Fußball: Kommentar

Für Löw wird der Grat nach seiner Ankündigung schmaler

Das Ende der Ära Joachim Löw ist endgültig eingeleitet. Die Verdienste des Bundestrainers sind unbestritten, schreibt unser Redaktionsmitglied Alexander Heflik in seinem Kommentar. Doch er sieht mit Blick auf die EM im Mai auch ein Wagnis in der Ankündigung.

Alexander Heflik

Joachim Löw Foto: dpa

Ob das gut geht? Die Frage ist mehr als berechtigt. Die Ankündigung Joachim Löws, sein Engagement beim Deutschen Fußball-Bund als Bundestrainer nach der EM im Sommer beenden zu wollen, birgt viele Risiken. Trainer auf Abruf funktionieren nur ganz selten perfekt. Der 61-jährige stand in den letzten zwei, drei Jahren schon vehement in der Kritik. „Die Mannschaft“, wie sie die PR-Abteilung des DFB vermeintlich werbewirksam getauft hatte, hat unter Löw nicht mehr wirklich geliefert, das Image ist ramponiert.

Die Resultate stimmen nicht, die Fans interessieren die Länderspiele immer weniger. Auch innerhalb des Verbandes gilt der Freiburger als ­Solitär, im Zentrum von Weiterentwicklung der Nachwuchsteams oder der Fußballlehrer-Ausbildung steht er nicht. Da fehlt Magie. Die Zweifel daran, dass er die deutsche Elf bei der EM gegen Frankreich und Portugal erfolgreich aus der Gruppe führen kann, sind gewaltig.

Ein großer Bundestrainer

Doch in der Retrospektive ist Löw schon jetzt ein ­großer Bundestrainer – keiner war länger im Amt. Der Gewinn der Weltmeisterschaft in Brasilien war sein Ritterschlag, das hat Ewigkeitswert. Nur ist das nun schon sieben Jahre her. Helmut Schön schaffte es als einziger Bundestrainer, WM- und EM-Titel zu gewinnen. Es ihm gleichzutun, ist Löws letzte Mission.

Umbruch misslungen

Nur die Rückschau vernebelt auch den Blick auf die Gegenwart. Mit dem desaströsen Aus bei der WM in Russland 2018 begann der Rückhalt für Löw zu bröckeln. Sein versprochener Umbruch gelang nicht, wie es zum Beispiel Frankreich, England oder Spanien geschafft haben. Gerade die 0:6-Blamage gegen die Iberer aus dem Vorjahr liegt bleiern auf der Nationalelf. Radikaler Umbruch? Holt er nun die aussortierten Thomas Müller und Mats Hummels zurück? Nach dem ganz großen Plan auf der Zielgeraden seiner Ägide sieht das nicht aus.

Startseite