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Olympia in Tokio

Start auf unbequeme Art: Werth fliegt im Pferdetransporter

Lüttich (dpa)

Seit diesem Mittwoch fliegen die ersten Pferde in speziell umgebauten Flugzeugen zu den Olympischen Spiele nach Tokio. Und nur wenige ausgewählte Personen dürfen sie begleiten.

Von Michael Rossmann, dpa

Fliegt mit ihren Pferden nach Tokio: Isabell Werth. Foto: Friso Gentsch/dpa

Der heikelste Teil der Operation Gold hat für Isabell Werth kurz nach Mitternacht begonnen.

Die erfolgreichste Reiterin der Welt stieg am frühen Mittwochmorgen im Flughafen Lüttich in den Spezialflieger, mit dem die ersten deutschen Olympia-Pferde nach Tokio gebracht werden. Bequem ist es in dem umgebauten Flugzeug für rund 50 Pferde nicht. Aber die 51-Jährige aus Rheinberg überlässt am liebsten nichts dem Zufall - und dafür verzichtet sie gerne auf den Komfort des Linienfliegers.

«Jeder würde gerne sein Pferd begleiten», sagte der deutsche Pferdesport-Delegationschef Dennis Peiler: «Aber es darf nur einer pro Team mitfliegen.» Nach einer internen Besprechung sei schnell klar gewesen, dass Werth die Pferde begleite. «Ich freue mich, dass ich das Vertrauen erhalten habe», sagte die sechsmalige Olympiasiegerin.

Schon häufiger mit Pferden geflogen

Für Werth sprach auch «ihre Erfahrung», erklärte Peiler. Die Seriensiegerin ist bereits häufiger mit den Pferden mitgeflogen. Auch zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, wo sie mit dem deutschen Team ihre sechste olympische Goldmedaille gewann. Gemütlich ist es in dem Spezialflieger mit Containern für jeweils zwei Pferde nicht. «Bei 18 Stunden wird das eine echte Herausforderung», sagte Werth.

Punkt 0.45 Uhr startete der Spezialflieger in Belgien. «Es hat alles geklappt», berichtete eine Mitarbeiterin der Spedition Peden Bloodstock am Mittwoch. «Wir waren pünktlich auf die Minute.» Der Flug dauert mit einem Zwischenstopp in Dubai mehr als 18 Stunden. Die Landung soll am Donnerstagmorgen (Ortszeit) in Tokio erfolgen.

Während Werth olympische Vielfliegerin ist, heben einige der 50 Tiere pro Flugzeug das erste Mal ab. Die meisten Pferde haben mit den Flügen keine Probleme, erklärte Jan-Hein Swagemakers, der Tierarzt der deutschen Springpferde. «Start und Landung sind anstrengend, da müssen sie sich ausbalancieren.» Die Pferde-Flieger starten und landen daher in einem flacheren Winkel als Passagiermaschinen.

Weniger wacklig als im LKW

Wenn der fliegende Pferdetransporter erstmal in der Luft ist, dann sei «es ruhig und relativ entspannt». Im Flugzeug sei es für die Pferde «weniger wackelig als auf dem Lastwagen», sagte der Tierarzt, der die deutschen Pferd beim Flug zur WM 2018 in den USA begleitet hatte.

Werth betreut bei der Reise nach Tokio ihre Gold-Stute Bella Rose und die drei anderen Dressurpferde des deutschen Teams. Jessica von Bredow-Werndl, Dorothee Schneider und Reservereiterin Helen Langehanenberg sind gemeinsam mit der Teamleitung um Equipe-Chef Klaus Roeser sowie den Pferdepflegerinnen mit einem normalen Flieger geflogen. «Wir sind soeben gut in Tokio gelandet», berichtete Roeser.

Am kommenden Montag folgen die deutschen Vielseitigkeitspferde, die derzeit ihre Quarantäne in Warendorf absolvieren. Am darauffolgenden Sonntag fliegen dann die Springpferde von Lüttich nach Tokio. Neben den Tieren muss die Deutsche Reiterliche Vereinigung auch noch reichlich Ausrüstung nach Japan schaffen. 1950 Kilogramm Pferdefutter und 9600 Kilogramm Gepäck nur für die Pferde gehören dazu. Zur Ausrüstung zählen neben Sätteln und Zaumzeug auch Mistgabeln und Schubkarren.

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