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Winterspiele in Peking

Eiseskälte in China beeinflusst auch Olympia-Start

Peking (dpa)

Je kälter, desto besser? Das gilt nur für manche Sportarten bei den Winterspielen von Peking. Ab einer bestimmten Temperatur wird es «relativ sehr gefährlich für die Gesundheit».

Von Patrick Reichardt, Thomas Wolfer und Christoph Lother, dpa

Beim Training schon dick eingepackt: Franziska Preuss. Foto: Frank Augstein/AP/dpa

Deutlich zweistellige Minusgrade, heftiger Wind und befürchtete Verschiebungen im Zeitplan: Die deutschen Athleten werden schon vor dem Auftakt der Olympischen Winterspiele von Peking mit extremer Kälte und den möglichen Konsequenzen konfrontiert.

Vor allem in den beiden höher gelegenen Bergregionen Yanqing (mit Alpin, Bob und Rodeln) und Zhangjiakou (mit Biathlon, Skispringen und der Kombination) stehen äußerst frostige Wochen bevor - und das, obwohl tagsüber bei wolkenlosem blauem Himmel dauerhaft die Sonne scheint.

Ab minus 20 Grad drohen Absagen

Es ist ein Déjà-vu der Pyeongchang-Spiele von 2018, die ebenfalls im Eisschrank begannen, bevor es erst später etwas milder wurde. Vor allem in den Langlaufloipen von Zhangjiakou könnte die Kälte diesmal zu einer echten Bedrohung für die Wettkämpfe werden. Ab minus 20 Grad drohen qua Regelwerk Absagen, schon bei minus 15 Grad und heftigem Wind sind Konsequenzen möglich.

«Bei minus 18 oder 20 Grad mit Wind wird es schon relativ sehr gefährlich für die Gesundheit. Aber wir haben eine Wettkampfjury, die wird das dann schon richtig entscheiden», sagte Kristian Mehringer, Biathlon-Bundestrainer der Frauen. Die Biathleten haben die meisten Rennen um 17.00 Uhr Ortszeit, dann wird die Sonne schnell verschwunden sein. «Da müssen wir uns schon sauber präparieren», sagte Mehringer.

Wie deutliche Minusgrade auf die Rennen einwirken können, zeigte sich bereits im November. Dort verzichteten Norwegens Langläufer darauf, bei minus 18,5 Grad im finnischen Ruka an den Start zu gehen - «aus gesundheitlichen Gründen». Langlauf-Teamchef Peter Schlickenrieder verwies auf Heizstrümpfe, besonders dicke Handschuhe und etwas dickere Langlauf-Anzüge. Sein Team sei sehr gut gerüstet. «Wir haben uns akribisch darauf vorbereitet», sagte Schlickenrieder. Dies habe man bei dem Rennen, bei dem Norwegen verzichtete, bereits erfolgreich bewiesen.

«Wir sind alle Wintersportler»

Nicht für alle Sportarten sind extreme Minusgrade Gift, im Gegenteil. Die Rodler um Olympiasieger Felix Loch sind mit den derzeitigen Verhältnissen zufrieden. «Wenn es warm ist und du Mischbedingungen hast, ist es immer schwierig. Gleichbleibendes, kaltes Wetter ist mir so langsam eigentlich am liebsten. Da weißt du, was du machen musst», sagte Loch. Sein Vater Norbert merkte an: «Wir sind froh, dass wir solche Temperaturen haben. Dadurch haben wir sehr gute Eisbedingungen.»

Wundersame Tricks gegen die Kälte gibt es nicht, den erprobten Sportlern helfen höchstens der Gewöhnungseffekt sowie jede Menge Lagen hochqualitativer Kleidung. Dies ist oft schwierig, da Skispringer, Rodler und weitere Wintersportler dünne Wettkampfanzüge tragen. Langläufer Jonas Dobler fasste es so zusammen: «Kälte ist insofern ein Thema, dass es wirklich sehr kalt und windig sein kann. Man zieht von allem die dicksten Sachen an, eine größere Wissenschaft steckt da auch nicht dahinter.»

Die Bergregionen in Yanqing und Zhangjiakou gelten im Winter als sehr kalt, aber in den allermeisten Fällen als trocken. An Loipen, Pisten und Schanzen wurde mit ganz viel Kunstschnee nachgeholfen. Besonders kalt und empfindlich wird es an den modernen Wettkampfstätten, wenn die Sonne am späteren Nachmittag verschwindet. Für Bobfahrerin Mariama Jamanka sind die äußeren Bedingungen kein Grund zum Jammern. «Wir sind alle Wintersportler, wir sind Outdoor-Sportler. Ich bin Kälte gewohnt. Mein kältester Wettkampf war bei minus 26 Grad in Calgary.»

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