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Fußball: WM in Katar

Van Gaal spricht vom Titel, England kniet nieder: Das bringt Tag zwei

Münster

Der zweite Tag bei der WM in Katar hält gleich drei Partien bereit - und jede Menge Zündstoff. Die Niederländer greifen ein, die Engländer um Harry Kane wollen mehrere Zeichen setzen. Eines dürfte auch Manuel Neuer ganz genau beobachten.

Von Alexander Heflik

Schafft der 71-jährige Louis van Gaal mit den Niederländern eine Überraschung bei der WM in Katar? Am Montag startet der Bondscoach mit seinem Team gegen den Senegal ins Turnier. Foto: Imago/ProShots

Louis van Gaal ist der älteste Trainer dieser Weltmeisterschaft. 71 Jahre ist der Niederländer alt, er ist an Krebs erkrankt. Vor ein paar Jahren hat er es geschafft hat, dass seine Biografie zweiteilig wurde und mehrere Kilogramm wiegt. Sein Gegenpart auf dem Feld, also der älteste Feldspieler, ist Cristiano Ronaldo. Der Stürmerstar Portugals ist beim Turnierstart 37 Jahre  und 289 Tage alt gewesen. Fünf Mal spielte er bei einer WM, nie gewann er den Titel. Er glaubt auch, dass sein Land das genau jetzt schaffen könnte. Van Gaal und Ronaldo, sie sind so etwas wie die am meisten ambitionierten Auslaufmodelle des Fußballs.

Der knorrige Niederländer jedenfalls hat was. Und Selbstbewusstsein ist seine große Stärke. Weltmeister könne seine Mannschaft werden, sagt er mal so dahin. 1974 „verschenkten“ die Niederländer angeblich dank Party-Nächten in der letzten Turnierwoche den WM-Titel an Deutschland. 1978 bei der damals umstrittenen WM in Argentinien verlor Holland das Finale auch. Es war auch der Triumph der Militär-Junta, des Jorge Rafael Videla, 1983 endete die Zeit dieses Regimes.

Die Spiele
des Tages

Zurück zu den Niederlanden, die 2010 in Südafrika das dritte WM-Finale gegen Spanien verloren. Van Gaal jedenfalls steigt am Montag mit seiner Mannschaft in das Turnier ein, es ist die zweite Partie des Tages. Die „Elftal“ ist im Übrigen gut, aber alles andere als ein Turnierfavorit. Aber Otto Rehhagel war beim Sensations-Triumph Griechenlands auch schon 65 Jahre alt und lediglich ein beliebiger Außenseiter. Wieso soll van Gaal nicht das Wunder von der Katar schaffen? Das sportliche Wunder.

Das passiert nicht mal in Straelen

Das erste Spiel am Sonntag endete nicht nur mit der – erwarteten – 0:2-Niederlage von Gastgeber Katar gegen Geheimfavorit Ecuador, sondern auch mit leeren Rängen. Das macht ein normaler Fan in der Regionalliga West nicht einmal, wenn der SV Straelen sieben Partien in Folge verloren hat und im Verbandspokal gegen Wegberg-Beeck rausfliegt.

Man verlässt ja auch kein Konzert der Red Hot Chili Peppers vor der Zugabe, um schneller aus dem Parkhaus zu kommen. Ex-Weltmeister Christoph Kramer sagte als Experte im ZDF: „Da ist gar kein Feuer, da kommt nichts von den Rängen und nichts vom Platz. Das passt irgendwie zum Spiel, dass sich das Stadion relativ schnell geleert hat – ich wäre wahrscheinlich auch früher gegangen.“ Mal sehen, was die Fifa dazu sagen wird.

Sieht Englands Kane vor Anpfiff Gelb?

Und zu der „One-Love"-Kapitänsbinde, die Harry Kane im zweiten WM-Spiel am Montag bei den Engländern tragen wird. Bekommt er dafür echt jetzt die Gelbe Karte? Und was passiert mit Manuel Neuer? Der will diese Binde auch tragen. Und könnte, falls es bei den Verwarnungen bleibt, ein Reservist die Kapitänsbinde tragen? Bei jeder WM gibt es ja die Spieler, die nicht eingesetzt werden, fast immer ist es der dritte Torwart – bei Deutschland wäre das dann Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt.

Englands Kapitän und Starstürmer Harry Kane (links) wird mit seinem Teamkollegen (hier Mason Mount) vor Anpfiff der Partie gegen den Iran auf die Knie gehen - und eine Kapitänsbinde mit Regenbogen-Farben tragen. Foto: Imago/Shutterstock

Aber England plant nicht nur erfolgreich zu spielen, sondern auch politisch zu sein. Englands Fußballer werden auch vor den Spielen der Weltmeisterschaft in Katar auf dem Rasen niederknien. Das bestätigte Nationaltrainer Gareth Southgate in Doha. „Wir haben darüber diskutiert und wir fühlen, dass wir es machen sollten. Dafür stehen wir als Team“, sagte der 52-Jährige. Schon bei der EM im vergangenen Jahr waren sie vor jedem ihrer Spiele mit einem Knie auf den Boden gegangen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Southgate spricht von einem „starkes Statement für die jungen Menschen auf der ganzen Welt“.

Fifa-Chef Infantino kündigt Großes an

Spannung pur auch bei Englands Gegner Iran, die Mannschaft ist offenbar so zerrissen wie das Land, in dem gerade große Protestwellen gegen das Regime rollen.

Apropos Kohle, nicht Öl und Gas: Die Fifa hat mit den Verträgen zur Fußball-WM 2022 in den vergangenen vier Jahren Rekordeinnahmen in Höhe von rund 7,25 Milliarden Euro erzielt. Eine Milliarde Euro sollen sofort in den Fußball fließen, kündigt Gianni Infantino an. Mal sehen, was da in den nächsten Tagen passiert.

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