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SV Werder Bremen

Frühes Stimmungstief - Baumann kämpft um seinen Job

Bremen (dpa)

Die Krise gehört inzwischen zu Bremen wie die Stadtmusikanten. Nach dem Abstieg ist die Stimmung bei Werder weiter angespannt, der Kader macht den Eindruck eines nur halbfertigen Hauses. Wer schuld an der Misere ist, ist für die Fans klar.

Von Lars Reinefeld, dpa

Marco Bode (l), Aufsichtsratvorsitzender, und Frank Baumann, Geschäftsführer Sport von Werder Bremen. Foto: Carmen Jaspersen/dpa/Archivbild

Drei Spieltage ist die neue Saison in der Zweiten Liga erst alt, doch bei Werder Bremen ist die Stimmung bereits wieder im Keller.

Der Abstieg aus der Fußball-Bundesliga ist noch gar nicht richtig verdaut, da fordern die Fans an der Weser schon personelle Konsequenzen - die es aus ihrer Sicht bereits nach dem Absturz in die Zweitklassigkeit hätte geben müssen.

Druck auf Baumann wächst

Im Mittelpunkt der Kritik: Sport-Geschäftsführer Frank Baumann. Nach dem desolaten 1:4 gegen den SC Paderborn gab es am Sonntag laute «Baumann raus»-Rufe, schon während der Partie forderten die Zuschauer immer wieder die Entlassung von Baumann, den die meisten als den Hauptschuldigen an der Misere ausgemacht haben.

«Es ist heutzutage nicht nur im Fußball so, dass man einen Schuldigen braucht, und das bin ich jetzt eben in diesem Fall», sagte Baumann nach der bitteren ersten Saisonniederlage in der Zweiten Liga im NDR-Fernsehen. An Rücktritt denkt der Ex-Profi aber nicht. «Nein, das macht keinen Sinn», sagte Baumann. Vor allem zum «jetzigen Zeitpunkt» verschwende er daran keinen Gedanken.

Schließlich sind es nur noch rund zwei Wochen bis zum Ende der Transferperiode und die Aufgabenliste für Baumann ist nach wie vor lang. Nachdem es Baumann zuletzt gelungen war, einige Spieler wie den Amerikaner Josh Sargent oder den Schweden Ludwig Augustinsson zu verkaufen und damit endlich Geld in die leere Kassen zu befördern, ist es nun allerhöchste Zeit für Neuzugänge. Denn der aktuelle Kader hat nicht das Format, um direkt wieder um den Aufstieg mitzuspielen.

Trainer spricht von «Wiederaufbau»

Auch der neue Werder-Coach Markus Anfang wird langsam ungeduldig. Das Wort «Wiederaufstieg» vermeidet er partout, spricht stattdessen von «Wiederaufbau». «Es ist klar, dass wir noch etwas machen müssen», sagte Anfang. Vor allem im Angriff herrscht große Not. Doch Baumann mahnt weiter zur Geduld und verwies in Bremer Medien am Montag erneut auf die finanziellen Zwänge. «Wir sind nach wie vor nicht am Ziel. Sowohl bei der Reduzierung des Gehaltsgefüges als auch bei den Transferüberschüssen. Wenn wir das komplett außer Acht lassen würden, würde es uns sehr schnell nicht mehr geben.»

Der Druck auf Baumann bleibt dennoch groß, um seinen Job bangen muss er aber noch nicht. «Es ist nicht fair, wenn sich die Fans jetzt einen Schuldigen herauspicken. Wir alle, die gesamte Geschäftsführung und der Aufsichtsrat, bestimmen den Kurs des Clubs», sagte Werder Bremens Aufsichtsratsboss Marco Bode bei «deichstube.de». Eine Trennung von Baumann komme nicht infrage. «Nein, das werden wir nicht machen», antwortete Bode auf eine entsprechende Frage.

Die Pandemie und der Abstieg hätten nun einmal dafür gesorgt, dass die Hanseaten erst einmal ein finanzielles Loch von rund 40 Millionen Euro stopfen müssen. «Das ist ja nichts, was Frank sich ausgedacht hat», sagte Bode.

Doch ob Baumann auch nach dem Ende des Transferfensters am 31. August noch lange im Amt ist, ist ungewiss. Für den 5. September ist die bereits mehrmals verschobene Mitgliederversammlung geplant. Dann wird ein neuer Aufsichtsrat gewählt, Baumann-Befürworter Bode tritt dann nicht wieder an. Er ist bislang der einzige Hauptverantwortliche, der selbst die Konsequenzen aus dem sportlichen Niedergang gezogen hat.

Der am Ende überforderte Trainer Florian Kohfeldt wurde einen Spieltag vor dem Ende der Saison freigestellt, die komplette Geschäftsführung um Baumann macht einfach weiter. Wie lange vor allem Baumann aber dem Druck standhält, hängt von den kommenden 14 Tagen ab. Nur wenn es ihm gelingt, doch noch einen schlagkräftigen Kader zusammenzustellen, hat er eine Zukunft an der Weser.

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