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Handball: Olympia-Qualifikation

Schiller hält Deutschlands Olympiaträume am Leben

Berlin

Die deutschen Handballer wahren ihre Olympia-Chancen, machten es gegen Vize-Weltmeister Schweden aber sehr, sehr spannend. Mitte der zweiten Halbzeit enteilten die Skandinavier und es bedurfte eines eindrucksvollen Schlussspurts mitsamt Last-Second-Treffer, um einen wichtigen Punkt ins Ziel zu bringen.

Thomas Rellmann

Logisch: Im Land der Dichter und Denker bewahrt Schiller Foto: imago images/camera4+

Dieser Punkt kann noch Gold wert sein. Dennoch bleibt es dabei: Das Schlüsselspiel um die Olympia-Qualifikation findet am Samstag (15.35 Uhr) gegen Slowenien statt. Nach dem kurz vor der Sirene noch geretteten 25:25 (14:13) gegen Schweden würde ein Sieg im zweiten Spiel des Wochenendes das Tor nach Tokio fast schon vollständig öffnen.

Alles noch in der eigenen Hand

„Wir haben alles in eigener Hand“, merkte Keeper Johannes Bitter nach der Energieleistung der letzten zehn Minuten an. „In der ersten Hälfte haben wir das ordentlich gemacht. Danach fehlte etwas Lockerheit, aber das kann passieren.“ Den Bruch kaschierte das Team in letzter Instanz so gerade noch.

Wolff nur auf der Tribüne

Schon vor dem Anwurf ließen zwei Personalien aufhorchen. Den Skandinaviern fehlte Weltklasse-Linksaußen Hampus Wanne aus persönlichen Gründen, aus dem Torhüter-Trio des DHB saß Andreas Wolff überraschend auf der Tribüne (wie auch Feldspieler Juri Knorr).

Starker Auftakt der DHB-Auswahl

Die Gastgeber begannen variabel, trafen aus dem Rückraum, mit der ersten und zweiten Welle, über den Kreis. Sechs verschiedene Schützen erzielten die ersten sechs Tore. Ein echter Vorsprung ergab sich dennoch nicht, da die Schweden immer Wege fanden, um das wiedervereinigte Abwehrbollwerk zu knacken. Gerade mit Wanne-Ersatz Lucas Pellas und Kreisläufer Max Darj. Dafür glänzten die Deckungsspezialisten Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler im Abschluss, was ihnen ja auch nicht fremd ist, und Schlussmann Johannes Bitter nahm nach einer Viertelstunde Fahrt auf.

Schweden bleiben dran

Der Vize-Weltmeister, der für seine Tore nun mehr Energie aufwenden musste, ließ sich weiter nicht abschütteln und kam durch Daniel Pettersson kurz vor der Pause nach längerer Zeit wieder zum Ausgleich (13:13). Uwe Gensheimer antwortete aber noch mit der Pausenführung.

Fehlstart in Halbzeit zwei

Durchgang zwei startete für Deutschland denkbar ärgerlich. Fünf Würfe wurden leichtfertig vergeben, Wiencek handelte sich zwei Minuten ein – und plötzlich lag der Gast 16:14 vorn. „Vielleicht waren wir in der Kabine zu negativ gestimmt, obwohl wir führten. Es wurde dann leider zu zerfahren“, sagte Julius Kühn. Erst Timo Kastening brach in doppelter Überzahl den Bann (37). Doch der Angriff hielt nicht annähernd das Level der ersten Hälfte. „Hinten fehlte die Bewegung, der Gegner kam oft auf sechs Metern frei durch. Vorne haben wir zu viele unvorbereitete Würfe ohne Berechtigung genommen. Es fehlte die Flüssigkeit Richtung Tor“, so Bundestrainer Alfred Gislason. Andreas Palicka im schwedischen Kasten durfte sich vielfach auszeichnen, Silvio Heinevetter auf der Gegenseite bekam nicht viel zu greifen.

Schweden zieht davon

Der 3:7-Negativlauf kam aus dem Nichts – und Bitter zurück auf die Platte. Doch die lückenhafte Abwehr ließ dem Routinier kaum Chancen auf Paraden. Beim 23:19 (48.) lag Gelb und Blau mit vier Treffern vorn. Es fehlte an vielem, an gedanklicher Frische und Handlungsschnelligkeit, an Mut. Eine Wiederauflage der Problemfelder aus Ägypten, trotz besserer Besetzung.

Finale furioso

Sechseinhalb Minuten vor dem Ende nahm Gislason noch eine Auszeit, außer von Marcel Schiller waren von der Bank nach der Halbzeit noch keine Impulse gekommen. Einzig Bitter hielt die Deutschen im Rennen. Seine Paraden ermöglichten Johannes Golla, Kastening oder Schiller erst die „kurzen“ Tore, irgendwie waren die Hausherren wieder dicht dran (23:24/56.). Der Rückraum traf zwar weiter nichts, weil Schwedens Innenblock stand. Die Hektik der Schlusssekunden brachte jedoch einen letzten Ballbesitz. Und tatsächlich: Kühn legte clever raus auf Schiller, der von links zum 25:25 ausglich. „Es sah lange nicht danach aus, aber durch die Moral ist das Ergebnis verdient“, sagte der Rechtshänder, der noch Top-Schütze mit fünf Toren wurde. Gegen die Slowenen darf er vermutlich anfangen. „Da kommt viel Gleiches wie gegen Schweden auf uns zu“, so Gislason.

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