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Fußball

Neuer WM-Rhythmus gegen Flüchtlingsstrom? Fifa-Präsident Infantino irrlichtert

Münster

Fifa-Präsident Gianni Infantino wirbt während seiner Rede vor dem Europarat in Straßburg erneut für seinen Plan, alle zwei Jahre eine Fußball-Weltmeisterschaft auszutragen. Dabei verblüfft er mit kruden Theorien im Bezug auf Afrika. 

Von Jonas Austermann

Fifa-Boss Gianni Infantino (re.) an der Seite von Shaikh Salman bin Ebrahim Al Khalifa, dem Präsidenten des asiatischen Fußballverbands  Foto: Imago/Xinhua

Gianni Infantino hat es wieder getan. Der Präsident des Fußball-Weltverbands Fifa ist bereits weit über die kickende Branche hinaus für seinen Größenwahn bekannt – und hat am Mittwoch einen erneuten Beweis geliefert. Der 51-Jährige, seit Februar 2016 sowas wie der mächtigste

Mann im Fußballgeschäft, liebt die große Bühne. Da traf es sich gut, dass er vor dem Europarat in Straßburg sprechen durfte, als es um den Kommissionsbericht zum Thema „Fußballverwaltung: Wirtschaft und Werte“ ging.

Die Werte, denen Infantino und die Fifa die größte Bedeutung beimessen, sind hinlänglich bekannt. Daraus ergibt sich die neueste Idee des Schweizers, die Weltmeisterschaft künftig alle zwei Jahre auszurichten. Dieser Vorschlag erntete viel Kritik – vor allem aus Europa, wo die Stars und Clubs schon jetzt unter der Mehrfachbelastung ächzen.

Infantino: "Afrikanern Hoffnung geben"

Die abwehrende Haltung Europas kritisierte Infantino in Straßburg nun ganz entschieden. „Wir sehen, dass Fußball sich in eine Richtung entwickelt, wo wenige alles haben und die Mehrheit hat nichts. In Europa findet die WM zweimal pro Woche statt, weil die besten Spieler in Europa spielen“, sagte Infantino. Soll heißen: In den nationalen Ligen und der Champions oder Europa League werde ja regelmäßig qualitativ hochwertigster Fußball geboten, aber eben nur für einen Teil der Zuschauer und Fans. Infantino vergisst dabei, dass Fußball-Begeisterte längst über Landesgrenzen hinaus ihren Lieblingssport verfolgen.

Anschließend drifteten die Ausführungen des Fifa-Präsidenten aber in eine noch bedenklichere Richtung ab. Auch wenn der europäische und der südamerikanische Fußballverband gegen eine WM im Rhythmus von zwei Jahren seien, bleibt Infantino bei seinem Gedankenspiel. „Wir müssen die gesamte Welt miteinbeziehen“, meinte er. „Wir müssen den Afrikanern Hoffnung geben, dass sie nicht über das Mittelmeer kommen müssen, um hier vielleicht ein besseres Leben führen zu können. Wir müssen ihnen Möglichkeiten und Würde geben.“

Der Jurist glaubt ein Mittel gegen die Flüchtlingsströme von Afrika über das Mittelmeer nach Europa gefunden zu haben – und zwar eine Fußball-Weltmeisterschaft alle zwei Jahre. Die Wirksamkeit dieser Idee dürfte – da braucht es wenig Fantasie – gegen Null tendieren.

Infantino verteidigt WM in Katar

Infantino war vor dem Europarat in Straßburg so richtig in Fahrt gekommen, also durfte das Thema „WM 2022 in Katar“ nicht ausgelassen werden. Die Vergabe in das Emirat, das es mit den Menschenrechten – unter anderem auf den Baustellen der WM-Stadien – alles andere als genau nimmt, wurde und wird immer wieder scharf kritisiert.

„Ein Wandel erfolgt nicht schnell. In Europa dauerte es Jahrhunderte und Jahrzehnte. Dank der WM und dank des Schlaglichts hat sich das System in Rekordzeit in nur wenigen Jahren entwickelt“, sagte Infantino und gestand immer ein, dass „noch viel getan“ werden müsse.

Die Berichte von 6500 toten Arbeitern auf WM-Baustellen wies er entschieden zurück. „Es sind drei. Drei sind immer noch zu viel, aber zwischen drei und 6500 ist ein großer Unterschied“, sagte Infantino, der laut der Schweizer Zeitung „Blick“ seinen Lebensmittelpunkt inzwischen nach Katar verlegt hat. Keine Pointe.

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