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Fußball: Westfalenliga

Wie Luis Haverland von Mallorca nach Kinderhaus kam

Münster

Die Aussicht auf Ausbildung und Studium führte Luis Haverland von Mallorca ins Münsterland. Ganz nebenbei fand er in den vergangenen Wochen aber auch sein sportliches Glück. Bei Westfalia Kinderhaus ist er als Stürmer gefragt – und im nächsten Sommer vielleicht auch als Reiseführer.

Von Thomas Rellmann

Luis Haverland, hier im Duell mit dem Gievenbecker Johan Scherr (l.), ist mit seiner Schnelligkeit kaum einzufangen. Foto: Thomas Rellmann

Die Verbindung zwischen Westfalia Kinderhaus und Mallorca ist zügig hergestellt. Wenn Nick Rensing, Kevin Schöneberg und Co. die Mannschaftsfahrt des Westfalenligisten vorbereiten, gibt es nur ein Ziel, Jahr für Jahr. Transferdrähte auf die Balearen bestanden aber natürlich nicht. Bis Luis Haverland Potts, so sein vollständiger Name, auftauchte.

Seit dem 1. Juli ist der 22-Jährige in Deutschland, seit einigen Wochen spielt er für den Club aus Münsters Norden. Auch wenn es nicht sofort hörbar ist: Er wurde auf der Mittelmeerinsel geboren, spielte dort immer Fußball und wagte in diesem Sommer den Umzug in die Heimat seines Vaters.

Kellner, Barkeeper, Weingut

Der stammt aus Nordkirchen, handelt mit Immobilien und siedelte vor 23 Jahren über nach Spanien. Weil Ausbildungen dort nicht in der gewünschten Form möglich sind, nahm der Plan Formen an. „Ich habe mir im ersten Lockdown eine Veränderung, eine neue Herausforderung vorgenommen“, erzählt der Angreifer, der zuvor in Saisonarbeit als Kellner, Barkeeper und auf einem Weingut arbeitete. Weil er super kicken kann, ließ sich der Sport nun gut damit kombinieren. Bei der U 23 der Preußen, beim TuS Hiltrup und beim SV Herbern stellte sich Haverland vor. Davon bekam Westfalia-Coach Holger Möllers Wind und lotste ihn nach Kinderhaus – mit dem überzeugendsten aller Argumente, einer Lehrstelle in einem Drensteinfurter Fitnessstudio. Aktuell wohnt der Rechtsfuß in Ascheberg, der Umzug nach Münster, wo er das Hansa-Berufskolleg besucht, ist aber in Planung. Auf Sicht möchte er dann in Münster studieren, am liebsten etwas mit Sport oder wie der Vater mit Immobilien.

Physische und spielerische Unterschiede

Beim Dorfclub FC Pollenca, bei UE La Salle in der zweithöchsten Jugendklasse, bei CE Constancia und bei UE Alcudia war Haverland bisher aktiv – und nun Westfalia. „Hier wird mehr hinten rum gespielt, in Spanien geht es meist mit zwei, drei Pässen nach vorn. Physisch ist der Unterschied natürlich groß, es geht ordentlich zur Sache, man hat höchstens zwei Sekunden, um den Ball anzunehmen.“ Möllers hatte zunächst Sorge, sein Neuling könne mit der schmalen Statur Probleme bekommen, sobald er Gegenwehr erfährt. „Aber er hat eine unfassbar gute Technik und ist auf den ersten Metern so schnell, dass er sich Zweikämpfen entziehen kann.“ Sieht der Schützling auch so: „Der Antritt ist meine Stärke, auch das Eins-gegen-eins und der Torschuss.“ Wobei er einräumt, dass sein erster Treffer am Sonntag zum 1:0-Sieg in Nottuln „eher ein Torwartfehler“ war.

Luis Haverland

Einen Assist sammelte er bereits beim 1:1 gegen Gievenbeck. Die Quote bei drei Einsätzen stimmt also. Der Einstieg klappte, obwohl er gleich in den ersten Wochen nach dem Umzug mit einer Corona-Infektion („Zum Glück war der Verlauf mild und alle Symptome sind wieder weg“) zu kämpfen hatte. Überhaupt fühlt sich der Stürmer, dessen Mutter Niederländerin ist und der nur die spanische Staatsbürgerschaft besitzt, wohl an der Hütte. „Wir haben einen geilen Spirit. Die Mischung passt. Es sind einige Erfahrene und viele Junge, die mitziehen.“ Sportlich läuft es aktuell top. Die Verständigung ist sowieso kein Problem. Zu Hause auf Mallorca wurde immer in der Muttersprache des Papas kommuniziert. „Ich merke nur, dass mein Wortschatz noch nicht groß ist. Eine deutsche Schule habe ich nie besucht.“

Haverland ist sich sicher, dass er mit dem Schritt ins Münsterland alles richtig gemacht hat. Und wenn 2022 die Planungen für den Saisonabschluss der Westfalia anlaufen, kann er sich garantiert hilfreich einbringen. „Dann werde ich einer der Anführer sein“, lacht er. Zumindest, wenn die Platzhirsche im Kader das zulassen.

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