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Reit-Weltmeisterschaft

Sturz des Europameisters Symbol für schlechteste WM-Bilanz

Herning (dpa)

Der Pferdesport gilt als Medaillen-Garant, noch immer glänzt das Gold der Olympischen Spiele 2021. Doch ein Jahr später gibt es in Dressur und Springen die schlechteste WM-Bilanz der Geschichte.

Ist von seinem Sturz schockiert: Springreiter Andre Thieme. Foto: Friso Gentsch/dpa/Archivbild

Als der Einzel-Titel bei der WM in Dänemark vergeben wurde, war Europameister André Thieme schon lange abgereist.

Nach seinem spektakulären Sturz in der verpatzten Teamwertung konnte der Springreiter nur am Fernseher zuschauen, wie Marcus Ehning mit Stargold für das beste deutsche Ergebnis sorgte und auf Rang fünf ritt. Durch den ungewöhnlichen Abwurf von seiner Stute Chakaria war Thieme für die Einzelwertung disqualifiziert und wurde ungewollt das Sinnbild für die schlechteste WM-Bilanz der deutschen Reitsport-Geschichte.

Thieme stürzt als Favorit

Thieme flog im hohen Bogen von seiner Stute Chakaria und landete vor rund 10.000 Zuschauern im Sand des umgebauten Fußball-Stadions des FC Midtjylland. «Ich bin auf dem Boden gelandet und wusste nicht, was passiert ist», sagte der Springreiter danach.

Der Abflug aus dem Sattel von Chakaria war ihm unangenehm. «Das ist wahrscheinlich der peinlichste Moment in meinem Leben, weil ich weiß, wer da alles zugeschaut hat», sagte Thieme. Er galt nach seinem Gold-Coup bei der EM vor einem knappen Jahr in Riesenbeck als einer der WM-Favoriten.

Nur eine Bronzemedaille für verwöhnte Reiter

«Man denkt ja, man hat schon alles erlebt», kommentierte Bundestrainer Otto Becker und fügte an: «Aber so etwas nicht.» Ausgerechnet der Europameister flog vom Pferd und damit auch aus der Wertung. Immerhin gab es noch Platz fünf und damit die Olympia-Qualifikation. Auch das Dressur-Team qualifizierte sich vorzeitig für Paris. Das war das «Minimalziel», das Dennis Peiler als Sportchef des Verbandes FN ausgegeben hatte. «Das ist schon mal wichtig», sagte Peiler: «So können wir in Ruhe auf das Großereignis hinarbeiten.»

Zusammengezählt gab es in Herning aber im Springen und in der Dressur nur eine einzige Bronze-Medaille durch die Dressur-Mannschaft und damit ein so schlechtes WM-Abschneiden wie noch nie. «Am Ende war das Ergebnis dann doch durchwachsen», sagte Peiler und fügte an: «Wir waren erfolgsverwöhnt.»

Platz fünf im Springen für Ehning

Am Abschlusstag war keine Medaille im Einzel-Springen zu erwarten. Thieme war durch seinen Sturz ausgeschieden, der weit zurückliegende Christian Ahlmann verzichtete auf einen Start. Marcus Ehning aus Borken mit Stargold und die in Belgien lebende Jana Wargers mit Limbridge erreichten am Abschlusstag immerhin die Runde der letzten zwölf Paare und sorgten mit den Plätzen fünf und neun für ein halbwegs versöhnliches Ende. Doch sie lagen schon zu weit zurück, um noch ganz vorne einzugreifen. Ehning absolvierte am Abschlusstag zwei fehlerfreie Runden, Wargers beendete die WM mit einem Abwurf und zwei Strafpunkten in der letzten Runde.

Marcus Ehning sprach nach Rang fünf mit Stargold von einer «kleinen Genugtuung», weil er im Nationenpreis acht Strafpunkte kassierte und seinen Teil zum enttäuschenden fünften Platz in der Teamwertung beigetragen hatte. «Die letzten Tage waren ärgerlich», resümierte der 48 Jahre alte Senior des Quartetts. Für eine besser Platzierung im Einzel «hätte ich vorher besser reiten müssen», sagte Ehning.

Wagner als WM-Debütantin zufrieden

«Wahnsinn» lautete das WM-Fazit von Wargers nach Platz neun mit Limbridge. «Mein Pferd ist unheimlich gut drauf», schwärmte die WM-Debütantin von ihrem Wallach. «Er macht es mir leicht.» Dass die aus Emsdetten stammende Reiterin nicht weiter nach vorne kam, lag auch am zu langsamen Zeitspringen bei ihrem ersten WM-Ritt am Mittwoch. «Wir wissen jetzt, dass wir am ersten Tag flotter sein müssen», erklärte sie grinsend.

Weltmeister wurde Henrik von Eckermann aus Schweden mit King Edward vor dem Belgier Jerome Guery auf Quel Homme und dem Niederländer Maikel van der Vleuten im Sattel von Beauville.

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