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Fußball: Nationalmannschaft

Länderspiele nur im Livestream, Frauenfußball gerät ins Abseits

Münster

Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft nimmt ab dem 17. Februar an einem Vorbereitungsturnier auf die EM im Sommer teil. Die Partien aber werden nicht im Fernsehen gezeigt, sondern nur im Livestream der Öffentlich-Rechtlichen. Warum das so ist und was die Beteiligten davon halten.

Von Jonas Austermann

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft bestreitet vom 17. bis 23. Februar ein EM-Vorbereitungsturnier in England. ARD und ZDF übertragen diese Partien nicht im TV, sondern nur per Livestream.  Foto: Imago/Beautiful Sports

Man stelle sich vor, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt und die Fans können nur per Live­stream der öffentlich-rechtlichen Sender zuschauen. Klingt abwegig? Es wird aber genau so kommen.

Wenn die deutsche Frauen-Auswahl von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg zwischen dem 17. und 23. Februar das EM-Vorbereitungsturnier namens Arnold-Clark-Cup in England bestreitet, wird auf den Fernsehkanälen der ARD und des ZDF nichts zu sehen sein. Zur Einordnung: Neben Deutschland treten die Gastgeberinnen an, dazu Spanien und Kanada – alles Nationen, die in der Weltrangliste unter den Top-10 liegen.

Bayerns Bianca Rech mit Galgenhumor

Bianca Rech, selbst 20-mal für die deutsche Auswahl am Ball, ist heute Sportdirektorin beim Deutschen Meister FC Bayern München. Sie reagierte mit einer großen Portion Galgenhumor auf die Ankündigung, dass die kommenden Länderspiele nur im Livestream zu sehen sind.

„Traurig aber wahr“, schrieb Rech beim Kurznachrichtendienst Twitter und ergänzte: „Oder müssen wir dankbar sein, dass es im Livestream kommt…“ Ihre Worte versah die 41-Jährige mit einem Äffchen-Smiley, der sich die Hände vor die Augen hält. Eine klare Botschaft.

Das ZDF teilte auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Dabei handelt es sich um eine reine programmplanerische Entscheidung, bei der die Frage Frauen- oder Männerfußball keine Rolle spielt. Dieser erstmals ausgetragene Arnold-Clark-Cup überschneidet sich zudem zeitweise mit Übertragungen von den Olympischen Spielen in Peking.“

Länderspiele an Wochentagen um 16 Uhr

Bereits im November des vergangenen Jahres hatte die Diskussion um TV-Übertragungen und Anstoßzeiten für Wirbel gesorgt. Mit Nia Künzer hatte eine ARD-Expertin erklärt: „Wir können nicht immer nur darüber ­reden, dass sich der Frauenfußball weiterentwickeln muss. Da gehören ganz viele Akteure dazu, und da muss ich auch mal die ARD nennen: Nationalmannschaftsspiele gehören live über­tragen – zu einer vernünftigen Uhrzeit.“

Besonders viel Gegenwind gibt es seit jeher für die zuschauerunfreundlichen Anstoßzeiten. Die DFB-Frauen sind weit weg von der Primetime, zuletzt liefen ihre Heimspiele in der WM-Qualifikation an Wochen­tagen um 16 Uhr. Das erschwert den Fans nicht nur das Verfolgen im TV, sondern macht für viele auch einen Stadionbesuch unmöglich.

TV-Vermarktung: England als Vorreiter

Das Verbannen des deutschen Frauenfußballs in Live­streams läuft der Tatsache zuwider, dass andere Nationen wie etwa EM-Gastgeber England die kickenden Frauen nach und nach auf eine größere Bühne heben. Die britischen Sender Sky und BBC zahlten im Frühjahr 2021 rund 18 Millionen Euro für die Übertragungsrechte an der nationalen Women’s Super League, die erstmals unabhängig von der Männer-Liga vermarktet wurde.

Auch in Deutschland aber tut sich etwas. Vor der Spielzeit 2021/2022 verstärkten der Deutsche Fußball-Bund und seine TV-Partner die Bemühungen in Sachen Live-Übertragung der Bundesliga-Partien. Neuerdings und erstmals werden alle Spiele der höchsten deutschen Klasse über verschiedene Kanäle live gezeigt. Magenta, Eurosport und auch die ARD-Sportschau zeigen die Bundesliga. Die Champions League läuft bei DAZN.

Viele Entwicklungen gehen also in die richtige Richtung, der fragwürdige Umgang mit Länderspielen der Frauen-Nationalmannschaft aber bleibt ein heißes Thema.

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