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Folgen des Klimawandels

«Alarmierend»: IOC sorgt sich um Zukunft der Winterspiele

Lausanne (dpa)

Der Klimawandel lässt die Zahl der möglichen Gastgeber für Winter-Olympia immer mehr sinken. Das IOC sucht nach Auswegen - und könnte künftig eine kleine Zahl von Ausrichtern rotieren lassen.

Christian Hollmann und Maximilian Wendl, dpa

Ein immer öfteres Bild beim Wintersport: Kunst- statt Naturschnee. Foto: Patrick Seeger/dpa

Die Sorge um den Winter bringt auch die Olympia-Bosse des IOC in Bedrängnis. «Alarmierend» seien die Daten zum Einfluss des Klimawandels auf den Wintersport, sagt IOC-Präsident Thomas Bach.

Seinem Internationalen Olympischen Komitee drohen für das Premiumprodukt Winterspiele die möglichen Gastgeber auszugehen, der Ringe-Zirkel hat daher einen Notfallplan aktiviert. Die Vergabe der übernächsten Winterspiele im Jahr 2030 ist um ein Jahr verschoben, für die Zukunft wird ein Rotationsmodell unter wenigen Austragungsorten diskutiert.

«Wir haben vorläufige Ergebnisse führender Wissenschaftler zu den Auswirkungen des Klimawandels, die eine potenzielle Verringerung der Zahl der klimasicheren Gastgeber in der Zukunft zeigen», sagte Olympia-Direktor Christophe Dubi nach den jüngsten Beratungen der IOC-Spitze. Stundenlang hatten die Mitglieder der Exekutive zuvor über einen nachhaltigen Wintersport debattiert.

Mehr Zeit bei Vergabe nehmen

Der Beschluss: Die Kommission für die Auswahl künftiger Spiele-Gastgeber soll sich mehr Zeit nehmen, um mit Verbänden und Wissenschaftlern die Folgen der Erderwärmung für den Vergabeprozess von Winter-Olympia zu diskutieren. Im Gespräch ist unter anderem, dass Bewerber künftig über einen Zeitraum von zehn Jahren im klassischen Olympia-Monat Februar Temperaturen unter dem Gefrierpunkt nachweisen müssen.

Eine Gruppe von Forschern hatte zuletzt ermittelt, dass die meisten der bisherigen Ausrichter von Winterspielen am Ende des Jahrhunderts keine zuverlässig fairen und sicheren Bedingungen für Olympia mehr bieten könnten. «Selbst eine emissionsarme Zukunft kann nicht mehr verhindern, dass viele ehemalige Austragungsorte künftig wohl nicht mehr für die Winterspiele infrage kommen», sagte Tourismusforscher Robert Steiger von der Universität Innsbruck. 

Bach sieht Wintersport schrumpfen

IOC-Chef Bach sieht das Wintersport-Reich schon in wenigen Jahren stark schrumpfen. Bis 2050 würden «zwischen 50 und 60 Prozent der einstigen Wintersport-Gebiete in Europa, die als schneesicher gegolten haben und für Olympische Spiele geeignet sind, nicht mehr existieren», sagte der 68-Jährige. Diese Regionen würden mit diesem Wissen auch nicht mehr in Schnee- und Eissport investieren, sondern eher auf andere Einnahmequellen wie Wanderer und Mountainbiker setzen. 

Hinzu kommt, dass sich die Winter mit dem Klimawandel verkürzen werden. «Das wirft dann die Frage auf, wie viel Zeit bleibt für einen Weltcup, eine WM, Olympische oder Paralympische Spiele», sagte Bach. Faktoren wie diese könnten auch Auswirkungen auf das Format und das Programm der Winterspiele der Zukunft haben. 

Als ernsthafte Kandidaten für Olympia 2030 waren zuletzt wohl nur noch Sapporo und Salt Lake City übrig geblieben. Vancouver scheint aus dem Rennen, nachdem die Provinz British Columbia einen Milliarden-Zuschuss verweigert hat. 

Sapporo indes kämpft mit den Nachwehen der umstrittenen Corona-Spiele in Tokio und einem Korruptionsskandal um die jüngsten Sommerspiele in Japan. Bürgermeister Katsuhiro Akimoto kündigte daher an, man werde bei den Bemühungen um die Spiele erst einmal eine Pause einlegen und die internen Abläufe prüfen. Salt Lake City will eigentlich erst 2034 Gastgeber sein, da 2028 in Los Angeles schon eine US-Metropole die Sommer-Ausgabe veranstaltet. 

IOC gibt sich gelassen

Noch gibt sich das IOC mit Blick auf 2030 aber gelassen. «Wir können die Spiele später vergeben und trotzdem rechtzeitig alles umsetzen», beteuerte Olympia-Direktor Dubi. Um das Milliardengeschäft mit Winter-Olympia abzusichern, erwägt das IOC erneut eine Doppel-Vergabe wie schon für die Sommerspiele 2024 und 2028. So könnte Sapporo für 2030 zum Zuge kommen und Salt Lake City wie gewünscht für 2034.

Auf diese Weise könne das IOC auch Zeit gewinnen, «um ein fundiertes Rotationssystem zu etablieren», sagte Bach. Winterspiele könnten dann abwechselnd nur noch in wenigen Orten mit existierenden Wettkampfstätten und garantiert frostigem Wetter stattfinden. 

Die Frage ist nur, ob der Klimawandel und die Angst vor einem Milliardengrab langfristig genug Interessenten für das winterliche Mega-Spektakel übrig lassen. Zumindest ein neuer potenzieller Mitspieler ist dem IOC dabei allerdings wohl gar nicht so recht. Saudi-Arabien will bis 2026 ein gigantisches Berg-Resort mitten in der Wüste erschaffen. 2029 sollen dort die asiatischen Winterspiele steigen. Das IOC beteuerte, zu diesem Projekt nie gefragt worden zu sein.

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