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Handball: Olympia-Qualifikation

Deutschland demontiert Slowenien vor der Pause und hat beste Chancen auf Tokio

Berlin

Im Schlüsselspiel um das Ticket für Tokio lieferte Deutschland eine fantastische erste Hälfte gegen Slowenien und gewann 36:27 (22:12). Ein Remis gegen Algerien zum Abschluss der Olympia-Qualifikation in Berlin reicht am Sonntag sicher. Viele Faktoren machten den WM-Zwölften in der Max-Schmeling-Halle stark.

Thomas Rellmann

Marcel Schiller (beim Wurf gegen Urban Lesjak) und Julius Kühn gehörten zu den besten Deutschen. Foto: Imago-images/Jan Hübner

Das Tor nach Tokio steht für die deutschen Handballer sperrangelweit auf. Durch das 36:27 (22:12) gegen Slowenien im zweiten Spiel der Olympia-Qualifikation genügt am Sonntag zum Abschluss des Viererturniers gegen Algerien (15.45 Uhr) ein Remis fürs Ticket. Wie gegen Schweden tags zuvor (25:25) spielte die DHB-Auswahl eine starke erste Hälfte. Diesmal war aber die Effektivität im Angriff noch besser, ja Weltklasse. Weil Torwart Andreas Wolff dazu noch großartig hielt, war die Sache nach dem ersten Durchgang fast geritzt.

„Große Erleichterung“ verspürte Trainer Alfred Gislason. „Die Abwehr war stark, beweglich. Der Innenblock hat großartig gespielt. Wir haben viel Druck mit der zweiten Welle erzeugt und richtig gute Angriffe gezeigt. Ich bin richtig stolz auf die Mannschaft. Der Druck war groß, die Reaktion aber überragend.“ Der starke Johannes Golla sagte hinterher: „Wir haben in der Deckung so gespielt, wie wir uns das vorstellen. Tempospiel und die Angriffe über den Rückraum haben auch super funktioniert.“

Wie angekündigt gab es zwei Wechsel im Kader. Andreas Wolff ersetzte den angeschlagenen Johannes Bitter im Kasten, für Fabian Böhm rückte Juri Knorr ins Aufgebot. Marcel Schiller löste als Linksaußen wie erwartet Kapitän Uwe Gensheimer in der Startformation ab, in der auch Kreisläufer Golla diesmal stand.

Timon Kastening traf anfangs zweimal von rechts, die Gäste handelten sich binnen drei Minuten schon zwei Zeitstrafen ein. Doch sie kamen auch in Unterzahl zu ihren Toren, zumeist über den Kreis. Deutschland schloss zunächst vor allem über die Flügel ab. Dann nahm sich auch Julius Kühn ein Herz, traf doppelt, sein Team lag nach zehn Minuten 8:5 vorn.

Angriffs-Varianten als großes Plus

Nach diesem temporeichen Beginn nahmen die Hausherren etwas Fahrt raus, auch dank zweier Treffer von Steffen Weinhold lagen sie nach nicht mal 17 Minuten aber 13:7 in Führung. Wie am Vortag gegen Schweden waren die vielen Varianten im Angriff das große Plus. Die allermeisten Versuche saßen zudem. Auch Wolff trug zwischen den Pfosten seinen Teil bei, wurde immer besser. Golla und Hendrik Pekeler legten im Innenblock davor die Basis. Die Abwehr, in der Patrick Wiencek bis dato gar nicht zum Einsatz kam, lief zur Hochform auf. Beim 17:9 (22.) waren die Verhältnisse ziemlich eindeutig. Und vorne war es fast ein Selbstläufer. Gegenstoß, Kreisanspiel, Pass nach außen, Eins-gegen-eins, Rückraum-Schuss oder Siebenmeter – es sah so leicht aus. Positionsspiel, erste und vor allem zweite Welle – egal, wer gerade auf der Platte stand, der Ball zappelte im Netz.

Pekeler machte dreieinhalb Minuten vor der Halbzeit das 20:10 – die Slowenen hatten gerade mal halb so viele Tore erzielt. Kühn setzte sogar noch einen drauf (27.). Er handelte sich aber kurz darauf seine zweite Zwei-Minuten-Strafe ein. Zur Pause stand ein 22:12 – das kam in dieser Höhe völlig unerwartet und war Ausdruck einer großartigen Leistung in allen Facetten. „Gegen Schweden sind wir die zweite Welle nicht so konsequent gelaufen“, sagte Shooter Kühn. „Dazu kamen noch die Abwehr und ein starker Torhüter.“

Trägheit von kurzer Dauer

Aus der Kabine kamen die Deutschen etwas träge. Das war aber nicht von langer Dauer. Eine doppelte Überzahl brachte schnell die Sicherheit zurück. Schiller wurde oft gut eingesetzt und bastelte erfolgreich an seiner persönlichen Ausbeute. Der Vorsprung schrumpfte nicht, die verbleibende Zeit schon. Irgendwann hatte Slowenien aufgesteckt. Der WM-Neunte war gegen den Spielwitz der Gislason-Truppe geradezu machtlos. Nach gut 40 Minuten bekamen auch Knorr und Fabian Wiede ihre Chance im Rückraum, Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki kurz darauf auf den Seiten. Im Tor durfte Silvio Heinevetter ran. Die Schlussphase war Schaulaufen, Spannung und Emotionen waren raus. Die Kälte vor dem Tor fehlte wie auch in der Deckung. „Wir haben nach der Pause vorgehabt, die Linie zu halten und anfangs auch jeden Wurf aufs Tor gebracht. Nachher haben wir etwas Rhythmus verloren“, befand der Bundestrainer.

Am Sonntag gilt es noch einmal. Gegen Algerien ist die deutsche Mannschaft klarer Favorit. Wiencek soll dann wieder auflaufen, er bekam gegen Slowenien keine Sekunde, weil Golla/Pekeler so gut drauf waren. „Wir müssen Vollgas geben. Ein paar Leute konnte ich diesmal schonen“, so Gislason. „Wir dürfen am Sonntag nicht mehr ruinieren, was wir uns erarbeitet haben.“

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