Gladbacher macht sich Hoffnung auf die Position am rechten Flügel

Hofmann kann die Überraschung werden

Seefeld

Wer spielt auf der rechten Außenbahn? Diese Frage beschäftigt Bundestrainer Joachim Löw, der auf Joshua Kimmich im Mittelfeld nicht verzichten will, schon lange. Bei der EM könnte die Lösung nun Jonas Hofmann lauten. Der Gladbacher sieht sich für diese Aufgabe gewappnet.

Der Gladbacher Jonas Hofmann ist ein heißer Kandidat für die Position des rechten Außenbahnspielers. Foto: Imago/Revierfoto

Ist das einer der personellen Coups, die Bundestrainer Joachim Löw vorbereitet? Toni Kroos, der Weltmeister von 2014 und Mittelfeldstar von Real Madrid, dürfte um seinen Platz bangen. Na ja, das deutete sich irgendwie schon an. Nicht nur wegen der gerade überstandenen Corona-Erkrankung ist das so, sondern weil im Mittelfeld ein Überangebot an Top-Spielern herrscht. Ein anderer allerdings steht möglicherweise vor einer überraschenden Berufung auf einer Position, die er nur einige wenige Mal im Training ausgeübt hat, nie in einem Pflichtspiel – das ist nicht sein Terrain. Löw Plan von der Dreierkette mit drei Innenverteidigern bedingt, dass auf den Außenbahnen davor laufstarke, zweikampfstarke und vor allem intelligente Fußballer eingesetzt werden sollen. Multifunktionale Allrounder. Links scheint vieles auf Robin Gosens (Atalanta Bergamo) hinzudeuten. Rechts wäre es eine kleine Sensation: Jonas Hofmann von Borussia Mönchengladbach ist ein ganz heißer Kandidat.

Keine Anpassungsprobleme

„Ohne überheblich wirken zu wollen, aber ich kann Vorgaben schnell umsetzen. Das Risiko wäre klein“, verspricht der 28-Jährige wenig Anpassungsprobleme. Er sei genau dieser Allrounder, lernfähig, leistungswillig, anpassungsfähig, irgendwie hochbegabt für diesen Fußballauftrag – in den Tagen von Seefeld hat er die Aufgabe bereits verinnerlicht. Und da Bundestrainer Löw seinen aggressiven Anführer Joshua Kimmich (Bayern München) im zentralen Mittelfeld spielen lassen wird und der Leipziger Lukas Klostermann als einziger klassischer Rechtsverteidiger im Kader steht, könnte für Hofmann die Stunde bei der EM schlagen.

Er hat erst drei Länderspiele in seiner Vita, nun könnte alles ganz schnell gehen. Vom Reservisten in die Startelf. Das Anforderungsprofil für diese Aufgabe erfüllt er und bringt zudem 153 Bundesliga-Einsätze (55 Scorerpunkte) für Mönchengladbach als Faustpfand mit ein. Sein Vertrag am Niederrhein läuft noch bis 2023, wobei jetzt schon Tottenham Hotspur und Champions-League-Sieger FC Chelsea Interesse an ihm bekundet haben. Nun stieg wohl auch noch Atletico Madrid in den Poker ein. Vor der EM wurde Hofmanns Börsenwert auf 10 bis 15 Millionen Euro beziffert. Erhält er von Löw tatsächlich einen Startplatz, und spielt sich die DFB-Auswahl weit nach vorne, dann dürften die Beträge schlagartig in die Höhe schnellen.

Atemberaubende Unterbringung

Hofmann genießt seine erste große Turniervorbereitung im Kreise der Nationalelf. Er findet die Unterbringung im Hotel nahe Seefeld atemberaubend, mit dem Fahrrad zum Training fahren zu können überragend. Diese ganzen Transfergerüchte prallen, so sagt er, aktuell an ihm ab, nach der EM bliebe dafür noch ganz viel Zeit, erklärt er grinsend. Und selbst Niederlagen steckt er lachend weg. Am Freitag traf er sich zu einer Tennis-Partie mit Torwart Manuel Neuer: „Man merkt bei ihm einfach, dass er das bis 14, 15 Jahre im Verein gespielt hat. Das war ein ansehnliches Niveau, er halt einen Tick besser.“ Nicht ausgeschlossen, dass er Neuer noch zur Revanche auffordern wird. Hofmanns Plan geht von einer sehr langen EM aus, mit ihm in der ersten Elf.

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