Fußball: Länderspiel gegen Dänemark

Am Freitag startet die harte Phase im Verteilungskampf

Innsbruck

Im vorletzten Testspiel vor dem EM-Start am 15. Juni in München gegen Frankfurt trennte sich Deutschland mit 1:1 von Dänemark. Bundestrainer Joachim Löw erwartet ab Freitag den richtig harten Konkurrenzkampf um die Plätze, wenn die Nationalspieler aus der Champions League mitmischen werden.

Von Alexander Heflik

Die deutschen Spieler jubeln über den Treffer zum 1:0 gegen Dänemark durch Florian Neuhaus. Foto: Federico Gambarini/dpa

Kein Grund zum Abheben, kein Grund für Trübsal. So oder so ähnlich dürfte das 1:1 im vorletzten Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalelf gegen Dänemark bewertet werden. Als der Abpfiff des österreichischen Schiedsrichters Julian Weinberger durch den leeren neuen Tivoli hallte, sich im Hintergrund die schneebedeckten Alpen pittoresk in die Nacht verabschiedet hatten, wusste Bundestrainer Joachim Löw, dass einiges doch ganz passabel verlaufen war.

Zwei Monate nach dem 1:2-Desaster gegen Nordmazedonien und kurz vor der Rückkehr der Premier-League-Stars wie Kai Havertz, Timo Werner oder Ilkay Gündogan scheint die anstehende Europameisterschaft kein gänzlich aussichtsloses Unterfangen zu werden. Da geht was. Aber, so sein Fazit: „Ich habe viel Licht, aber auch Schatten gesehen.“ Ab Freitag, wenn bis auf die verletzten Leon Goretzka und Emre Can das Aufgebot unter Volllast trainineren wird, steht der endgültige Verteilungskampf um die Plätze im Aufgebot an.

Löws Dreierkette

Der scheidende Löw will, so scheint es der Matchplan für die um ein Jahr verschobene Euro sein, mit einer Dreierkette sowie zwei recht offensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern auf den Außenbahnen das defensive Spielgeschehen kontrollieren. Und wenn am 15. Juni Frankreich auf die DFB-Auswahl in München wartet, dann dürfte das das größte Problem sein: Wie stoppt man Kylian Mbappe, den unfassbar schnellen Angreifer des Weltmeisters. Als das Team in Innsbruck in einem Testspiel, wo man sich nur mit Bedacht gegenseitig zusetzte, den Ausgleich durch Yussuf Poulsen kassierte, wurde klar, dass Mats Hummels nicht alles wird richten können. Denn Löws Dreierkette patzte genau einmal, weil der Münchener Niklas Süle den Pass von Christian Eriksen nicht verhindern konnte und Hummels' Grätsche gegen Poulsen zu spät kam. Löw: „Für mich war wichtig, dass die letzte Reihe steht, das Zentrum geschlossen ist. Das ist gelungen.“

Nicht ganz, denn beim 1:1 patzten seine Schützlinge genau einmal. Einmal zu viel. Gerade Süle wirkte in der Entstehung des 1:1 zu behäbig. Antonio Rüdiger von Chelsea London dürfte Löws erste Lösung sein. Aber der Bundestrainer fordert von seinem Team etwas, was seit der WM 2018 häufig nicht funktioniert hat: kein Gegentor zu kassieren. „Das Problem begleitet uns. Wir müssen gut verteidigen und auch mal ein Spiel ohne Gegentor durchbringen.“ Auch gegen Dänemark reichte das nicht.

Schwere Vorrundengegner

Dieses Rätsel wird der 61 Jahre alte Löw bei seinem letzten Turnier als Chefcoach des vierfachen Weltmeisters lösen müssen. So reicht es vermutlich nicht gegen die ganz Großen, gegen die Angriffsreihen mit Mbappe (Paris St. Germain) und Antoine Griezmann (FC Barcelona) oder auch gegen Portugal mit Cristiano Ronaldo (Juventus Turin) und Joao Felix (Atletico Madrid). Und Frankreich und Portugal sind nur die Vorrundengegner.

Wobei einiges vielversprechend war. Die Offensive, in der einige Hochkaräter fehlten, erarbeitete sich eine Reihe guter Chancen, wobei Joshua Kimmich sich wieder einmal mit seiner Leistung im zentralen Mittelfeld wohl als unverzichtbar deklariert haben dürfte. Bei fast allen gefährlichen Aktionen war er mit von der Partie. Auch im Vorfeld des Führungstreffers durch Florian Neuhaus.

Neuhaus sammelt Pluspunkte

Der Mönchengladbacher, eigentlich nur als Ergänzungsspieler eingeplant, staubte ab, als der dänische Abwehrakteur Joakim Maehle Kimmichs Abschluss bereinigt hatte. „Er hat ein gutes Spiel gemacht“, erklärte Löw nach der Partie. Mit dieser laufstarken Vorstellung rückte der junge Borusse näher an die erste Formation heran. „Es hat Spaß gemacht“, erklärte der 24-Jährige, ohne gleich alles einzufordern: „Ich hätte gerne gewonnen, das ist ein Mannschaftssport.“ Führungstreffer hin oder her. Aber eine der kleineren Erkenntnisse des Bundestrainers war jedenfalls: Auf Neuhaus kann er sich verlassen.

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