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Fußball: DFB-Pokal

Wolfsburger Wechselrausch kann für Preußen Münster sehr wertvoll werden

Münster

Diese Pokalpartie hatte schon alles zu bieten: Tore, Spannung, einen aufmüpfigen Außenseiter. Der VfL Wolfsburg gewann erst in der Verlängerung 3:1 bei Preußen Münster. Doch dem Erstligisten unterlief ein verhängnisvoller Wechsel. Zieht der Underdog jetzt in Rund 2 ein? Das ist die Ausgangslage.

Von Alexander Heflik

Zu früh gefreut? Der VfL Wolfsburg gewann mit 3.1 in Münster, wechselte aber sechs Spieler ein, nun droht das Pokal-Aus am grünen Tisch. Foto: Wilfried Hiegemann

Aus Sicht des SC Preußen Münster war es fast schon ein sensationeller Auftritt. Der Coup in der ersten Runde des DFB-Pokals war zum Greifen nah. Vielleicht 30 Sekunden und die fünf Minuten Nachspielzeit lagen zwischen Überraschungstriumph über den VfL Wolfsburg durch den potenziellen Siegtreffer von Marcel Hoffmeier und dem realen Ausgleich durch den eingewechselten Josip Brekalo. In der Verlängerung legte der Bundesligist durch Treffer von Wout Weghorst (103.) und Ridle Baku (120.) nach. Die Wölfe waren dank des mühsamen 3:1-Erfolges weiter, der SCP war für einige wenige Augenblicke nur der „Sieger der Herzen“. Eine nette Story, fast sogar eine „David-Erfolg“.

Wolfsburg aber droht nun die Niederlage am Grünen Tisch, dem SCP winkt das Weiterkommen in die 2. Runde – und damit nach knapp 130 000 Euro ein weiterer Erlös von rund 260 000 Euro Garantieeinnahme sowie bei einer vernünftigen Kulisse eine noch größere Einnahme. Gegen Wolfsburg waren schon mal wieder 6703 Zuschauer dabei.

Hoffmeier bringt Preußen in Führung

Aber was war passiert?

74. Minute: Münster geht nach einer überragenden kämpferischen Partie gegen die teilweise phlegmatischen Stars aus Wolfsburg durch Innenverteidiger Marcel Hoffmeier in Führung. Das Stadion steht kopf.

90. Minute: Der Ausgleich, der VfL hat zugelegt, Preußen geht die Puste aus. Josip Brekalo, der den VfL eigentlich verlassen will und eingewechselt wurde, trifft. Alle Anzeichen sprechen ab jetzt für Wolfsburg. Die Hausherren haben dreimal gewechselt, die Gäste viermal. Alles im Rahmen der sogenannten Slots. In der regulären Spielzeit dürfen bis zu fünf Akteure gewechselt werden. Allerdings darf nur dreimal dafür das Spiel unterbrochen werden. Möglich ist es, drei Spieler während der laufenden Partie sowie zwei in der Halbzeit zu tauschen. Es gibt auch weitere Konstellation – aber halt nur fünf Wechsel.

Paragraf 31 der Pokalspielordnung sagt auch, dass nicht mehr als fünf Spieler gebracht werden können. International gelten da manches Mal andere Regeln. Da darf zum Beispiel auch ein weiterer Mann in einer Verlängerung gebracht werden.

Bornauw kommt und legt für Weghorst vor

102. Minute: Der VfL wechselt, offenbar nach Rücksprache mit dem vierten Offiziellen, Tobias Fritsch, die Spieler fünf und sechs ein, es kommen Sebastiaan Bornauw und Admir Mehmedi.

103. Minute: Bornauw bereitet das 2:1 durch Weghorst vor.

120. Minute: Baku trifft auf Vorarbeit Yannick Gerhardt zum 3:1.

Beim SC Preußen ist das Thema längst aufgeploppt, Teammanager Harald Menzel hat den sechsten Wechsel sofort bemerkt. Sportchef Peter Niemeyer ist informiert. Direkt nach Spielschluss vermerkt auch Referee Christian Dingert die Anzahl der Wechsel. Wolfsburgs Sportdirektor Jörg Schmadtke wird gesehen, wie er von der Tribüne kommend in den Katakomben ein Mitglied des Trainerstabs „in den Senkel stellt“. Mitglieder der Sportlichen Leitung werden aktiv, sie wittern das Unheil.

19.44 Uhr: Der Kicker setzt eine Eilmeldung ab: „Wechselfehler! Wolfsburg droht das Pokal-Aus“.

SCP-Sportchef Peter Niemeyer sagt auf Anfrage unserer Zeitung: „Ich will eine Nacht darüber schlafen, wir machen uns intern Gedanken darüber.“ Geschäftsführer Bernhard Niewöhner und er sind die zentralen Entscheider. Innerhalb von 48 Stunden muss Protest beim Sportgericht des DFB eingelegt werden.

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