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Fußball: Regionalliga West

Wilder Preußen-Ritt durch Lippstadt – aber kaum Zeit für eine Analyse

Lippstadt

Ein Auf und Ab, eine denkwürdige Partie – aber keine Bewegung im Titelrennen. Preußen Münster kam nur zu einem 3:3 beim SV Lippstadt und hat im Grunde gar keine Zeit, um sich allzu lange mit der Partie aufzuhalten. Dienstag geht es gegen Fortuna Köln schon weiter.

Von Thomas Rellmann

Das 3:3 in der Nachspielzeit durch Paolo Maiella gegen Marko Dedovic Foto: Jürgen Peperhowe

Die Schlusspointe eines völlig verrückten Karsamstags gehörte nach diesem 3:3 (2:0) weder dem SV Lippstadt noch Preußen Münster. Weil Titelrivale RW Essen fünf Minuten vor dem Ende in der eineinhalb Stunden später angepfiffenen Partie gegen Borussia Mönchengladbach II noch das 1:1 kassierte, blieb der Fehltritt des Spitzenreiters ohne dramatische Folgen.

Sasxcha Hildmann

Denn nach einer Achterbahnfahrt hatten die Adler definitiv zwei Zähler liegenlassen, weil in der Nachspielzeit Paolo Maiella für den Gastgeber zuschlug. Die für den Kopf eigentlich so wertvolle Aufholjagd nach der Pause war obsolet. „Wir haben in der Halbzeit gesagt, dass wir wieder aufstehen müssen, wenn wir mal hinfallen“, sagte Trainer Sascha Hildmann. Beinahe gelang das perfekt. Der Pfälzer wirkte gefasst, wollte sich partout nicht zu lange mit dem Remis aufhalten. „Das hat keinen Sinn. Aufrichten, aufpäppeln, Dienstag wieder in voller Montur.“ Fortuna Köln ist dann zu Gast. „Ja, das Spiel hat Kraft gekostet, natürlich ist das Ergebnis bitter“, so der Coach. „Ich will es jetzt aber auch gar nicht groß einordnen. Keine Zeit, wir müssen das annehmen, weitermachen, uns nicht lange aufhalten. Es sind nur noch fünf Partien. Und es zählt ja nur Platz eins.“

Großchancen ausgelassen

Nach etwas schleppendem Beginn ließen Darius Ghindovean (13.), Henok Teklab (14.) und gerade Nicolai Remberg (15.) schon gute Szenen aus. Dann patzte Keeper Marko Dedovic und schoss ohne Not nach einem Rückpass Viktor Maier an (18.). Doch nach dem Rückstand reagierte der SCP gar nicht schlecht, nur scheiterten Deniz Bindemann (21.) und gerade nach einem Top-Konter Alexander Langlitz (28.) völlig frei an SVL-Torhüter Christopher Balkenhoff. Das war schon überaus fahrlässig, zumal auf der anderen Seite Luke Hemmerich, Marcel Hoffmeier, Thomas Kok und Ghindovean zu passiv agierten und Henri Matter das 2:0 per Schlenzer gestatteten (31.). Ein Wirkungstreffer – bis zum Wechsel war der Tabellenführer von der Rolle, sah sich unter Druck und griff kaum selbst an. Phil Halbauer (36.) und Maier (42.), gegen den Dedovic parierte, waren dem dritten Tor für nicht überragende Hausherren nah.

Serie ohne Gegentor endet

Ein echtes Powerplay entfachte Münster in Hälfte zwei zwar nicht, aber mit Gerrit Wegkamp kam insgesamt mehr Entschlossenheit auf. „Wir haben bewusst lange Bälle gespielt auf dem Boden, viel investiert, das war ganz gut“, sagte Hildmann. Schnell war der Rückstand durch zwei Kopfbälle aufgeholt. Balkenhoff unterlief eine Hemmerich-Ecke und schenkte Robin Ziegele den Anschluss (54.). „Wir wussten, dass ein Treffer reicht, um wieder drin zu sein“, sagte der Torschütze. Dann produzierte Kai Bastian Evers einen Fauxpas im Sechzehner, die so ermöglichte gefühlvolle Langlitz-Flanke nickte der kleine Teklab ein (60.).

Köln stolpert erneut

Es folgte eine Phase, in der sich beide Seiten sortierten, nur Ghindoveans Freistoß brachte etwas Gefahr (63.) – doch dann schlug Wegkamp zu. Balkenhoff griff wieder nach einem Hemmerich-Eckball vorbei, Münsters Joker flipperte der Ball vor die Füße und dann ins Netz (84.). Die Preußen schenkten nun vor allem durch Jan Dahlke einige Überzahlsituationen her. „Das müssen wir anders ausspielen. Zur Eckfahne laufen, den Ball halten oder das Tor machen, cleverer spielen. Dann passiert das nicht“, sagte Hildmann. Die Quittung kam, als die Deckung weit aufgerückt war, Schauerte und Valentin Henneke den Ball nicht erwischten, Dedovic zu spät kam und Maiella ungedeckt das Leder am langen Pfosten über die Linie schob (90.+2).

„Eine gewisse Leere im Kopf“ räumte Ziegele mit dem Spielende ein. „Schwer, hierfür Worte zu finden. Es ist ein Gefühlschaos. Erst ganz unten, dann ganz oben – und dann dieses Tor in der letzten Minute. Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht, auch wenn unser Plan in der zweiten Halbzeit ja funktioniert hat.“

Zweifellos bleibt der Aufstiegskampf spannend, ja spektakulär. „Bei unserer Führung hatte ich fast einen Herzinfarkt, so sehr habe ich mich gefreut“, sagte Hildmann. Die Fortsetzung des wilden Ritts folgt auf dem Fuße. Auch RWE muss Dienstag ran, gegen Lippstadt ... „Ich hoffe, ihr spielt dann auch so“, rief der SCP- Coach den Lippstädtern zu.

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