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Handball: TV Friesen Telgte

„Wir sind schwer enttäuscht“ – Reaktionen auf das Harzverbot

Telgte

Die Handballer des TV Friesen Telgte dürfen keine Haftmittel mehr benutzen. Über das Harzverbot „sind wir schwer enttäuscht“, sagt Abteilungsleiter Andreas Krause. Nicht nur bei ihm steigt bei diesem Thema der Blutdruck. Leistungshandball werde nicht mehr möglich sein, heißt es im Club.

Von Ralf Aumüller

Philipp Dichtler fängt einen langen Pass. Die Verantwortlichen beim TV Friesen befürchten eine deutliche sportliche Schwächung durch das Verbot von Haftmitteln seitens der Stadt Telgte. Foto: René Penno

Ludger Langenberg klickte sich am frühen Mittwochabend durchs Internet. Der Mann aus dem Führungsteam der ersten Telgter Handballmannschaft informierte sich über Bälle, bevorzugt über selbstklebende. „Wir müssen jetzt als Erstes neues Material bestellen“, sagt Langenberg.

Das nennt man Pragmatismus. Keine 24 Stunden zuvor hatte der Hauptausschuss des Stadtrates mit den Stimmen der Grünen und der SPD beschlossen, dass die Handballer ab sofort in der frisch renovierten Dreifachhalle am Schulzentrum keine wasserlöslichen Haftmittel mehr benutzen dürfen. In den anderen Telgter Sportstätten gilt das sowieso.

Emotionales Thema

„Wir können den Kopf ja jetzt nicht in den Sand stecken“, sagt Langenberg. Hört sich sehr rational an. Im Innern aber sieht es bei ihm und anderen Funktionsträgern beim TV Friesen ganz anders aus. Ihre Anregungen, um ein Verbot zu verhindern, hat die Lokalpolitik am Ende nicht aufgenommen. Die Handballer hatten beispielsweise eine einjährige Testphase ins Spiel gebracht. Die Dreifachhalle wird auch von Schulen genutzt.

Das Thema Harzen ist ein sehr emotionales. Wenn man sich mit den Friesen über das Verbot unterhält, spürt man das in jeder Silbe. „Wir sind schwer enttäuscht vom Bürgermeister, von den Grünen und der SPD“, sagt Abteilungsleiter Andreas Krause. „Wir haben uns bemüht ohne Ende, wir haben Argumente geliefert, wir haben einen Vorschlag nach dem anderen gemacht, aber am Ende gab es leider keinen Konsens.“ Die Ideen hätten sich nicht nur auf die Anschaffung einer Ballreinigungsmaschine oder die Möglichkeit zum Händereinigen in der Halle beschränkt.

Trainer Alpár Jegenyés

„Wir haben über 30 Jahre lang mit Haftmitteln gespielt“, sagt Langenberg. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass das möglich ist – mit einem vernünftigen Reinigungskonzept.“ Entscheidend ist aus seiner Sicht nicht nur der Inhalt eines Konzepts, sondern besonders die Umsetzung und Kontrolle.

Beim Thema Harzverbot schnellt der Blutdruck auch bei Alpár Jegenyés in die Höhe. „Wenn man will, kann man kooperativ sein. Dann findet man immer eine Lösung“, schnaubt der Trainer des Friesen-Landesligateams. In Telgte nutzten bislang die erste und zweite Männermannschaft sowie die A-Jugend die Klebemittel zur besseren Ballkontrolle.

Andreas Krause

„Dass Schulen bevorzugt behandelt werden, was zum Beispiel die Nutzungszeiten angeht, ist richtig“, sagt Sebastian Seitz, Coach der Reserve (Bezirksliga). „Aber der Vereinssport gehört wie eine Schule zum Stadtbild. Und das schränkt die Stadt mit dieser Entscheidung ein.“ Krause formuliert es schärfer. „Was mich extrem stört: Es wird immer nur gesagt, die Sporthallen sind für die Schulen“, wettert der Abteilungschef. „Es wird nie erwähnt, dass auch 400 Freizeitsportler die Halle nutzen. Die haben auch berechtigte Ansprüche.“

Die Friesen empfinden das Harzverbot aus rein sportlicher Sicht als Beginn einer neuen Zeitrechnung. „Langfristig ist das für den Telgter Handball nicht gut“, so Krause. „Wir müssen unsere Ansprüche herunterschrauben. Auswärtige Spieler werden wir nicht mehr bekommen.“ Langenberg sagt: „Wir müssen abwarten, wer von den jetzigen Spielern für die übernächste Saison überhaupt noch zusagt.“ Und Seitz erklärt: „Das Harzverbot erschwert uns die Arbeit hier sehr. Leistungshandball wird in Telgte nicht mehr möglich sein. Selbst spektakuläre Spielaktionen wie Dreher, die bisher selbstverständlich waren, wird man nicht mehr sehen.“

Bei allem Frust betrachtet Alpár Jegenyés die Sache auch schnell wieder lösungsorientiert. „Wir weinen nicht“, versichert der Trainer. „Die Stadt will das so, also stellen wir uns darauf ein.“ Also genau das, womit Ludger Langenberg direkt angefangen hat: den Markt sondieren und schnell neue Bälle ordern.

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