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Interview

Hyballa: "Jugendfußball ist zum Business geworden"

Münster

In den Jugend-Bundesligen spielen zahlreiche Talente, die aus dem Ausland verpflichtet worden sind. Im Interview mit unserer Zeitung spricht Fußballlehrer Peter Hyballa über diese Entwicklung und ihre Gründe.

Von Jonas Austermann

Peter Hyballa trainierte zuletzt den Fußball-Drittligisten Türkgücü München. Foto: Imago/Beautiful Sports

Peter Hyballa (46) trainierte im Nachwuchsbereich bei Preußen Münster, Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und beim VfL Wolfsburg. Der derzeit vereinslose Fußballlehrer spricht im Interview mit unserer Zeitung über die Entwicklung in den Nachwuchs-Bundesligen, seine Erfahrungen und mögliche Regelmentierungen von internationalen Transfers.

Herr Hyballa, im Winter wurde wieder fleißig transferiert. Auffällig war, dass immer häufiger junge Talente aus ganz Europa nach Deutschland geholt werden. Warum?

Peter Hyballa: Jugendliche werden aus aller Welt geholt, weil die Vereine denken, dass sie das nächste Produkt für den sportlichen Erfolg oder zum Weiterverkauf werden könnten. Wenn die deutschen Spitzenclubs die Top-Talente aus Europa verpflichten, heißt das im Umkehrschluss aber auch, dass wir hierzulande nicht mehr so gut ausbilden. In Deutschland wird der Erfolg dazu gekauft. Das ist das Business.

Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Hyballa: Als ich bei Borussia Dortmund die U19 trainiert habe, hatte ich Jungs aus dem Ruhrgebiet, dem Sauerland und vielleicht noch dem Münsterland im Kader. Ich fand das sehr angenehm, weil ich wusste, dass die Jungs gut behütet sind. Neben der fußballerischen Ausbildung ist ja schließlich auch der Mensch wichtig. Beim BVB machen die Internate, Gasteltern und Pädagogen viel für die Jungs, aber es ist nie zu 100 Prozent dasselbe wie in deiner Heimat in einer intakten Familie aufzuwachsen. Wenn du beispielsweise einen Jungen mit 14 oder 15 Jahren aus Schweden nach München holst, dann prasselt viel auf ihn ein. Der Jugendfußball ist zu einem Business geworden, alles andere ist eine Lüge – genau wie die Behauptung, dass im Nachwuchsbereich das Gewinnen nicht wichtig sei.

"Da steckt natürlich Geld dahinter"

Warum greifen die deutschen Topclubs immer früher zu, wenn sie ein Talent entdecken?

Hyballa: In Schweden haben viele 19-Jährige schon 30 Spiele in der ersten Liga gemacht. Wenn da einer in diesen 30 Spielen 15 Tore schießt, muss ein Club zehn, zwölf Millionen für ihn hinlegen. Für einen 16-Jährigen, bei dem man noch gar nicht weiß, wie viele Tore der im Profibereich schießt, zahlt man aber nur eine halbe Million. Die Vereine wollen und müssen die Talente immer früher holen, weil sie da noch vergleichsweise billig sind. Auch aus Spielersicht steckt natürlich das Thema Geld dahinter. Eltern, Berater und Spieler bekommen Kohle für einen Wechsel. Niemand wechselt nur aufgrund der schönen Luft nach München. Und bei den besten 16-Jährigen reden wir nicht von Beträgen um die 2000 Euro, sondern da kann man noch eine Null dranhängen.

Welche positiven Aspekte sehen Sie bei internationalen Transfers in jungen Jahren?

Hyballa: Man kann internationale Transfers auch als Weiterentwicklung sehen. Reisen bildet nun mal, internationale Einflüsse können auch einen Mehrwert haben für die eigenen Talente. So wird eine andere Sprache, eine andere Kultur reingebracht. Aber natürlich nehmen diese Spieler den Talenten aus dem Nachwuchs des Clubs auch Plätze weg.

Es gab bereits Vorstöße, den Einsatz ausländischer Talente in den Junioren-Bundesligen zu reglementieren. Wie denken Sie darüber?

Hyballa: Ich bin kein Freund von Regeln, finde es aber cool, wenn ein Verein eine neue Idee hat. Es gab auch mal ein Gentleman Agreement, sich als benachbarte Clubs gegenseitig keine Jugendspieler wegzuschnappen. Aber auch an diesem Beispiel war zu sehen: Regeln sind dafür da, um gebrochen zu werden.

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