1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Fussball
  6. >
  7. Darum ist die Suche nach Talenten heute fast grenzenlos

  8. >

Fußball: Jugend-Bundesliga

Darum ist die Suche nach Talenten heute fast grenzenlos

Münster

Im Winter schlugen namhafte Clubs wie der FC Bayern oder Borussia Dortmund wieder im Ausland zu und verpflichteten Nachwuchsspieler. Ein neuer Trend? Ein Auswuchs des Transfermarkts?

Von Jonas Austermann

Torhüter Liu Shaoziyang wechselte im Winter vom FC Wuhan Three Towns zum FC Bayern München und ist inzwischen an den österreichischen Club Austria Klagenfurt ausgeliehen worden. Foto: Imago/Ruiz

Der FC Bayern München verpflichtet einen Keeper aus China und einen schwedischen Linksverteidiger, Borussia Dortmund holt einen italienischen Nationalspieler für die Innenverteidigung. Diese Schlagzeilen gab’s so oder ähnlich im Winter. Dabei aber handelte es sich keinesfalls um die Bundesliga-Mannschaften der jeweiligen Clubs, sondern um die Nachwuchsteams. Eine neue Entwicklung? Ein neuer Auswuchs des Fußball-Transfermarkts?

„Jugendliche werden aus aller Welt geholt, weil die Vereine denken, dass sie das nächste Produkt für den sportlichen Erfolg oder zum Weiterverkauf werden könnten“, sagt Peter Hyballa. Der 46-Jährige ist Fußballlehrer, derzeit vereinslos. Im Nachwuchsbereich war Hyballa unter anderem für Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen aktiv. Er meint: „Wenn die deutschen Spitzenclubs die Top-Talente aus Europa verpflichten, heißt das im Umkehrschluss, dass wir hierzulande nicht mehr so gut ausbilden. In Deutschland wird der Erfolg dazugekauft. Das ist das Business.“

Es geht nicht um Beträge wie 2000 Euro

Insgesamt kommen die 18 Bundesliga-Vereine laut des Portals „transfermarkt.de“ auf 69 Talente, die für die U 17 oder U 19 aus dem Ausland verpflichtet wurden. Ende 2019 waren es etwas mehr als 100 Spieler. Die Entwicklung ist rückläufig, aber doch ein zentraler Bestandteil der Nachwuchs-Bundesligen.

Peter Hyballa trainierte im Nachwuchsbereich unter anderem bei Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Foto: Imago/Wagner

„Die Vereine wollen und müssen die Talente immer früher holen, weil sie dann noch vergleichsweise billig sind“, erklärt Hyballa. „Auch aus Spielersicht steckt natürlich das Thema Geld dahinter. Eltern, Berater und Spieler bekommen Kohle für einen Wechsel.“ Laut Hyballa gehe es dabei nicht um Beträge von 2000 Euro, „sondern da kann man noch eine Null dranhängen“.

"Das ist Dortmunds Geschäftsmodell"

Auch die Talente von Preußen Münster bekommen es regelmäßig mit Spielern aus ganz Europa zu tun. Der BVB hat Filippo Calixte Mane (Sampdoria Genua), Bradley Fink (FC Luzern), Julian Rijkhoff (Ajax Amsterdam) oder Jamie Bynoe-Gittens (Manchester City) im Aufgebot.

„Das ist das Geschäftsmodell. Der BVB hat sich vor einigen Jahren klar zu dem Weg bekannt, die vielversprechendsten Talente früh zu holen“, sagt Sören Weinfurtner, sportlicher Leiter der Nachwuchsabteilung bei Preußen Münster. Bei Jadon Sancho ging der Plan auf. Dortmund holte ihn als 17-Jährigen für etwa acht Millionen und strich im Sommer einen Gewinn von gut 65 Millionen ein, als Sancho zu Manchester United ging.

Weinfurtner sagt: "Der BVB hat sich in dieser Hinsicht weltweit einen Top-Ruf entwickelt, deshalb kann der Verein Spieler wie Rijkhoff, Fink, Bynoe-Gittens oder im Winter Calixte Mane verpflichten."

Weinfurtner: So sieht Preußens Ansatz aus

Innerhalb Deutschlands werden die Talente immer früher als solche erkannt und umgehend mit Verträgen ausgestattet. „Die Ablösen sind wegen der Verträge frei verhandelbar, auch deswegen internationalisiert sich die Suche nach Talenten“, erklärt Weinfurtner. Zudem stehen selbst aus der schwedischen Provinz in Sekundenschnelle Videos bereit – auch das erweitert den Scouting-Radius.

Sören Weinfurtner ist seit Januar 2021 sportlicher Leiter der Nachwuchsabteilung bei Preußen Münster. Foto: Jürgen Peperhowe

In Münster hingegen haben sich die Preußen einem „total regionalen“ Ansatz verschrieben. Weinfurtner: „Wir holen die Jungs zur U 12 zu uns und sie sollen möglichst lange im Verein bleiben.“ Kommt ein externer Neuzugang, muss er deutlich besser sein als der, der bereits im Verein ist. Der Blick rund um den Globus verbietet sich für Preußen. „Internationale Transfers sind nicht das, was zu unserer DNA passt und wofür wir stehen wollen“, erklärt Weinfurtner.

Stattdessen geht es für den SCP darum, "ein hohes Maß an Durchlässigkeit zu gewährleisten", wie Weinfurtner sagt. "Spieler, die schon lange bei uns im Verein sind, können bei Preußen Münster den Schritt in den Profifußball schaffen." Wenn es nicht sofort für den Sprung in den Regionalliga-Kader reicht, dann vielleicht für die zweite Mannschaft in der Oberliga.

Der sportliche Leiter des Nachwuchsbereichs erklärt weiter: "Uns ist daran gelegen, die besten Spieler Münsters bei Preußen zu haben und auch die besten Spieler aus dem Münsterland anzuziehen." Das weite Feld des kontinentalen oder gar globalen Scoutings überlassen die Adlerträger anderen Vereinen.

Startseite
ANZEIGE