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Olympia-Halbzeit

DOSB erwartet Abrutschen im Medaillenspiegel

Tokio (dpa)

Der Deutsche Olympische Sportbund rechnet mit einem deutlichen Abrutschen im Medaillenspiegel bei den Olympischen Spielen. Platz fünf war es in Rio 2016, zwischen Rang acht und zwölf wird für Tokio am Ende erwartet.

Von Andreas Schirmer, dpa

Erwartet ein Abrutschen im Medaillenspiegel: Dirk Schimmelpfennig. Foto: Michael Kappeler/dpa

Gold glänzt nicht nur. Gold bestimmt maßgeblich den Platz im olympischen Medaillenspiegel.

Da sich die Olympiasiege in der ersten Hälfte der Sommerspiele trotz des überstrahlenden Triumphes von Tennisspieler Alexander Zverev in engen Grenzen gehalten haben, rechnet der Deutsche Olympische Sportbund mit einem Abrutschen auf einen Rang zwischen acht und zwölf.

«Es deutet sich an, dass die ersten sechs Plätze nicht mehr zu erreichen sein werden», sagte Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig zur Zwischenbilanz. Der absehbare Abstieg sei auf die Zahl der Goldmedaillen, aber auch darauf zurückzuführen, «dass sich andere Nationen deutlich nach oben entwickelt haben».

Medaillen nicht der Maßstab

Vor fünf Jahren in Rio endete für Deutschland die Olympia-Mission mit 42 Medaillen (17 Gold, 10 Silber, 15 Bronze) und Platz fünf, 2012 in London konnten 44 Medaillen - aber nur elf goldene - geholt und unterm Strich Rang sieben belegt werden. Nach rund der Hälfte der Wettbewerbe in Tokio hatte Deutschland nach dem Finalsieg von Zverev gegen den Russen Karen Chatschanow am Sonntag 19 Medaillen (4/4/11) auf dem Konto, aber lediglich vier goldene. Für Schimmelpfennig sind Medaillen aber nicht nur der Maßstab für Erfolg: «Aus unserer Sicht ist das nicht das Alleinige. Wenn Athleten ihre Bestleistung bieten und nicht die Medaillen erreichen, kann das keine Enttäuschung sein.»

Mehr als erwartet haben die Slalomkanuten geliefert. Sie gewannen vier Medaillen in vier Wettkämpfen. «Überragend», urteilte der DOSB-Sportchef. Perfekt waren die Auftritte der Dressurreiterinnen: Die deutsche Equipe ritt zu Gold und Jessica von Bredow-Werndl sowie Isabell Werth räumten im Einzel Gold und Silber ab. Drei Medaillen steuerten die Judokas zur Halbzeitbilanz bei, das war am «oberen Rand der Erwartungen», befand Schimmelpfennig.

Eher unbefriedigend bis schlecht lief es für Athleten anderer Sportarten wie Rudern, die mit dem Deutschland-Achter und Einer-Weltmeister Oliver Zeidler Gold anvisiert hatten, aber nur jeweils Silber holten. Der scheidende Bundestrainer Ralf Holtmeyer forderte eine radikale Kursänderung. «Dass wir nur sieben Boote qualifiziert hatten, ist zu wenig. Es hätten neun oder zehn sein müssen», sagte er. «Man will Vereinsboote zu Olympia schicken. Aber wer macht das denn noch? Neuseeland und Großbritannien zentralisieren und bei uns soll es noch so laufen wie vor 60 Jahren.»

Beckenschwimmer unter Erwartungen

Auch die Beckenschwimmer blieben zwar nicht wie in London und Rio ohne jeglichen Erfolg, aber unter den Erwartungen. Der Doppel-Weltmeister Florian Wellbrock und seine Freundin Sarah Köhler holten jeweils über 1500 Meter Freistil Bronze. «Es gibt positive Ansätze und eine positive Entwicklung zu Rio», sagte Bundestrainer Bernd Berkhahn, «aber wir wissen um die Defizite».

Wie in Rio holten die einst so erfolgreichen Fechter auch in Japan keine Medaillen - weder das favorisierte Säbelteam noch deren Kopf im Einzel, Maximilian Hartung, als Krönung zum Karriereende. Keine Finalplätze erreichten Badminton, Boxen, Taekwondo, Surfen oder das Olympia-Team der Fußballer.

Fast alles ist bisher bei den Radfahrern schief gelaufen: Der Corona-Fall Simon Geschke, der Rassismus-Skandal um Patrick Moster - dazu keine Medaille. Retten müssen nun die Bahnfahrer, was noch zu retten ist. In Olympia-Hälfte zwei richtet sich der Blick besonders auf die Leichtathleten, die Rennkanuten sowie die Spring- und Vielseitigkeitsreiter. Bei den Schützen ist nach magerem Abschneiden die Zielsicherheit von Schnellfeuer-Olympiasieger Christian Reitz gefragt.

Für den DOSB war es vor den Tokio-Spielen schon abzusehen, unter anderem auch wegen der Beschwernisse der Pandemie, dass der Spitzenplatz in der Welt des Sports in weitere Ferne rücken würde. «Wir hatten erwartet, Platz fünf nicht halten zu können», sagte Schimmelpfennig. Deshalb soll nun die 2016 aufgesetzte potenzialorientierte Leistungssportreform helfen, dem Abwärtstrend entgegenzusteuern und 2024 in Paris schon aufzuhalten. «Wir wollen das in Deutschland immer noch verbinden mit einer Vielfalt. Wir wollen den Sport in Deutschland abbilden», sagte er.

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