Fußball: DFB-Pokal

Zweimal Sancho, zweimal Haaland – BVB hat den Pott wieder

Berlin

Nach vier Jahren hat sich Borussia Dortmund wieder den DFB-Pokal unter den Nagel gerissen. Mit 4:1 (3:0) gewann der BVB in Berlin gegen RB Leipzig in einem kurzweiligen und teils hochklassigen Endspiel, dem nur die Zuschauer fehlten. Jadon Sancho und Erling Haaland trafen doppelt.

Thomas Rellmann

Dortmunds Spieler feiern bei der Siegerehrung mit dem Pokal. Foto: Michael Sohn/AP-Pool/dpa

Ein grandios aufgelegter Marco Reus, eine lehrbuchartige Kaltschnäuzigkeit vor der Pause und die nötige Portion Matchglück haben Borussia Dortmund den fünften Pokalsieg in der Vereinshistorie beschert. Als Favorit war der BVB nicht in die Partie gegen RB Leipzig gegangen, und beim 4:1 (3:0)-Erfolg in Berlin hatte der Gegner auch mehr Anteile, wirkte größtenteils griffiger, sogar reifer. Spielte aber alles keine Rolle. Den Sahnetag der Abwehrreihe garnierten die Angreifer mit tollen Umschaltmomenten. Dortmund feierte, wenn auch ohne Anhang auf Sparflamme. Was wäre das für ein legendärer Abend gewesen aus Sicht des Revierclubs. Die Rivalität beider Clubs ist ja nicht klein.

Der BVB begann mit drei Änderungen im Vergleich zum 3:2-Sieg in der Liga am Samstag. Die wichtigste Frage: Spielt Erling Haaland? Ja, der Norweger wurde rechtzeitig fit und ersetzte im Sturmzentrum Thorgan Hazard. Weil Coach Edin Terzic auf ein 4-3-3 umstellte, kam zudem Jude Bellingham anstelle von Giovanni Reyna im Mittelfeldzentrum zum Zug. Im Tor löste Roman Bürki seinen verletzten Schweizer Landsmann Marwin Hitz ab.

Angelino gestrichen

Die Sachsen tauschten gleich viermal. Alexander Sørloth, Marcel Halstenberg, Nordi Mukiele und Amadou Haidara, die im Punktspiel teils geschont wurden, erhielten den Zuschlag anstelle von Willi Orban, Benjamin Henrichs, Emil Forsberg und Angelino. Der Spanier stand gar nicht im Aufgebot, Trainer Julian Nagelsmann nannte sportliche Gründe für die Ausbootung des vor wenigen Wochen nach als Shootingstar gefeierten Flügelspielers. Taktisch bedeutete das ein 3-5-2.

Wie 2020 war es eine freudlose Angelegenheit auf den Rängen. Das Flair, das die Dortmunder Fans in den vergangenen Jahren so oft in die Hauptstadt getragen hatten, fehlte trotz aller Bemühungen, das Stadion zumindest ein wenig zu schmücken. Vor den Toren waren zwar vereinzelte singende Anhänger (auch von Hertha BSC) zu finden. Doch das blieb eine Randnotiz.

Ballgewinn von Reus

Marcel Sabitzer gab für den Tabellenzweiten einen kleinen Warnschuss ab (4.), doch im Gegenzug rappelte es auf der anderen Seite. Reus gewann den Ball gegen Kevin Kampl, Haaland und Mahmoud Dahoud leiteten ohne Beiwerk weiter nach links, wo Jadon Sancho die Kugel optimal auf dem rechten Schlappen liegen hatte. Der 20-Jährige ließ sich nicht bitten und schlenzte sie unhaltbar ins Netz (5.). Was für ein Start!

Mann gegen Mann, das funktionierte in dieser Szene nicht. Doch mit dem Rückstand riss RB das Geschehen an sich, generierte Standards, bewies Biss, presste geschickt und blieb doch recht ungefährlich. Dortmund hatte gerade im Zentrum Mühe und hielt sich nach vorn zurück.

Wie Effektivität aussieht, demonstrierte die Borussia auch mit der zweiten Chance. Wieder ging ein individueller Fehler voraus, diesmal von Hee-Chan Hwang, der den Ball ablegen wollte, ihn aber Reus in die Füße spielte. Der Routinier wusste am Mittelkreis sofort, was zu tun ist und schickte Haaland los. Mit großen Schritten ließ der Mittelstürmer Dayot Upamecano abprallen, legte sich das Spielgerät noch auf den besseren linken Fuß und schloss ab (28.). Drin die Kiste – Leipzig war abermals empfindlich getroffen.

