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Verbale Verfehlung

«Befinden uns im Jahr 2021»: Wut über Strafe für Coach Vogel

«Beleidigend und diskriminierend», «weit mehr als unsportlich» - mit deutlichen Worten kritisieren Profifußballerinnen eine Strafe für Gladbachs U23-Trainer Heiko Vogel. Die Unterstützung ist groß - und auch auf Verbandsebene geht das brisante Thema weiter.

dpa

Trainer Heiko Vogel wird unsportliches Verhaltens gegenüber zwei Schiedsrichter-Assistentinnen zur Last gelegt. Foto: Erwin Scheriau

Frankfurt/Main (dpa) - Den breiten Zuspruch für ihre deutliche Protestnote an den Deutschen Fußball-Bund verfolgte Alexandra Popp am späten Samstagabend vor dem Fernseher.

In einem Offenen Brief hatten sich die Spielerinnen der Bundesligen über die Strafe für Gladbachs U23-Trainer Heiko Vogel nach dessen verbalen Fehlverhalten gegen zwei Schiedsrichterassistentinnen massiv beschwert.

«Dieses Urteil diskriminiert alle Frauen im Sport und speziell im Fußball», heißt es in dem Schreiben, das neben anderen auch Popp veröffentlichte. «Wir befinden uns im Jahr 2021!!!», schrieb die DFB-Spielführerin dazu. Als Auflage durch den Westdeutschen Fußballverband (WDFV) sollte Vogel unter anderem bis zum Sommer sechs Trainingseinheiten einer Frauen- oder Mädchenmannschaft leiten.

Unterstützung erhielten die Spielerinnen in ihrem Protest von DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg - und auch Profi Andreas Luthe sprang seinen Kolleginnen wortstark bei. «Frauen zum Objekt zu machen, an denen man seine Strafe abarbeiten kann, ist der falsche Weg», sagte der 34 Jahre alte Keeper von Bundesligist 1. FC Union Berlin. «Was Mädchen und Frauen im Fußball wollen, ist Akzeptanz - und das auch zurecht. Diese Maßnahmen helfen da meiner Meinung nach nicht.» Die Aussagen im ZDF-«Sportstudio» kommentierte Popp in mehreren Videos mit zustimmenden Emojis.

Vogels Verhalten, das auch Gladbachs Manager Max Eberl «definitiv einen Fehler» nannte, ist in den Augen der Spielerinnen «weit mehr als unsportlich, sondern beleidigend und diskriminierend». Direkt an den DFB gerichtet hieß es: «Wir fordern Sie auf, als höchste Institution des deutschen Fußballs, dazu Stellung zu beziehen und aktiv zu werden.»

Der DFB und Vizepräsidentin Ratzeburg reagierten wenig später auf den Brief. «Ich kann den großen Ärger der Spielerinnen verstehen und nachvollziehen, dass sie sich dazu öffentlich Gehör verschaffen», schrieb Ratzeburg. Es sei «unbegreiflich, dass man ein Training einer Frauenmannschaft als Teil einer Strafe verordnet», fügte die Funktionärin an. Die frühere Weltmeister-Torhüterin Nadine Angerer kommentierte den Offenen Brief mit digitalem Applaus und erklärte: «Ich hätte zu diesem Thema auch noch viele Fragen.»

Der DFB schrieb, man sei seit mehreren Tagen mit dem WDFV im Austausch. Dessen Präsidium hat bereits «eine Überprüfung des Urteils» angeordnet. Die Anordnung der Auflage von sechs Einheiten mit Frauen-Teams sehe das WDFV-Präsidium «kritisch». Vizepräsident Gundolf Walaschewski forderte eine «lückenlose Aufarbeitung und Prüfung» der Geschehnisse bei dem Regionalliga-Spiel, das bereits Ende Januar stattfand. Das Verfahren vor dem WDFV-Sportgericht fand am 9. März statt.

Bereits am Freitag hatte sich Gladbach-Manager Eberl unaufgefordert zu dem Thema geäußert. Für Eberl habe es sich bei der Strafe um zwei Spiele Sperre, eine Geldstrafe vom Verband und «on top» eine Geldstrafe vom Verein gehandelt. «Heiko hat definitiv einen Fehler gemacht. Was er gesagt hat, das gehört sich nicht. Das missbilligen wir auch hier im Verein», sagte Eberl. Vogel habe im Zuge der Verhandlung angeboten, er könne die Einheiten der Frauen-Teams leiten. Der WDFV schrieb am 19. März, dass Vogel dies auferlegt worden sei.

© dpa-infocom, dpa:210320-99-899602/4

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