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Rennen in Silverstone

Wie auf einem Supermarktparkplatz: Die Formel 1 sprintet

Silverstone (dpa)

Der Rennsonntag ist zu wenig. Das finden die Formel-1-Bosse und wollen Pioniergeist zeigen. Deshalb gibt es in Silverstone ein neues Mini-Event: den Sprint. Was soll das Experiment bringen?

Von Martin Moravec, dpa

Mit dem erstmaligen Experiment des Sprints beim Grand-Prix-Wochenende in Silverstone hofft die Formel 1 auf mehr Vollgas-Action. Foto: Bryn Lennon/Pool Getty/AP/dpa

Sebastian Vettel & Co. sollen in Silverstone ihren Spieltrieb ausleben. Mit dem erstmaligen Experiment des Sprints beim Grand-Prix-Wochenende von Großbritannien hofft die Formel 1 auf mehr Vollgas-Action.

«Rennfahrer konkurrieren auf einem Supermarktparkplatz mit Einkaufswägen gegeneinander. Es liegt in ihrer Natur, dass sie sich gegenseitig schlagen wollen, und es gibt nichts Schlimmeres für sie, als von jemandem geschlagen zu werden», meinte Formel-1-Sportchef Ross Brawn über die PS-Seele der Piloten und redete gegen die Skepsis am Format an.

Drei Höhepunkte für drei Tage

Die Formel 1 probiert mal was aus - und erhofft sich viel davon, am Besten drei Höhepunkte für die drei Grand-Prix-Tage. Die übliche Qualifikation mit den drei K.o.-Runden wandert in Silverstone auf den Freitag (19.00 Uhr/MESZ/Sky). Das Ergebnis dieser einstündigen Einheit ist die Grundlage für die Sprint-Aufstellung tags darauf.

Das neue Mini-Event am Samstag (17.30 Uhr) ist ein Rennen über 100 Kilometer Distanz, was auf dem Traditionskurs in England 17 Runden entspricht. 25 bis 30 Minuten Spektakel samt freier Reifenwahl und ohne strategische Hilfe vom Kommandostand erhoffen sich die Formel-1-Versuchsleiter.

«Selbst wenn man argumentieren könnte, dass der Sprint nur der Vorläufer zum Hauptereignis, dem Rennen, ist, denke ich, dass die Fahrer verbissen darum kämpfen werden, den anderen zu schlagen und zu zeigen, wer der Schnellste und Stärkste ist», erläuterte Brawn im Vorfeld englischen Medien. Zurückhaltung auf dem Asphalt erwartet das frühere Ferrari-Superhirn nicht.

«Müssen die Fans einbinden»

Der Sprint-Sieger bekommt drei Punkte, der Zweite zwei, der Dritte noch einen Zähler. Das Ergebnis dieser Ouvertüre ermittelt zugleich die Startaufstellung für den Grand Prix am Sonntag (16.00 Uhr). «Wir müssen die Fans einbinden und sicherstellen, dass wir ein Rennen haben, das sie wirklich begeistert», appellierte Brawn.

Der Formel-1-Stratege will den Sprint in diesem Jahr noch zweimal auf seine Marktreife testen. Dann soll darüber entschieden werden, ob er dauerhaft übernommen wird. An jedem Formel-1-Wochenende soll es aber keine Sprints geben. Es geht schließlich um Exklusivität, für die die Veranstalter zahlen sollen. Schmuckstücke der Formel-1-Wochenenden bleiben die Rennen am Sonntag.

Mick Schumacher kennt das Format

Neuling Mick Schumacher kennt die Sprintrennen noch bestens aus seiner Formel-2-Zeit, wo sie zum Standardprogramm gehören. «Das wird bestimmt interessant», meinte der Haas-Fahrer. «Das ist ein neues Format, vielleicht ist es für uns sogar einfacher, weil wir uns ohnehin an so viel Neues gewöhnen müssen.»

Vettel wies auf die Verdichtung des Arbeitspensums hin. Da schon nach dem Auftakttraining am Freitag die Qualifikation folgt, bleibt wenig Zeit für eine optimale Abstimmung. Im Abschlusstraining am Samstag müssen die Piloten dann schon Daten für die Langstrecke sammeln. Fehler sind verboten!

Vettel: «Wochenende wird intensiver»

«Das ganze Wochenende wird intensiver», meinte Aston-Martin-Mann Vettel. «Man hat weniger Zeit, um sich vorzubereiten. Man muss sehr schnell sein endgültiges Setup finden, nachdem man das erste Mal auf der Strecke war. Aber es wird für alle gleich sein.»

Rekordweltmeister Lewis Hamilton begrüßt zumindest den Pioniergeist in der Formel 1. «Ich habe immer gesagt, dass wir im Laufe des Jahres auf einigen Strecken mal ein anderes Format brauchen», bemerkte der Mercedes-Fahrer. «Von diesen experimentellen Wochenenden wird der Sport hoffentlich eine Menge lernen, wie wir in Zukunft bessere Rennen veranstalten können.»

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