Fußball: Kommentar

Werder gerät doch noch in Panik

Thomas Schaaf soll Werder Bremen retten, Florian Kohfeldt wird das nun doch nicht mehr zugetraut. Unser Redakteur Wilfried Sprenger schreibt in seinem Kommentar, dass die Clubführung ein fahriges, ja fahrlässiges Bild abgibt. Der Wechsel kommt sehr spät. Zu lange setzte der SVW auf Romantik.

Wilfried Sprenger

Ex-Trainer Florian Kohfeldt (l.) und Manager Frank Baumann Foto: Imago/Hübner

In Bremen sind die Verantwortlichen nun doch noch zu der durchaus begründeten Ahnung gekommen, dass es mit Florian Kohfeldt vielleicht nicht zum Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga reicht. Das ist eine ziemlich späte Abkehr vom sympathischen Trainer, der an der Weser lange unerschütterliches Vertrauen genoss. Dabei liest sich Werders Absturz schon geraume Zeit wie ein dramatischer Fortsetzungsroman mit überschaubarer Aussicht auf ein Happy-End. Werder hat sich blauäugig treiben lassen von der Hoffnung, dass sich irgendwann irgendwie alles zum Guten wenden würde. Ein romantischer, aber abwegiger Gedanke. Und in der Konsequenz eine grobe Fahrlässigkeit. Bremen hätte früher handeln müssen und nicht in letzter Sekunde. Jetzt ist Panik auf der Titanic und kaum noch Zeit für ein erfolgreiches Manöver.

Zugegeben: Werder ist zurecht dafür gelobt worden, dass der Club nicht sofort schwach wurde, als die Ergebnisse nicht mehr passten. Über viele Wochen stand er in großer Loyalität zu seinem Coach. Das ist ehrenhaft, aber keineswegs immer zielführend. Und mitunter sogar brandgefährlich.

Am Samstag wird sich zeigen, wohin Bremens Weg führt: Abstieg, Relegation und Klassenerhalt sind die Optionen. Auch wenn es gut ausgeht, sollte die Geschäftsführung ihr (Nichts-)Tun hinterfragen. Nicht nur in der Trainer-Personalie handelten die Hansestädter zuletzt auffällig zögerlich.

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