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Fußball: WM in Katar

Kommentar: Hansi Flick hat eine Chance verdient, wenn er umdenkt

Münster

Das blamable Aus in der Gruppenphase der WM 2022 trägt in erster Linie den Namen Hansi Flick. Doch der Bundestrainer hat eine Bewährungschance beim DFB-Team verdient, wenn er sich von gewissen Mustern der Vergangenheit löst – ein Kommentar.

Von Thomas Rellmann

Bedienter Bundestrainer: Hansi Flick musste mit der deutschen Nationalmannschaft bereits nach der Vorrunde der WM in Katar die Koffer packen. Foto: Imago/Sven Simon

Wer von vornherein einen Boykott oder später die sofortige Abreise gefordert hat, wird sich jetzt mit Vorwürfen ans DFB-Team zurückhalten. Von allen anderen müssen sich die Verantwortlichen jedoch nach dem WM-K.o. berechtigte Schelte gefallen lassen. Der erste Reflex lautet bei vielen: Rücktritte! Doch Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff hat auf die sportlichen Dinge nur bedingt Einfluss, so unglücklich sein Wirken an ­anderen Stellen zweifellos seit einigen Jahren ist.

Bundestrainer Hansi Flick hat seine erste Mission vergeigt. Er hat seinem Bayern-Block bedingungslos vertraut, obwohl dieser nicht erst in Katar in großen Teilen enttäuschte, und auch sonst vielfach danebengelegen. Formstärke muss künftig eine größere Rolle spielen als die Dauer der Zugehörigkeit zur Auswahl. Der Stil gehört zugleich überdacht. Vollspann statt Innenseite, ­Torschuss statt Querpass, Wucht und Wille statt Kombinationen um jeden Preis – banale Weisheiten. Doch sie sind beinahe Konsens unter Experten wie Fans.

Wenn Flick bereit ist, Grundsätzliches zu überdenken, hat er eine weitere Chance verdient. Pech im Abschluss, Spaniens seltsame Vorstellung, Ablenkung durch nicht-sportliche Stimmen aus der Heimat – alles nicht von der Hand zu weisen, aber allenfalls kleine Puzzleteile in einem verkorksten Turnier. In allen drei Partien ließ Deutschland geradezu grotesk fahrlässig das Momentum verstreichen und vertröstete sich aufs nächste Spiel.

Auch wenn die letzten drei Turniere schlecht waren und aus dem Nachwuchs vorerst wenig zu erwarten ist, wäre die individuelle fußballerische Qualität noch ­immer gut genug für ein Viertel- oder Halbfinale. 2024 kommt immerhin der Heimvorteil bei der EM ­dazu. Was der auslösen kann, hat sich ja 2006 gezeigt.

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