufgeregt. Vielleicht tanzt Kramer am Samstag dann Rock-’n’-Roll.
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