1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Euro-2016
  6. >
  7. Franzosen leiden nicht – Deutschland nun gegen Portugal gefordert

  8. >

Fußball: Europameisterschaft

Franzosen leiden nicht – Deutschland nun gegen Portugal gefordert

München

Bei der EM hat die deutsche Nationalmannschaft ihr Auftaktspiel gegen Frankreich verloren. Am Ende der Partie in München stand es 0:1 durch ein Eigentor von Mats Hummels in der 20. Minute. Jetzt geht es am Samstag gegen Portugal.

Von Alexander Heflik

Die Entscheidung: Mats Hummels trifft ins eigene Tor. Foto: Foto: Imago/MIS

Um 22.54 Uhr fiel Joachim Löw geschafft in seinen Trainerstuhl, der eher ein orthopädisch wohlgeformter Sitz für einen Rennwagen oder Konsolen-Spiele ist. Für einen Moment blieb die Zeit für ihn stehen, ratlos, bedient, dann stand er wieder auf, schmerzverzerrtes Gesicht, und sah diese Begegnung dem Ende entgegenlaufen. Das deutsche Fanal, sein ganz persönlicher Aufschrei, blieb aus. Die 0:1-Niederlage gegen Weltmeister Frankreich ist noch nicht das Ende aller Träume bei der Europameisterschaft. Doch sie erschwert den Lauf der Dinge für die DFB-Auswahl gravierend. „Es ist nix passiert“, meinte Löw wenige Minuten später lakonisch, er wiederholte das für alle anstehenden Gesprächspartner stetig. Denn: „Wir haben noch zwei Spiele, in denen wir alles geradebiegen können.“ Fünf oder sechs wären besser, dann hätte die DFB-Auswahl zumindest das Halbfinale erreicht.

Vor drei Jahren bei der Weltmeisterschaft in Russland hatte Löw ähnliche Worte bemüht, am Ende schied das deutsche Team sang- und klanglos aus. Allerdings bestand damals bei der Dienstreise zwischen Moskau, Sotschi und Kasan nicht die Chance, als ordentlicher Gruppendritter weiterzukommen. Nun kann Löws Mannschaft gegen Portugal und Ungarn eine klare Kurskorrektur vornehmen. Am Samstag geht es gegen Portugal in München, vier Tage später gegen die Ungarn. Möglicherweise reicht schon ein Sieg fürs Achtelfinale.

Keine Duftmarke

Die Erkenntnis aus der Partie gegen Frankreich war allerdings, dass Deutschland zwar mithalten kann gegen ein Topteam wie Frankreich. Der Weltranglistenzwölfte kommt aber in dieser Verfassung, in dieser Team-Konstellation nicht infrage für den Sieg. „Les Bleus“ sind eine geölte Fußball-Maschinerie, ständig lässt dieses Ensemble auf dem Platz irgendwo ein Feuer lodern. Phasenweise hatte man das Gefühl, Mats Hummels würde mit einem Feuerlöscher hinterherhetzen. Er, der das 0:1 nach 20 Minuten mit einem Eigentor verschuldete, er, der Mitte der zweiten Halbzeit alles riskierte bei einer weltmeisterlichen Grätsche gegen Kylian Mbappé. Auch wenn objektive Betrachter der Szene ihm – ohne Widerworte – die Rote Karte attestiert hätten.

Als der französische Cheftrainer Didier Deschamps ausholte bei der Spielanalyse, musste genau zwischen den Zeilen gelesen werden. Zwar verneigte er sich vor der deutschen Mannschaft, weil es ein „großes Spiel gegen eine schöne Mannschaft gewesen sei – das hätte auch ein Finale sein können.“ Das war nett. Aber der Nachsatz hatte es in sich: „Wir haben nicht wahnsinnig gelitten nach der Pause.“

Oh, là, là, eine verbale Demütigung.

Gelitten hatten die deutschen Spieler, weil sie nach dem unglücklichen 0:1 durch das Eigentor von Hummels mehr rennen mussten als der Gegner. Am Ende hatte Deutschland länger den Ball (60 Prozent), aber in der Nähe des geg­nerischen Strafraums reichte es nicht. Kaum Chancen, kaum Einzelaktion, in der französischen Hälfte funktionierte zu wenig. Ein Klassenunterschied.

Fast schon trotzig begegnete Toni Kroos der Kritik: „Gutes Spiel von uns, Chancen vorhanden, haben das gut kontrolliert.“ Allenfalls in „gewissen Räumen hätten wir mehr machen müssen“. Er meinte wohl den Strafraum, den die DFB-Angreifer fast schon allergisch umtanzten. Auch Joshua Kimmich, der auf der rechten Seite früh verwarnt mit aller Vorsicht agieren musste, stimmte in diesen Kanon ein: „Wir hatten die Dominanz im Spiel.“ Dann besann sich der Bayern-Spieler, der darauf drängt, die Chefrolle zu übernehmen. Am Ende setzte sich die Einsicht bei ihm durch: „Unter dem Strich war es dann doch zu wenig.“

Startseite