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Hausmittel bis Homöopathie

So gut wirken sanfte Methoden gegen Kopfschmerzen

Frankfurt/Main (dpa/tmw) –

Der Kopf dröhnt, aber Sie wollen nicht gleich zu Medikamenten greifen? Hausmittel, natürliche Heilmethoden und ein ausbalancierter Lebensstil können bei Kopfschmerzen oft schon Linderung verschaffen.

Von Juliane Stadelmann, dpa

Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn

Die Schläfen pochen, die Stirn drückt, der Nacken schmerzt. Kopfschmerzen können einen völlig lahm legen – doch nicht jeden Schmerz müssen Sie sofort mit Medikamenten behandeln.

Es gibt Alternativen - etwa Hausmittel und natürliche Heilmethoden. Vorher lohnt es sich aber die Kopfschmerzen zu analysieren, um mögliche Ursachen zu erkennen und zu verstehen.

Welche Auslöser für Kopfschmerzen und Migräne gibt es?

«Bis heute weiß man nicht genau, wie Migräne entsteht», erklärt Professor Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung für innere Medizin und Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin.

Experten gehen zum Beispiel davon aus, dass Rezeptoren aktiviert werden, die dem Gehirn Schmerzen melden. Die Auslöser für diese Aktivierung können aber sehr vielfältig sein.

Grundsätzlich unterscheiden Experten zwischen:

  • eigenständigen oder primären Kopfschmerzen, wie Migräne oder Spannungskopfschmerzen und
  • sekundären Kopfschmerzen, als Symptom einer anderen Erkrankung, etwa einer Grippe.

Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) gibt es für den Spannungskopfschmerz im Prinzip einen Hauptauslöser: Verspannungen.

Wie wirken sich Verspannungen genau aus?

Durch Stress und Anspannung werden laut dem Deutschen Verband für Physiotherapie die Funktionen der Wirbelsäule beeinträchtigt. Hinterkopf, Schläfe, Stirn und auch die Augenpartie werden von Nervenbahnen, aus dem oberen Halswirbel mit versorgt.

Die Muskeln in der Nacken- und Schulterpartie werden zum Beispiel bei einseitiger Sitzhaltung am Schreibtisch oder auch durch permanente Anspannung, etwa bei hochgezogenen Schultern, verspannt. Der Schmerz, der dabei entsteht, wird von den Nerven Richtung Kopf weitergeleitet.

Laut DMKG kann ein häufiges Auftreten der Verspannungen im Nackenbereich, die Empfindlichkeit der Schmerzzentren im Gehirn steigern und eine zusätzliche psychosoziale Belastung das Risiko von chronischen Spannungskopfschmerzen erhöhen.

Zwar gibt es für Migräne bedingte Kopfschmerzen eine genetische Veranlagung. «Aber jede bestehende Migräne wird schlimmer bei Stress, Sorgen, Anspannungen», so Michalsen.

Was hilft bei den unterschiedlichen Kopfschmerzarten?

Charly Gaul, Neurologe und Schmerztherapeut am Kopfschmerzzentrum in Frankfurt am Main, gibt Tipps, wie Sie Spannungskopfschmerzen unkompliziert und schnell behandeln kann:

  • Spannungskopfschmerzen bessern sich an der frischen Luft,
  • Auftragen von Pfefferminzöl auf Schläfen, Stirn und Nacken hilft gut,
  • Sind die Schmerzen stark, können Schmerzmittel helfen - etwa Ibuprofen, Acetylsalicylsäure und Paracetamol oder eine Kombination von Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein.

Die Therapie bei Migräne erfolgt mit speziellen Migränemitteln, sogenannten Triptanen. Einige Triptane erhalten Migräniker mittlerweile auch rezeptfrei in Apotheken. Laut Deutscher Arzneimittelverschreibungsverordnung allerdings nur, wenn zuvor ein Arzt oder eine Ärztin die Erstdiagnose gestellt hat.

Minzöl an den Schläfen kann bei Kopfschmerzen helfen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Wann können Sie Kopfschmerzen mit Hausmitteln behandeln?

