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Ende der Siegesserie

Otavios «brutale Notbremse» ohne Sinn für Wolfsburg

Zwei Niederlagen in vier Tagen. Das tut Wolfsburg weh. Trainer Glasner sieht sogar einen Zusammenhang. Torjäger Weghorst will von einer «Delle» nichts wissen. Doch das Spiel in Sinsheim hat auch noch ein Nachspiel vor dem Sportgericht.

dpa

Wolfsburgs Paulo Otavio holt Hoffenheims Stürmer Munas Dabbur von den Beinen. Foto: Uwe Anspach

Sinsheim (dpa) - Die kapitale Rot-Grätsche von Paulo Otavio setzte der missglückten Reise des VfL Wolfsburg nach Sinsheim noch einen drauf.

«Er wollte noch mal retten, was eigentlich eh nicht mehr zu retten war», kommentierte Trainer Oliver Glasner. Gut, dass sich Gegenspieler Munas Dabbur bei der Notbremse in der vierten Minute der Nachspielzeit nicht verletzt habe, betonte der Österreicher und hegt daher die Hoffnung, «dass die Sperre nicht ganz so lange ausfällt».

Otavio entschuldigte sich mit einer langen Instagram-Botschaft für sein hartes Foul und seine Rote Karte. «Gott sei Dank habe ich meinen Gegenspieler nicht verletzt», schrieb der 26 Jahre alte Brasilianer noch am späten Samstagabend. «Als ich mit diesem Sport anfing, hatte ich mir nicht vorgestellt, dass ich so weit kommen würde. Ich habe von Momenten geträumt, in denen ich die Spiele als Held verlassen würde. Ich würde aber sagen, dass das heute einer der Alpträume war.»

Drei Tage nach dem Pokal-Aus bei RB Leipzig machten die Wolfsburger auch bei der TSG Hoffenheim eine insgesamt eher ungewohnte Erfahrung in dieser Saison: Sie gingen als Verlierer vom Platz. 1:2 (1:2) hieß es am Ende nach einem Spiel, das die Gäste zu zaghaft und verhalten begonnen hatten und nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit nicht mehr umbiegen konnten. Sehr zum Unwillen der «Wölfe»: «Ich bin generell ein sehr schlechter Verlierer, deswegen hatte ich jetzt angenehme zwei Monate in denen wir gar nicht verloren haben. Und mit dem DFB-Pokal-Spiel jetzt zum zweiten Mal nacheinander, das nagt an mir und uns allen», betonte Glasner.

Auch an Torjäger Wout Weghorst, der mit etwas mehr Glück beiden Spielen eine andere Richtung hätte geben können. So bekam nach dem Ausrutsch-Elfmeter von Leipzig und einer vergebenen Kopfballchance in Sinsheim auch ein Reporter den Groll des Niederländers zu spüren. «Ist das dein Ernst?», antwortete er dem Fragesteller des TV-Senders Skys, der nach der Niederlage gegen Hoffenheim wissen wollte, ob Weghorst befürchte, dass die beiden Niederlagen nun eine kleine Delle für den VfL bedeuten würden. Es sei das erste Bundesliga-Spiel seit zwei Monaten, das sie verloren hätten, betonte Weghorst. «Da musst du dich erst einmal gut einlesen und deine Frage richtig stellen, wenn du das formulierst», giftete der Angreifer weiter.

Gleichwohl stellte Trainer Glasner in seiner sachlichen Analyse der dritten Saisonniederlage nach den Partien gegen in München und Dortmund einen Zusammenhang zwischen den Spielen in Leipzig und Sinsheim her. Aufgrund des Ausscheidens im Pokal, bei dem sie sich so viel vorgenommen hätten, seien sie noch nicht wieder in der mentalen Verfassung gewesen, um ein Bundesliga-Spiel zu gewinnen. Im Nachhinein wisse man es auch besser: Die Aufstellung personell zu verändern, wäre eine Möglichkeit gewesen, konstatierte Glasner.

Er vertraute aber derselben Startelf wie gegen Leipzig und musste die erste Niederlage nach neun Ligaspielen hinnehmen. Im Tor fing sich Koen Casteels nach 673 Minuten in der Meisterschaft durch Christoph Baumgartner wieder mal einen Gegentreffer (8.). Das zweite Hoffenheimer Tor gelang Andrej Kramaric (41.). Hoffenheim-Schreck Weghorst traf in der 23. Minute zum zwischenzeitigen 1:1. Es war das siebte Tor des Niederländers gegen die Kraichgauer. Der dritte Tabellenplatz geriet durch die Niederlage zumindest nicht in Gefahr.

Glasner wird seine Startelf am nächsten Samstag aber auf jeden Fall verändern müssen. Xaver Schlager und Maxence Lacroix sahen jeweils die fünfte Gelbe Karte und sind gegen Schalke 04 gesperrt. Wie lange Paulo Otavio nicht zur Verfügung stehen wird, entscheidet das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes. Glasner wollte mit seinem Verteidiger jedenfalls nicht «zu hart ins Gericht gehen».

Das machten andere. «Der Video-Beweis war nicht vonnöten, für diesen Platzverweis hätte man nicht mal einen Schiedsrichter gebraucht. Es war die klarste Rote Karte der Saison», schrieb der ehemalige Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer in der «Bild am Sonntag».

© dpa-infocom, dpa:210307-99-722176/3

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