1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Fussball
  6. >
  7. Schalke wie immer, Gladbach beendet Sieglos-Krise

  8. >

Fußball: Bundesliga

Schalke wie immer, Gladbach beendet Sieglos-Krise

Gelsenkirchen

Zwei Krisenclubs untereinander – der eine machte einen ersten Schritt heraus aus dem Jammertal, der andere manifestierte seinen Ruf als bedauernswertes Schlussslicht der Liga. Borussia Mönchengladbach schlug den FC Schalke 04 mit 3:0.

Jürgen Beckgerd

Schalkes Trainer Dimitrios Grammozis richtet seine Schützlinge Suat Serdar (l.) und Timon Becker wieder auf. Foto:

Der medial apostrophierte Top-Spiel-Charakter der Bundesliga-Partie zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach spielte sich vor allem neben dem Platz ab. Das Geschehen an sich war eines auf mittelmäßigem Niveau, endete standesgemäß mit einem 3:0 (1:0)-Erfolg für die Gladbacher nach Treffern von Lars Stindl (15.), Stefan Lainer (63.) und Frederik Rönnow (72./Eigentor). So weit die statistisch nicht unwichtigen Fakten, die allerdings die Brisanz der Begegnung nur ansatzweise widerspiegeln.

Mönchengladbach ist nach diesem Erfolg wieder in der Spur, die zuvor sieben Spiele währende Serie ohne Sieg, die daraus resultierenden Debatten über Trainer Marco Rose, sind erst einmal beendet. Wenn die Infragestellung des im Sommer nach Dortmund wechselnden Rose überhaupt grundlegend waren. „Ich find’s brutalen Quatsch, diese Diskussion um den Trainer und ob wir alles für ihn geben“, sagte beispielsweise Gladbachs Mittelfeldspieler und Weltmeister Christoph Kramer im „Sportstudio“ am Samstagabend. Und so spielte Gladbach auch: Mit breiter Brust, klar strukturiert, mit deutlichem spielerischen Übergewicht. Besser gesagt: Schalke spielte wie immer in dieser Saison. „Wir haben die Konsequenz gezeigt, die uns in den letzten Spielen gefehlt hat. Wir haben es sehr gut ausgespielt und hinten nicht viel zugelassen“, sagte beispielsweise Gladbachs Matthias Ginter, derweil Lainer eine „extreme Erleichterung“ verspürte. Die Negativ-Serie hat an den Nerven gezehrt, ganz klar.

Gerangel um Rangnick

Viele Schalker Fans hatten Dampf gemacht, um die Verpflichtung Ralf Rangnicks zu forcieren. Über 50 000 unterstützten eine Online-Petition, um den ehemaligen Coach und Gestalter der Erfolgsmodelle 1899 Hoffenheim und RB Leipzig zurückzuholen. Die Enttäuschung über die endgültige Absage Rangnicks von Sonntag muss groß sein. Die über das Versagen der Gremien ebenfalls. Der „Vorstoß“ einer Initiative (mit maßgeblicher Beteiligung mindestens eines Aufsichtsratsmitglieds) lief komplett ins Leere. Am Sonntag trat Stefan Gesenhues (Ochtrup) aus dem Aufsichtsrat zurück. Gesenhues hatte den Kontakt zu Rangnick am Aufsichtsrat vorbei publik gemacht. „Wir würden da in einen Krieg hineingezogen“, wurde der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag aus Rangnicks Umfeld zu den Hintergründen seiner Absage mitgeteilt. Der Schalker Scherbenhaufen wächst: Mit zwei Kandidaten waren die Königsblauen bis zur Rangnick-Posse wohl schon im engeren Kontakt, unter anderem Markus Krösche (RB Leipzig), der allerdings vor einer Woche mitgeteilt hatte, nicht zur Verfügung zu stehen. Wie die Suche nun weitergeht, scheint völlig offen. Überhaupt haben die Schalker nun erst einmal genug damit zu tun, die internen Zerwürfnisse zu befrieden. Schlimm genug.

Was muss dagegen Schalke mit nur einem einzigen Sieg (4:0 gegen Hoffenheim) in dieser Saison mit sich herumtragen? Trainer Dimitrios Grammozis sah zwar wiederum „einige gute Ansätze“, die warfen seine Spieler allerdings selbst wieder über den Haufen. Erst stellte sich Winter-Neuzugang William (wurde nach 20 Minuten ausgewechselt) unfähig an und begünstigte den Gladbacher Führungstreffer, dann war Kerim Calhanoglu nach einem Eckball von Hofmann nicht im Bilde und ließ Lainer ungehindert aus fünf Metern einköpfen. Das 0:3 besorgte Torhüter Rönnow schließlich selbst, indem er einen Kopfball von Nico Elvedi erst sicher fing, das Spielgerät dann aber doch über die Linie bugsierte.

Gladbach, so scheint’s, ist aus dem Gröbsten raus. Die „Musik“ auf Schalke spielte allerdings hinter den Kulissen Und im Gerangel um Ralf Rangnick als vermeintlich neuem Sportchef für Jochen Schneider geriert sich Schalke wie in den schlimmsten „besten Zeiten“. Im Kampf um Einfluss, Macht und Eitelkeiten hinter den Kulissen – entzündet am Versuch, Ralf Rangnick nach Gelsenkirchen zu locken – überschlugen sich nach dem Spiel die Ereignisse.

Endgültige Entscheidung

Erst hieß es, Rangnick habe Schalke abgesagt. „Leider sehe ich mich aufgrund der zahlreichen Unwägbarkeiten innerhalb des Vereins derzeit nicht in der Lage, die sportliche Verantwortung bei S 04 zu übernehmen“, hatte der 62-Jährige am Samstagmittag mitgeteilt. Dann äußerte sich Aufsichtsratschef Jens Buchta, von der Absage komplett überrascht, dass ein weiteres Gespräch zwischen Schalke und Rangnick noch an diesem Montag zu erwarten sei. Die Schalker Hoffnungen zerschlugen sich aber am Sonntag. Rangnicks Entscheidung, teilte dessen Berater mit, sei endgültig. Irgendwie passte das alles ins Bild, das Schalke abgibt. Das 0:3 sowieso.

Startseite