Sich bei Kopfschmerzen «eben schnell» eine Tablette einzuwerfen, ist laut Michalsen der falsche Ansatz. Der Mediziner rät: «So lange es nicht massiv die Lebensqualität beeinträchtigt, würde ich mit natürlichen Heilmethoden und Hausmitteln anfangen und herausbekommen wie weit man damit kommt.»

Denn der Gebrauch von Kopfschmerzmitteln könne am Ende auch einen Kopfschmerz auslösen, der erst durch den Übergebrauch von Kopfschmerzmitteln entsteht. Man spricht dann von einem Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch, der nicht die Ursache, sondern die Folge einer Erkrankung ist. Das einzige, was dann hilft, ist laut medizinischer Leitlinien, die Schmerzmittel abzusetzen.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft rät: Nehmen Sie Schmerzmittel nicht länger als drei Tage hintereinander und höchstens an zehn Tagen im Monat. Migränepatientinnen und -patienten, die um ihre Erkrankung wissen, sollten die Triptane immer zur Hand haben, aber nicht vollkommen automatisiert zu ihnen greifen, rät Michalsen.

Gut zu wissen: Triptane sind laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ein Mittel zur Akutbehandlung bei Migräne. Soweit man weiß, erweitern sich bei einer Migräneattacke die Blutgefäße im Gehirn, aufgrund eines Serotonin-Ungleichgewichts.

Serotonin ist ein Neurotransmitter, der die Spannung der Blutgefäße reguliert und zur Blutgerinnung beiträgt. Triptane führen dazu, dass sich die Blutgefäße in der Hirnhaut verengen. Und sie aktivieren Rezeptoren, die die Weiterleitung von Schmerzreizen unterbinden.

Alternative zur Tablette: Pflanzliche Tees bei Kopfweh trinken. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

5 sanfte Wege: Wie können Sie Kopfschmerzen alternativ behandeln?

Bei Erkrankungen wie dem Cluster-Kopfschmerz handelt es sich um eine sehr besondere und seltene Form von Kopfschmerzen, die Sie meistens nur durch Medikamente in den Griff bekommen.

Doch grundsätzlich lassen sich Kopfschmerzen wie Migräne oder Spannungskopfschmerzen auch mit natürlichen Mitteln behandeln. Dazu gibt es fünf sanfte Wege als Anregung, die wir im Folgenden vorstellen.

1. Pflanzliche Mittel:

Pflanzliche Mittel gegen Spannungskopfschmerzen bekommen Sie in der Apotheke. Sie sollten diese entsprechend der Anleitung verwenden.

  • Minzöl: In die Schläfen und den Nacken einmassieren. Das deaktiviert Rezeptoren. Die Kühlung trägt zur Entspannung bei.
  • Weidenrinde: als Tee, Kapsel oder Tablette einnehmen.
  • Mädesüß: eine Heilpflanze, in der Regel als Tee zubereitet.

Wichtig: Weidenrinde und Mädesüß beinhalten Salicylate. Der Vorläufer der Acetylsalicylsäure (ASS) ist in vielen Schmerzmittelpräparaten enthalten ist. Reagieren Sie darauf allergisch oder mit einer Unverträglichkeit, sollten Sie auch die pflanzliche Variante meiden.

Tipp: Zur Dosierung und Anwendung pflanzlicher Mittel sollten Sie sich in der Apotheke oder beim Arzt beraten lassen. Für Kinder ist die Einnahme von ASS ungeeignet.

Alternativ kann auch eine Therapie helfen, in der Sie Vitamin B2, Magnesium und Coenzym B12 miteinander kombinieren und als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Diese Dreierkombination reduziert die Schmerzen erfolgreich und ist frei verkäuflich in der Apotheke erhältlich. Lassen Sie sich vorab vom Arzt zur Einnahme beraten.

2. Kneipp-Maßnahmen

Ob Barfuß-Pfade oder zum Kneippen geeignete Wasserbecken im öffentlichen Raum oder während einer Kur oder Reha – Kneipp-Maßnahmen sind ein anerkanntes Heilverfahren. Seit 2015 sind sie von der Kultusministerkonferenz sogar ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen und von der UNESCO anerkannt.

Das im 19. Jahrhundert von Sebastian Kneipp begründete Heilverfahren beruht laut dem deutschen Kneipp Bund auf fünf Säulen:

  • Wasser,
  • Bewegung,
  • Ernährung,
  • Heilpflanzen,
  • Lebensordnung.