2:0 stand es auch am Samstag im Duell der Spitzenclubs früh für den BVB. Doch abzuschreiben sind die Rasenballsportler nie. Ein erneuter Ballverlust von Emre Can brachte Sørloth nach Dani Olmos öffnendem Anspiel in Position, doch sein Abschluss ging ans Außennetz. Die bis dato beste Gelegenheit brachte auch wenig ein (38.). So dokumentierten Ballbesitz, Passquote und Zweikampfwerte, die alle für die Leipziger sprachen, eine Scheinüberlegenheit.

Sancho wieder eiskalt

Die entscheidenden Zahlen sprachen für den Traditionsclub. Mit dem Pausenpfiff wurde es sogar noch eindeutiger. Upamecano meterte Haaland in der gegnerischen Hälfte um, Dahoud reagierte aber blitzschnell und nutzte den Vorteil, schickte Reus auf die Reise. Er und Sancho steuerten fast allein auf den Kasten zu. Der Engländer bekam den Ball, ließ noch Halstenberg ins Leere rauschen und erhöhte auf 3:0 (45.). Drei Chancen, drei Tore, nichts zugelassen – das waren perfekte 45 Minuten für die Schwarz-Gelben.

Thorgan Hazard kam zur Pause für Bellingham, das System wurde zum 4-2-3-1. Nagelsmann, dessen Kniffe nach hinten losgegangen waren, warf mit Yussuf Poulsen und Christopher Nkunku zwei Stürmer für die enttäuschenden Hwang und Sørloth ins Rennen.

Nkunku trifft die Latte

Keine 25 Sekunden waren rum, da hatte Nkunku nach Mukiele-Flanke den Hoffnungsschimmer für RB auf dem Schlappen, doch er traf freistehend nur die Latte. Bürki musste auch bei Schüssen von Sabitzer (48.) und Dani Olmo (49.) eingreifen. Poulsen hatte zudem noch einen guten Versuch (56.). Keine Frage, die Roten Bullen gaben nicht auf. Ihr Druck war groß, Entlastung kam erst mal nicht.

Erst nach rund einer Stunde befreite sich der Liga-Vierte wieder mehr. Der vierte Konter hätte beinahe das vierte Tor gebracht. Wieder war Reus der Ausgangspunkt, doch seinen Querpass konnte Hazard nicht über die Linie des leeren Gehäuses grätschen (66.). Großes Glück hatte Dortmund noch, als Bürki eine Hereingabe von Konrad Laimer vor Forsbergs Füße abwehrte, doch der Schwede trotz völlig freier Bahn nur den Pfosten traf. Sekunden später war der Ball doch drin. Dani Olmo fackelte aus 18 Metern nicht, als Nkunku ihm das Leder zuspitzelte. 1:3 nach 71 Minuten – plötzlich war wieder Spannung drin. Erst recht, als vier Minuten später Nkunku eine völlig verunglückte Sancho-Rückgabe aufnahm. Erst wollte er gegen Bürki einen Elfmeter rausholen, dann entschied er sich doch, wieder aufzustehen und bediente Dani Olmo, dessen Schuss am langen Eck vorbeistrich.

Haaland macht alles klar

Der belebende Nkunku hatte auch Pech mit seinem Abschluss (82.), auf der anderen Seite zog sich Sancho nach einem Steilpass von Thomas Delaney die Wut der Bank zu, als er vor dem verwaisten Kasten noch einen Haken schlug, sodass Keeper Peter Gulacsi dazwischengehen konnte (84.). Der Ungar war auch gegen Hazard zur Stelle (85.). Als Haaland dann bei einem Konter, eingesetzt von Sancho, im Schuss wegrutschte und so der Kugel viel Drall verpasste, hatte Gulacsi doch noch das Nachsehen (87.). Noch ein Doppelpack, 4:1 – damit war der Ofen aus. Wegbereiter war einmal mehr Reus per Diagonalball. Der Rest war zumindest auf dem Rasen eine Party in Schwarz und Gelb. Und wahrscheinlich auch in vielen Wohnzimmern in der Republik.

RB: Gulacsi – Klostermann, Upamecano, Halstenberg – Mukiele (62. Forsberg), Kampl (62. Laimer), Haidara (70. Henrichs) – Dani Olmo, Sabitzer – Sørloth (46. Poulsen), Hwang (46. Nkunku)

BVB: Bürki – Piszczek, Akanji, Hummels, Guerreiro – Bellingham (46. Hazard), Can, Dahoud (74. Delaney) – Reus (90.+1 Brandt), Haaland (90.+1 Reyna), Sancho (89. Meunier)

Schiedsrichter: Felix Brych (München)

Tore: 0:1 Sancho (5.), 0:2 Haaland (28.), 0:3 Sancho (45.), 1:3 Dani Olmo (71.), 1:4 Haaland (87.)

Gelb: Upamecano, Dani Olmo / Bellingham, Dahoud, Sancho, Haaland

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