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Fußball: Bundesliga

Was Felix Zwayer mit dem Wettskandal zu tun hat

Dortmund

Jude Bellingham erhebt nach Borussia Dortmunds Niederlage gegen den FC Bayern schwere Vorwürfe gegen Felix Zwayer. Es geht um den Wettskandal 2004 rund um die Person Robert  Hoyzer. Eine Einordnung.

Von Jonas Austermann

Fassungslos: Jude Bellingham (li.) und Erling Haaland (re.) reagieren auf Schiedsrichter Felix Zwayer (Mitte). Foto: Imago/Kolvenbach

Nach Abpfiff des Spitzenspiels seines BVB gegen den FC Bayern platzte es aus Jude Bellingham heraus. Am Mikrofon des Streamingdienstes Viaplay sagte er: „Man gibt einem Schiedsrichter, der schon mal ein Spiel verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was soll man da erwarten?“

Bellingham spielte damit auf die Tatsache an, dass Felix Zwayer 2004 in den Wettskandal um Robert Hoyzer verwickelt war. Zwayer war als Linienrichter Teil des Schiedsrichter-Teams von Hoyzer, der nachweislich Partien im DFB-Pokal, der 2. Bundesliga und der Regionalliga Nord manipuliert hatte. Hoyzer kassierte von der kroatischen Wettmafia um Drahtzieher Ante Sapina Geld, um zuvor gewettete Ergebnisse herbeizuführen. Hoyzer wurde zu zwei Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt.

Der DFB sperrte Zwayer für sechs Monate

Was das mit Zwayer zu tun hat?   Der damals 23-Jährige stand unter Verdacht, seine Wohnung wurde durchsucht. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sperrte Zwayer für ein halbes Jahr, warf ihm „grob sportwidriges“ Verhalten vor. Dazu zählte, dass der Linienrichter den Anwerbungsversuchen Hoyzers nicht so widersprochen habe, wie von einem „redlichen“ Schiedsrichter zu erwarten sei.

Und: Zwayer habe – so heißt es im Urteil, das die „Zeit“ veröffentlichte – „die ihm bekannten Spielmanipulationen des Robert Hoyzer über einen längeren Zeitraum hinweg nicht an den DFB gemeldet“. Außerdem habe Zwayer 300 Euro von Hoyzer angenommen, um bei einem verschobenen Spiel „kritische Situationen“ für den gewünschten Sieger zu vermeiden.

Urteil gegen Zwayer blieb zunächst unter Verschluss

Der DFB erkannte bei der Festlegung der sechsmonatigen Sperre an, dass Zwayer zur Aufklärung des Falles beigetragen hatte. Zudem konnten dem Linienrichter keinerlei absichtliche Fehlentscheidungen nachgewiesen werden. Das Urteil hielt der DFB unter Verschluss, es wurde erst 2014 durch den „Zeit“-Artikel öffentlich.

Zwayer machte seinen Weg im deutschen Schiedsrichter-Wesen, stieg 2007 in die 2. Bundesliga auf und 2009 in die 1. Liga. Seit 2012 ist er sogar Fifa-Schiedsrichter, erhielt 2014 die Auszeichnung zum Schiedsrichter des Jahres.

Manuel Gräfe attackiert seinen Schiedsrichter-Kollegen

Manuel Gräfe, der im Sommer die Altersgrenze für Schiedsrichter von 47 Jahren erreichte und deshalb schlecht auf den DFB zu sprechen ist, kritisierte seinen Ex-Kollegen Zwayer kürzlich scharf: „Wer einmal Geld angenommen und Hoyzers Manipulation ein halbes Jahr verschwiegen hat, sollte keinen Profifußball pfeifen.“

Die Aussagen von Gräfe schnappte BVB-Profi Bellingham wohl auf. Als der Wettskandal publik wurde, war er nämlich erst ein Jahr alt. Der 18-Jährige muss nun mit möglichen Konsequenzen leben, der DFB-Kontrollausschuss ermittelt.

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