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Tennis: Terra-Wortmann-Open in Halle

Otte hievt sich per Kraftakt ins Halbfinale, jetzt wartet Medwedew

Halle

„Vor ein paar Jahren“, so sagt Oscar Otte, „habe ich mir die Matches aus Halle noch im Fernsehen angeschaut.“ Nun aber ist der Kölner einer der Protagonisten bei dem Rasen-Turnier in Ostwestfalen, avanciert zum Publikumsliebling. Auf der letzten Rille erreichte Otte das Halbfinale, in dem mit dem Weltranglistenersten eine ganz schwere Aufgabe wartet.

Von Henner Henning

Oscar Otte steht überraschend im Halbfinale des Rasenturniers von Halle und trifft dort auf den Weltranglistenersten Daniil Medwedew. Foto: Imago/tennisphoto.de

Halbfinale in Stuttgart, jetzt Halbfinale in Halle – die erfolgreiche Rasen-Reise von Oscar Otte geht auch in Ostwestfalen weiter. Nachdem der Kölner an Fronleichnam Nikoloz Basiashvili (Georgien) mit 4:6, 6:0, 7:6 (7:3) niedergerungen hatte, bezwang er am Freitag auch den Russen Karen Khachanov mit 4:6, 7:6 (7:5), 6:4. Keine Frage, die Terra-Wortmann-Open haben einen neuen Publikumsliebling.

Es war ein wahrer Kraftakt, den der 28-Jährige auf dem Center Court leisten musste. Nicht nur die Schmerzen in der Brustmuskulatur, die er im dritten Satz beim Stand vom 1:2 behandeln ließ, machten Otte zu schaffen. „Ich habe mich total schlecht erholt vom Donnerstagsspiel, habe nicht gut geschlafen. Auf dem Platz habe ich mich schlapp und nicht wohl gefühlt. Aber dafür habe ich es ja ganz gut gemacht.“

Auch schon im ersten Satz, den Khachanov mit seinem starken Aufschlag dominierte. Nur vier Zähler gestattete der 23-Jährige bei eigenem Service dem Kölner, machte beim ersten Aufschlag 18 von 19 Punkten. Und als Otte einmal wackelte und beim 4:4 zwei Spielbälle nicht nutzte, packte Khachanov mit einem Rückhand-Return zu.

Otte entnervt Khachanov bei Breakbällen

Doch Otte machte unverdrossen weiter – und hielt sich durch die Abwehr von Breakbällen in seinem ersten und zweiten Aufschlagspiel in der Partie. Wichtige Momente. „Ich habe viele Big Points für mich entschieden, ziehe mich in solchen Situationen nicht zurück“, meinte Otte, der auch im Tiebreak mutig blieb und diesen mit einem Ass beendete.

Es spitzte sich auf dem 27 Grad warmen Center Court zu. Direkt nach der Behandlungspause lag die deutsche Nummer zwei 0:40 zurück, vereitelte aber alle drei Chancen des Russen – um dann direkt mit seinem ersten und einzigen Breakball überhaupt auf 3:2 zu stellen. Khachanov warf den Schläger, war zunehmend genervt – erst Recht, als der Deutsche Meister von 2015 eine weitere brenzlige Szene mit einem Ass und einem Servicewinner zum 4:2 entschärfte.

Medwedew lobt Halbfinal-Gegner Otte

Es war nicht der letzte Gefahrenmoment, auf dem Weg zum Matchgewinn wackelte Otte noch einmal bedenklich. Zwei Vorhand- sowie ein Doppelfehler, schon lag das 5:5 in der Luft. „Im letzten Spiel war ich nervös“, gestand Otte, dessen Klettertour in der Weltrangliste unvermindert weitergeht. Vor Jahresfrist wurde er noch auf Rang 154 geführt, mittlerweile steht er auf Platz 51. Tendenz steigend. „Dafür habe ich viel getan. Vor ein paar Jahren bin aus den Top 200 geflogen, aber ich bin immer drangeblieben.“

Und so mischt Otte nun also mit im Konzert der Großen, trifft nun auf den derzeit laut Ranking besten Spieler, auf Daniil Medwedew. Der Russe löste die Aufgabe gegen Roberto Bautista Agut, ein Spaziergang aber war das 6:2, 6:4 angesichts von neun abgewehrten Breakbällen aber nicht. „Gegen Roberto ist es nie leicht. Ich bin froh, dass ich so durchgekommen bin“, sagte Medwedew. Seinen kommenden Gegner Otte kenne er „ein wenig“, in den Tagen von Halle trainierten beide zusammen. „Oscar schlägt gut auf und hat in diesem Jahr auf Rasen nur gegen Matteo Berrettini verloren, zweimal im Tiebreak. Und Matteo ist on fire.“

Ebenfalls im Halbfinale steht Nick Kyrgios, der mit Pablo Carreno-Busta einen weiteren Spanier aus dem Turnier nahm. Beim 6:4, 6:2 kam der Australier nicht in Bedrängnis und hatte zum Ende wieder Zeit für seine Show hatte – und diese geht am Samstag weiter.

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