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Quoten

TV-Königinnen: Fußballerinnen schlagen die Katar-WM

Berlin (dpa)

Die Abstimmung mit der Fernbedienung ist eindeutig. Die Fußball-WM war kein Straßenfeger wie die vorherigen Turniere. Bei der Quoten-Bilanz 2022 gibt es dadurch einen überraschenden Gewinner.

Michael Rossmann, dpa

Die DFB-Frauen sorgten für die höchsten TV-Quoten des Jahres im Sport. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Im EM-Finale geschlagen, aber bei der Quoten-Bilanz 2022 die Nummer eins: Die deutschen Fußballerinnen sind überraschend die TV-Königinnen des Jahres.

Keine andere Sport-Sendung im deutschen Fernsehen hatte ein so großes Fernsehpublikum wie die DFB-Auswahl beim verlorenen Endspiel gegen England. Allerdings profitierten die Vize-Europameisterinnen von einem überraschendem Einbruch der Katar-Quote von rund 40 Prozent im Vergleich zur vorherigen WM in Russland.

17,952 Millionen Menschen hatten am 31. Juli das EM-Finale im Ersten gesehen, für einen Marktanteil von 64,5 Prozent und Platz eins gesorgt. «Es freut uns sehr», sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg der Deutschen Presse-Agentur zu den Zahlen. «Denn es zeigt, dass diese Europameisterschaft sportlich sehr attraktiv war. Nicht nur unsere Spiele, sondern auch die der anderen Mannschaften.» Drei Spiele der Fußballerinen landeten in den Top Ten des TV-Rankings 2022. «Es war ein kleines Sommermärchen«, kommentierte die Bundestrainerin. «Die Menschen hatten Lust auf uns!» 

Gesunkenes Interesse an Katar-WM

Lust auf die WM hatten hingegen deutlich weniger Menschen als erwartet. Auch die Spiele der deutschen Männer lockten weniger Fans vor  den Bildschirm als gewohnt: 2018 gab es noch einen Schnitt von mehr als 25 Millionen TV-Zuschauern, bei den drei DFB-Spielen dieser WM lag der Wert bei nicht einmal 15 Millionen. Das WM-Spiel mit den meisten TV-Zuschauern war Costa Rica gegen Deutschland mit 17,495 Millionen (Marktanteil 53,1). 

Auch andere Daten verdeutlichen das gesunkene Interesse. Bei der WM 2018 in Russland hatte es 20 Übertragungen mit mehr als zehn Millionen TV-Zuschauern gegeben. Beim Turnier in Katar waren es lediglich vier. Das Finale vor vier Jahren zwischen Frankreich und Kroatien (4:2) hatten 21,45 Millionen Menschen im ZDF geschaut, während es am Sonntag  bei Argentiniens 4:2-Sieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich nur 13,86 Millionen waren.

ARD und ZDF erlebten einen Einbruch von rund 40 Prozent bei der Reichweite. 2018 lag der Durchschnittswert pro Live-Übertragung bei rund 10,16 Millionen, jetzt waren es nur knapp 6,33 Millionen. Norbert Himmler sagte als Intendant des ZDF: «Das ist schon eine durchwachsene Bilanz für alle Beteiligten.» 

Keine Zahlen gibt es von der Telekom, die gegen Bezahlung alle Partien aus Katar zeigte, davon 16 exklusiv. Auch die Daten der Internetnutzung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern liegen noch nicht vor. «Die Digital-Zahlen waren sehr gut und werden immer besser, aber sie gleichen das bei Weitem nicht aus», sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky.  

Warum es so einen Einbruch bei der WM gab? «Viele Menschen wollten die WM aus persönlichen Gründen nicht schauen und haben es auch nicht getan», sagte Voss-Tecklenburg, die selbst als Expertin für das Zweite arbeitete. «Auch das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft nach der Gruppenphase wird wahrscheinlich ein Grund gewesen sein.»

«Fußball bleibt das liebste Kind der Zuschauer»

Ähnlich kommentierte ARD-Mann Balkausky: «Die WM hat viele kaltgelassen. Durch die Leistungen der deutschen Mannschaft, auch schon vor der WM, ist kein Funke übergesprungen.» 

Trotz des deutlichen Minus bei der WM ist Fußball als Sportart unschlagbar. «Fußball bleibt das liebste Kind der Zuschauer, unabhängig von der Kritik an der WM», sagte Balkausky. Der Blick auf die Quoten-Bilanz zeigt: Erst auf Platz 41 folgt mit Skispringen eine andere Sportart. Das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee sahen 5,44 Millionen Menschen. 

Auf den Rängen 46 und 47 folgen in der Liste die ersten Live-Übertragungen von den Olympischen Winterspielen in Peking (Rodeln/5,148 Millionen) und von den European Championships (5,125 Millionen/Leichtathletik).

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