Kurz vor einer Migräneattacke ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Blutgefäße reagieren auf Wärme und Kälte. Michalsen erläutert, dass man die Durchblutung von Gefäßen gewissermaßen trainieren könne. Dabei helfen auch Kneipp-Maßnahmen.

Dusche und Wechselbäder: Wärme kann Kopfschmerzen vertreiben. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Dazu vier Beispiele:

Nun den Körper in folgender Reihenfolge abduschen: rechtes Bein außen von Fuß bis Hüfte, innen am Oberschenkel zurück bis zum Fuß, dann das Gleiche links und zwar erst außen, dann innen. Nun den rechten Arm von Handrücken bis zur Schulter abduschen, innen zurück von Achselhöhle zur Hand, danach am linken Arm.

Es folgen: Brust, Bauch, Nacken, Gesicht. Das Ganze im Wechsel mit warmen Wasser zweimal wiederholen - kalt aufhören. Wasser abstreifen, eine halbe Stunde im Bett ruhen oder zum Aufwärmen leicht bewegen.

Wichtig: Bevor Sie die Kneipp-Methoden anwenden, sprechen Sie bitte unbedingt mit ihrem Arzt darüber. Bei einer bestehenden Herz-Kreislaufschwäche oder bei Durchblutungsstörungen eignen sich bestimmte Methoden eventuell nicht für Sie.

3. Aktiv entspannen

Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie hat regelmäßiger Ausdauersport einen wissenschaftlich belegten, positiven Effekt auf Migräne - die Frequenz der Anfälle könne Sport nachweislich senken.

Bewegung werde jedoch als Möglichkeit sanft gegen Kopfschmerzen vorzugehen manchmal nicht voll ausgeschöpft, so die Einschätzung von Gaul und Michaelsen.

Schmerz lass nach: Massagerolle kann Verspannungen lösen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Neben sportlicher Aktivität hilft auch aktive Entspannung:

Meditation: Konzentration auf einen Gedanken oder eine Empfindung und auf die Atmung. Sie können ruhebetont, gehend, sitzend oder liegend meditieren.

Autogenes Training: ein aus der Selbsthypnose entwickeltes Verfahren. Auch dabei kommen Sie durch gedankliche Konzentration zur Ruhe.

Thai Chi: die chinesische Bewegungslehre dient heute als Form der Gymnastik, der Entspannung und Konzentration. Oft erlernen Sie dabei Choreographien, die sich aus Stand- und Atemübungen zusammensetzen.

Muskelentspannung nach Jacobsen: durch gezielte Übungen werden Muskeln abwechselnd an- und entspannt. Dadurch kommt es insgesamt zu einer Muskelentspannung und zu einem Erholungseffekt.

Yoga: es gibt viele verschiedene Formen von Yoga. Meist geht bei der Praxis darum, durch die Verbindung geistiger und körperlicher Übungen, den Menschen in Einklang zu bringen. Auch hier spielt die Konzentration auf den Atem eine große Rolle.

Dem einen gelingt es bei einer Runde Joggen den Kopf auszuschalten, die andere kann sich in der Mittagspause zur Meditation zurückzuziehen. Welche Art der Entspannung ihnen hilft, ist am Ende Geschmackssache und nicht zuletzt von den Lebensumständen abhängig.

Wichtig: Finden Sie etwas, dass Ihnen Spaß macht und dass Sie in den Alltag einbauen können, rät Gaul.

Für chronische Migränepatienten wird während einer Therapie meist eine Kombination von Schmerzbewältigungstraining, Stressmanagement und Entspannungsverfahren eingesetzt.

4. Richtige Ernährung

Die Ernährung spielt durchaus eine Rolle. Der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel oder Inhaltsstoffe habe nach Angaben von Medizinern aber etwas an Bedeutung verloren.

Eine Studie der University of North Carolina hat nachgewiesen, dass eine Aufnahme von genügend ungesättigten Fettsäuren die Kopfschmerztage pro Monat, um 2 bis 4 Tage reduzieren kann.

