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Nach Bierhoff-Aus

Auch auf diese Namen schaut nun der deutsche Fußball

Al-Rajjan (dpa)

Der deutsche Fußball ringt mit der Krise nach dem WM-Aus. Im DFB und in der DFL wird über die Zukunft beraten. Es geht auch um Personalien - eine ist schon entschieden.

Von dpa

DFB-Präsident Bernd Neuendorf ist nun gefordert. Foto: Tom Weller/dpa

In Doha scheint die Sonne. Es bedarf nicht viel Vorstellungskraft, dass sich die Führungsspitzen des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball Liga in diesen Tagen lieber mit der WM in Katar beschäftigen würden als mit den schwierigen Personaldiskussionen daheim im kalten Deutschland.

Doch die Krise nach dem WM-Aus und jene innerhalb der DFL erfordern schnelles Handeln der Menschen mit großen Namen im deutschen Fußball. Beim DFB gibt es bereits die erste Personalentscheidung. Und auch bei der DFL wird schon über Nachfolger diskutiert. Eine Übersicht.

Der Direktor

Oliver Bierhoff (54) hat als erster Konsequenzen gezogen. Er verlässt nach 18 Jahren den Deutschen Fußball-Bund, beide Parteien verständigten sich am Montag auf eine Auflösung des bis 2024 laufenden Vertrages. «Ich mache damit den Weg frei für neue Weichenstellungen», sagte Bierhoff in einer Erklärung. Der Top-Funktionär revidierte damit seine unmittelbar nach dem WM-Aus am Donnerstag geäußerte Haltung, dass er die Heim-EM 2024 als nächstes großes Ziel ansteuern wolle. In der öffentlichen Wahrnehmung scheint Bierhoffs Name deutlich mehr mit dem Scheitern verbunden zu sein als der von Trainer Hansi Flick. 

Der Bundestrainer

Hansi Flick (57) wird in dieser Woche wohl zu DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke beordert. «Sehr, sehr schnell» werde er das WM-Scheitern aufarbeiten, hatte Flick angekündigt, er sei «immer einer, der sehr kritisch ist». Die Forderungen nach einer Ablösung des früheren Bayern-Titelsammlers halten sich in Grenzen. Die Heim-EM in eineinhalb Jahren vor Augen scheint Flick der Neustart trotz des Katar-Rucksacks zugetraut zu werden. Und wenn nicht, ginge er mit trauriger Bilanz in die DFB-Historie ein: Mit 19 Länderspielen hat er bislang die wenigsten Partien aller Bundestrainer erlebt. Erich Ribbeck musste nach 24 zurücktreten, Jürgen Klinsmann stand bei seinem selbst gewählten Rückzug bei 34. Rekordhalter ist Flicks Vorgänger Joachim Löw mit 198.

Der Präsident 

Bernd Neuendorf (61) ist erst seit März im Amt. Verbunden mit der Wahl des früheren NRW-Staatssekretärs war die Hoffnung auf wieder ruhigere Zeiten an der Verbandsspitze nach Jahren der internen Querelen. Das hat Neuendorf zwar geschafft. Die WM in Katar wurde aber zur ersten großen Bewährungsprobe. Die «One Love»-Debatte, die der Mannschaft dem Vernehmen nach mehr zugesetzt hat als zugegeben, das klägliche Aus in der Vorrunde - Neuendorf muss jetzt zeigen, dass er wirklich Moderator und Erneuerer sein kann. Mit unbequemen Entscheidungen?

Der Aufsichtsratschef 

Hans-Joachim Watzke (63) wurde in den vergangenen Tagen immer wichtiger. Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Borussia Dortmund ist ohnehin seit einem Jahr DFL-Aufsichtsratschef und satzungsmäßig 1. Vizepräsident des DFB. Und seit dem Abschied von Karl-Heinz Rummenigge als Bayern-Chef hat der Langzeit-Borusse die wohl gewichtigste Stimme der Bundesliga. Am Freitag kündigte Neuendorf an, Watzke bei der Analyse des WM-Scheiterns stark einzubinden. Am Sonntag schrieb der «Kicker», DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen stünde vor dem Aus, weil der Aufsichtsrat um Watzke ihr nicht mehr vertraue. Aus der deutschen Fußball-Krise gestärkt hervorzugehen, ist für alle Beteiligten schwierig. Watze ist immerhin schon präsenter geworden.

Die Geschäftsführerin

Donata Hopfen (46) hatte zu Jahresbeginn die eher undankbare Aufgabe angetreten, Christian Seifert an der DFL-Spitze zu folgen. Unter Seifert war die Bundesligen-Vereinigung jahrelang enorm erfolgreich in der Medienvermarktung, durch die Corona-Krise lotste Seifert beeindruckend souverän. Hopfen übernahm in schwierigen Zeiten - und offensichtlich in der Branche kritisch beäugt.

Laut «Kicker» soll Hopfen mit ihrem Umgang mit der 50+1-Regel, der Digitalisierung und der Auslandsrechtevermarktung ihre Kritiker nicht überzeugt haben. Auffällig war von Beginn an, dass sich das Kräfteverhältnis verschob: Watzke rückte als Aufsichtsratschef viel mehr in den Blickpunkt, das wäre bei Seifert und Watzkes Vorgänger Peter Peters undenkbar gewesen. Der Aufsichtsrat der Liga berät nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bereits über eine Interimslösung nach der Ablösung von Hopfen. Im Gespräch ist dabei eine Doppel-Spitze mit Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt und Oliver Leki vom SC Freiburg.

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