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Davis Cup

Tennis-Weiterkommen mit Wermutstropfen - Zverev sauer

Rio de Janeiro (dpa)

Eigentlich hatte Alexander Zverev allen Grund zur Freude. Mit zwei Siegen führte er das deutsche Davis-Cup-Team in die Gruppenphase. Dennoch war der Olympiasieger sauer.

Von Lars Reinefeld und Martina Farmbauer, dpa

Alexander Zverev gewann auch sein zweites Einzel in Rio. Foto: Andre Borges/dpa

Für das obligatorische Siegerfoto kam Alexander Zverev dann doch noch einmal zurück auf den Centre Court und lächelte sogar in die Kameras.

Zuvor hatte der Tennis-Olympiasieger trotz seines Erfolges im Spitzeneinzel gegen den Brasilianer Thiago Monteiro so schnell es ging die Arena im Olympia Park von Rio de Janeiro verlassen und den Einzug in die Gruppenphase des Davis Cups nicht einmal mit Teamchef Michael Kohlmann oder seinen Mannschaftskollegen gefeiert. Ein wieder einmal rätselhafter Auftritt der deutschen Nummer eins, für den diese aber eine Erklärung hatte.

«Wir wurden hier die ganze Zeit ausgebuht, irgendwann war es genug», begründete Zverev seinen ausgebliebenen Jubel auf dem Platz, nachdem er Monteiro mit 6:1, 7:5 bezwungen und damit den entscheidenden dritten Punkt geholt hatte. Besonders sauer machte ihn, dass er sich von einem Teil des Publikums immer wieder beleidigt fühlte. «Die Zuschauer haben eine Grenze überschritten», sagte Zverev. «Du kannst mich hassen, mich nicht mögen. Aber wenn es gegen deine Familie geht oder gegen einen, den du liebst, dann wird eine Linie überschritten», sagte Zverev. «Und die wurde heute quasi in jedem einzelnen Spiel hier überschritten.»

Erinnerungen an Acapulco

Eineinhalb Wochen nach seinem Ausraster beim ATP-Turnier in Acapulco holten ihn auch die Geschehnisse von Mexiko wieder ein. «Hier ist Acapulco», riefen einige Fans in Anspielung an seine Disqualifikation in der vergangenen Woche ab Mitte des zweiten Satzes. In Acapulco hatte Zverev nach einem verlorenen Doppel mehrmals mit dem Tennisschläger gegen den Schiedsrichterstuhl geschlagen und den Referee dabei fast am Fuß getroffen. Zverev wurde daraufhin vom Turnier ausgeschlossen und mit einer Geldstrafe belegt. Zudem ermittelt die Herrenorganisation ATP noch gegen ihn. Ausgang offen.

Zverev hatte sich nach den Geschehnissen von Acapulco erst sehr kurzfristig entschieden, sein Comeback im Davis Cup zu geben. Wohl auch, um sein ramponiertes Image wieder etwas aufzupolieren. Und sportlich gelang dem Weltranglisten-Dritten das auf der ganzen Linie. Nach seinem klaren Zweisatzsieg gegen Thiago Seyboth Wild am Freitag bezwang er auch Monteiro, nachdem zuvor das Doppel Kevin Krawietz und Tim Pütz Deutschland mit 2:1 in Führung gebracht hatte. «Alexander hat sich stark präsentiert hier und in beiden Einzeln gezeigt, wie wichtig er für unser Team ist», lobte Teamchef Kohlmann.

Gruppenphase in Deutschland?

«Ich bin mit beiden meiner Matches hier sehr zufrieden und dass ich zwei Punkte für das Team holen konnte», zog auch Zverev eine positive sportliche Bilanz seines spontanen Trips an den Zuckerhut. Für ihn und für seine Teamkollegen geht es nun direkt weiter nach Indian Wells, wo in den kommenden zwei Wochen das hochkarätig besetzte Masters-1000-Event stattfindet. Auch dort dürfte Zverev wieder mit den Vorfällen von Acapulco konfrontiert werden, ist es doch sein erster Auftritt auf der ATP-Tour seit dem Turnierausschluss.

Für das deutsche Davis-Cup-Team geht es erst im Spätsommer weiter. Die Gruppenphase ist vom 14. bis 18. September an vier noch zu bestimmenden Orten terminiert. Auch der Deutschen Tennis Bund hat Interesse an einer Ausrichtung und sich nach Angaben des «Hamburger Abendblatts» mit dem Hamburger Rothenbaum als Austragungsort beworben. Eine Entscheidung soll bis Ende März fallen.

«Wenn es in Deutschland wäre, dann wäre das natürlich eine Riesensache und für alle bei uns im Team ein Riesen-Highlight», sagte Kohlmann. Die ersten beiden der vier Vierer-Gruppen qualifizieren sich für die Endrunde, die für den 23. bis 27. November terminiert ist. Auch hierfür steht der Austragungsort noch nicht fest.

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