Im Speziellen geht es um die Aufnahme von ungesättigten Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA und ALA). Sie stecken vor allem in:

  • fettreichem Meeresfisch, wie Hering, Makrele, Lachs,
  • Rapsöl und Leinöl,
  • Nüssen,
  • Blattgemüse,
  • Chia-Samen.

Michalsen empfiehlt eine pflanzliche, vollwertige, biologisch nachhaltige Ernährung mit wenig Zusatzstoffen, wenig E-Stoffen und wenig Konservierungsstoffe.

Dazu zählt zum Beispiel viel frisches Gemüse, das im Anbau nicht chemisch behandelt und schonend gegart zubereitet wird, um möglichst viele Nährstoffe zu erhalten.

Der Experte hebt die besondere Qualität des Heilfastens hervor: Fasten löse bei 25 bis 40 Prozent der Menschen erst einmal einen Kopfschmerzanfall aus, erweist sich aber auf lange Sicht erfolgreich.

In einer Beobachtungsstudie berichtete laut Michaelsen ein Großteil der Patienten nach ein bis zwei Wochen Fasten in den folgenden sechs Monaten keine oder deutlich weniger Migräneattacken gehabt zu haben.

Wichtig: Fasten muss unbedingt unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

5. Leben in Balance

Job, Freizeit, Familie – in vielen Bereichen des Lebens kann es zu Stress kommen. Manchmal nur kurzfristig, manchmal aber auch dauerhaft. Besteht über die Intensität des Stresses keine Kontrolle mehr, kommt es zu krankheitsauslösendem Stress.

«Stress ist immer gut, solange er nicht die Ressourcen übersteigt und solange man den Stress steuern kann», sagt Michalsen. Letztendlich ist es individuell und auch von privaten Umständen abhängig, welche Menge an Stress für die eigenen Ressourcen schon zu viel sein kann.

Der Mediziner weist auf die Wichtigkeit hin, täglich einmal die «Systeme runterzufahren» und rät zu regelmäßigem Ausdauersport. Weiterhin rät Michalsen dazu, viel auszuprobieren.

Um Anspannungen zu lösen, kann zum Beispiel Folgendes helfen:

  • Physiotherapie
  • Cranio Sacral Therapie: dabei werden durch Berührungen die natürlichen Selbstheilungsmechanismen im Körper aktiviert.
  • Akkupunktur

Oft sei es eine Kombination von Dingen, die dauerhaft den Stress reduzieren, so die Erfahrung von Michalsen.

Bewegung und Ablenkung: Spaziergang kann Kopfschmerzen lindern. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Kopfschmerzen und Homöopathie – helfen Globulis wirklich?

Ein homöopathischer Therapieansatz ist kein naturheilkundlicher Ansatz, so Michalsen.

Homöopathie: Hier wird versucht «Gleiches mit Gleichem zu behandeln». Substanzen, die eigentlich die Symptome der Krankheit auslösen, werden bei der Behandlung hochverdünnt eingenommen.

Die Naturheilkunde sucht dagegen pflanzliche Mittel aus der Natur, die in Form von Ölen, Kräutern, Salben, und so weiter gegen Krankheitserreger wirken oder das Immunsystem stärken.

Laut einer Studie der australischen Gesundheitsbehörde aus dem Jahr 2015 haben homöopathische Mittel gegen Kopfschmerzen und Migräne nicht mehr als einen Placebo Effekt. Homöopathie eignet sich laut dieser Studie höchstens als Ergänzung zu einer Therapie und sollte nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt stattfinden.

Genau wie bei Medikamenten auf Rezept kann die Einnahme von homöopathischen Mitteln dazu verleiten, nicht mehr an die wahre Ursache der Kopfschmerzen heranzugehen oder daran zu arbeiten.

«Es gibt Studien, die belegt haben, wenn Patienten gleich ein Rezept bekommen, dann schmälert das die Motivation, noch Sport oder Lebensstiländerungen durchzuführen, weil sie denken jetzt muss ich ja nichts mehr machen, damit ist die Sache gelöst», berichtet Michalsen.

Wichtig: Bevor Sie zur Tablette oder zum Globulus greift, sollten Sie die Gesamtumstände in den Fokus nehmen. Also die individuellen Ursachen des Schmerzes mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin klären.

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