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Winterspiele 2022

Chinas Olympia: Goldrausch in Tokio, Corona-Angst in Peking

Peking (dpa)

China räumt bei den Olympischen Spielen in Tokio kräftig Medaillen ab. Die Wettkämpfe sind noch nicht vorbei, da richtet sich der Blick schon auf die Winterspiele in Peking. Wie wird China mit Covid-19 umgehen?

Von Andreas Landwehr und Jörn Petring, dpa

Die chinesischen Fans haben viel zu feiern in Tokio. Foto: Swen Pförtner/dpa

Chinas olympischer Goldrausch in Tokio ist für das Riesenreich die perfekte Vorlage für Pekings Winter-Spektakel. Schon weit vor der Schlussfeier in Japan haben die Athleten der Volksrepublik deutlich mehr Olympiasiege gesammelt als noch in Rio vor fünf Jahren.

Die bevölkerungsreichste Nation führt den Medaillenspiegel in Tokio an und könnte zum zweiten Mal seit den Heimspielen 2008 das erfolgreichste Team stellen. Zwar dürfte auch die politische Führung Gefallen am chinesischen Siegeszug in Tokio finden. Doch noch wichtiger als das Abschneiden jetzt ist für die Macher in Peking der Blick auf das nächste olympische Großereignis: Weil die Sommerspiele wegen Corona ein Jahr später stattfinden als geplant, bleiben bis zu den Winterspielen in Chinas Hauptstadt nur noch sechs Monate.

China hat mehrfach deutlich gemacht, dass die Spiele auf jeden Fall über die Bühne gehen werden. Tatsächlich sind so gut wie alle Wettkampfstätten längst fertig. Wenig Antworten gibt es aber auf die Frage, wie bei den Winterspielen mit Covid-19 umgegangen werden soll.

Testläufe geplant

«Die Pandemie wird bis dahin nicht in der ganzen Welt vorbei sein», sagt IOC-Präsident Thomas Bach bei Eurosport. «Also müssen wir realistisch sein und die richtigen Maßnahmen gegen die Pandemie finden. Das fängt schon bei den Testveranstaltungen an, wenn die Sportler von Herbst an die Bahnen und Pisten testen.» Von Oktober bis Dezember soll es in Peking zehn Testläufe mit internationaler Beteiligung für die Winterspiele geben. 

«Wir schenken dem Organisationsablauf der Sommerspiele und den Maßnahmen in Tokio gegen die Pandemie große Aufmerksamkeit», wiederholen in Peking die Verantwortlichen als Standardantwort auf Fragen, welche Maßnahmen sie ergreifen werden. «Im nächsten Schritt werden wir aus den Erfahrungen in Tokio lernen und das mit eigenen, zusätzlichen Gegenmaßnahmen kombinieren», macht der Planungs- und Bau-Chef Liu Yumin vom Organisationskomitee deutlich, dass Peking auf jeden Fall weiter gehen wird als das, was in Tokio getan wurde.

Mit strengen Maßnahmen wie Quarantäne, Massentests, Ausgangssperren und strikten Einreisebeschränkungen verfolgt China seit vergangenem Sommer ziemlich erfolgreich eine «Null-Covid-Strategie». Der jüngste Ausbruch der gefährlichen Delta-Variante, die sich seit Ende Juli über nur drei Infektionen durch ein russisches Flugzeug in Nanjing rasant in China verbreitet hat, lässt die Verantwortlichen jetzt jedoch noch viel vorsichtiger werden.

Blasen, Passagen und Trennwände

Jeder Einreisende muss heute schon mindestens zwei Wochen in eine Quarantäne-Einrichtung, was ausländischen Zuschauern für Olympia kaum zugemutet werden kann. Und wie ist es mit den Athleten, die ja trainieren müssen? Oder mit Betreuern und Medienvertretern? Es ist von «eine Wettkampfstätte, eine Politik» die Rede. Das deutet auf «Blasen» hin, in denen sich die Sportler isoliert bewegen. Dafür sprechen auch temporäre Einrichtungen wie «gesonderte Passagen», «Trennwände» und «Isolationspunkte», die geplant sind. Mehr ist sechs Monate vor den Spielen aber nicht bekannt. 

Nicht nur die Pandemie sorgt vor den Spielen in Peking für Unsicherheit. Auch politisch sind die Spiele ein Minenfeld. So nehmen weltweit Aufrufe zu, Olympia wegen der Menschenrechtslage in der Volksrepublik zu boykottieren. Sowohl die Lage in Hongkong, wo die Regierung hart gegen die pro-demokratische Bewegung vorgeht, als auch die Verfolgung der muslimischen Minderheit der Uiguren in der Region Xinjiang, stehen in der Kritik.

Zuletzt riefen sowohl Nancy Pelosi, die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, das britische Unterhaus als auch das EU-Parlament zu politischen Boykotten auf. Auch tobt eine Debatte, ob westliche Konzerne als Sponsoren der Spiele in China auftreten sollten. 

Hörmann gegen Boykott

Vor einem Sportler-Boykott hatten Vertreter von Spitzenverbänden jüngst immer wieder gewarnt. «Irgendwelche Boykott-Aktivitäten, das hat die Vergangenheit gezeigt, bringen an dieser Stelle wenig bis nichts», sagte Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Maximilian Klein vom Verein Athleten Deutschland kritisierte, dass der Konflikt und die Verantwortung auf den Schultern der Sportler abgeladen würden. Das sorge «für ein unmögliches Dilemma, für das sie nichts, überhaupt nichts können.»

Peking scheint ohnehin nicht bereit, sich auf Zugeständnisse einzulassen. China lehne eine «Politisierung des Sports» ab, teilte ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums kürzlich mit: «Ein Boykott wird keinen Erfolg haben». 

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