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Fußball: Regionalliga West

„Wie ein roter Faden“ – Fehlender Killerinstinkt kostet Preußen in Köln Sieg

Köln

Diese beiden verschenkten Punkte tun weh. Wieder ließ Preußen Münster dickste Gelegenheiten liegen, diesmal rächte es sich aber. Der 1. FC Köln II kam spät zum 1:1. „Wie ein roter Faden“, meinte Trainer Sascha Hildmann. Die Tabellenspitze schnappte sich stattdessen der Wuppertaler SV.

Von Thomas Rellmann

Was für eine Großchance: Henok Teklab knallt den Ball unter die Latte statt ins Tor. Foto: Jürgen Peperhowe

Natürlich lassen sich solche Einschätzungen nicht statistisch belegen. Aber wer wollte es den Preußen verdenken, wenn sie nach dem 1:1 (1:0) beim 1. FC Köln II davon sprachen, dass „wirklich alles zusammen gekommen“ sei oder „es immer bestraft wird, wenn man vorne nicht trifft“. Die Aussagen passten schon ganz gut nach diesem denkwürdigen und frustrierenden Remis in letzter Sekunde. Konsterniert starrten die Münsteraner zu Boden oder in die Luft, nachdem Noel Futkeu in der 90. Minute der Ausgleich gelungen war. Statt den wenigstens temporären ersten Platz und den siebten Sieg in Serie zu feiern, war große Fassungslosigkeit zu erkennen.

Preußen-Trainer Hildmann: „klar überlegen“

Coach Sascha Hildmann gab sich Mühe, seine Schützlinge nicht in den Senkel zu stellen. Sie hatten wieder eine gute Vorstellung gezeigt, aber jeden Killerinstinkt vermissen lassen. „Das macht keiner mit Absicht“, sagte der Pfälzer. „Wir waren klar überlegen, das 2:0 wäre der Dolchstoß gewesen. Das haben wir versäumt, das tut weh. Aber eine knappe Führung ist eben immer risikobehaftet, da kann immer einer durchrutschen.“ Sechs dickste Chancen erarbeitete sich der SCP, nur eine ging rein. Die Direktabnahme von Manuel Farrona Pulido zum 1:0 (13.) war sehenswert, zuvor hatte Julian Schauerte geflankt und Yusuf Örnek genau vor die Füße des 28-Jährigen geklärt.

1000 Zuschauer gegen Erkenschwick

Der Torschütze ließ aber nach zwei Vorlagen von Gerrit Wegkamp auch zwei Hundertprozentige aus (3., 15.), bei der zweiten Szene klärte Ricardo Henning auf der Linie. Nach einem Ausrutscher von Örnek bediente er wiederum Wegkamp, der viel zu lasch und überhastet abschloss (5.). Zudem köpfte Henok Teklab eine scharfe Flanke von Marvin Thiel an die Latte (9.). 5:0 nach einer Viertelstunde – das wäre keine Übertreibung gewesen.

Schlüsselszene: SCP trifft leeres Tor nicht

Die Schlüsselszene ereignete sich aber nach der Pause. Luke Hemmerich bediente bei einem Gegenstoß von links Teklab optimal, doch der traf die Unterkante der Latte statt das leere Tor (74.). „Er ärgert sich am meisten und sitzt ganz bedröppelt da“, sagte Hildmann. „Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison. Wir haben von allen Mannschaften der Liga die meisten Chancen und ja auch die drittmeisten Tore geschossen.“

In der zweiten Hälfte blieben bei vernünftig ausgespielten Kontern auch noch Abschlüsse von Farrona Pulido (52.), Teklab (57.) und Alexander Langlitz (83.), der kopfschüttelnd den Platz verließ, ungenutzt. „Wir haben ja fast nichts zugelassen und die Kölner nur am Leben gelassen, weil wir vorne nicht getroffen haben“, sagte der Routinier. „Ein Sonntagsschuss oder so kann jederzeit passieren, 1:0 ist ein gefährliches Ergebnis.“ Er versuchte aber auch, das Gute herauszustellen: „Wenn wir alle Angriffe vollenden würden, wäre das das Sahnehäubchen, dann würden wir alle Spiele 5:0 gewinnen“, so Langlitz. „Spielanlage und Mentalität waren ja wieder top.“

Nur vier Feldspieler auf der Bank

Münster kassiert späten Ausgleich in Köln

Es war dennoch nicht das erste Mal, dass die Preußen eine frühe Entscheidung fahrlässig liegen ließen. Auch gegen Uerdingen und Wiedenbrück blieb es bis zum Ende formal spannend. Und die Geißböcke, die über 90 Minuten leicht unterlegen waren, blieben zwar lange ungefährlich, schlugen dann aber zu: Robin Ziegele prallte im Mittelfeld mit seinem Kollegen Simon Scherder zusammen, der liegenblieb. Dann flankte Noah Katterbach von links, Futkeu sprang höher als Hemmerich, Keeper Max Schulze Niehues und Nicolai Remberg, dessen Klärungsversuch misslang, irritierten sich womöglich gegenseitig. Münsters Torhüter hatte zuvor nur zweimal gegen Henning (74.) und Futkeu (87.) eingreifen müssen, umso bitterer war der Ausgleich.

Drei Fragen an Robin Ziegele

Im Titelrennen, in dem sich die Konkurrenz nur selten Patzer erlaubt, kann dieser verschenkte Sieg noch richtig fatal werden. Doch Hildmann blieb bei seinem Credo und wollte nicht in Tränen versinken: „Wir müssen uns sammeln, ich werde mich wieder vor die Mannschaft stellen und die Jungs aufrichten. Es war ja auch viel Pech dabei. Wir haben 41 Punkte nach der Hinserie, bleiben wir also sachlich.“ Verloren ist natürlich noch lange nichts.

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